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Holen sich Polen das Demminer Kraftwerk?

Hier öffnet sich schon seit über einem Jahr kein Tor mehr.
Hier öffnet sich schon seit über einem Jahr kein Tor mehr.
Thoralf Plath

Bei der Inbetriebnahme galt es als eines der modernsten seiner Art in Europa, doch aus den roten Zahlen kam das Demminer Biomasse-Kraftwerk nie heraus. Ende 2014 war Schluss. Jetzt hört man, polnische Verwerter wollten es kaufen. Was ist dran an dem Gerücht?

Der zurzeit teuerste Schrotthaufen Demmins steht in Meyenkrebs: das Biomasse-Heizkraftwerk. Äußerlich sieht es immer noch aus, als seien die Arbeiter nur mal kurz zur Frühstückspause weg – nur dass eben der Schornstein nicht mehr raucht. Das macht er seit bald einem Jahr nicht mehr: Ende 2014 schaltete die Hagenower Unternehmensgruppe Biotherm ihren Hightech-Ofen an der Peene endgültig ab.

Inzwischen halten sich seit Wochen hartnäckig Gerüchte in Demmin, dass polnische Industrie-Verwerter sich für das insolvente Werk interessieren – sie wollen es angeblich ab- und in Polen wieder aufbauen. Wie ehemalige Mitarbeiter von Biotherm berichten, soll es sogar schon mehrere Interessenten gegeben haben.

Dementi vom Besitzer

In der Hagenower Unternehmenszentrale von Biotherm reagiert man allerdings verwundert auf angebliche Interessenten aus Polen. „Anscheinend haben einige unserer ehemaligen Mitarbeiter da besondere Informationsquellen“, sagt Geschäftsführerin Ute Nähter-Hoffmann, „uns ist in diese Richtung jedenfalls nichts bekannt.“ Sie gibt zu bedenken, dass eine Wiederverwendung der Anlage zwar möglich sei, aber teuer werden würde: „Da müsste ein gut siebenstelliger Betrag investiert werden, um das Kraftwerk wieder betriebsbereit zu machen. Ich glaube kaum, dass ein Investor dazu bereit ist, solange nicht entweder eine Bank eine nennenswerte Zuzahlung leistet oder sich vor Ort eine zusätzliche Einnahmequelle erschließt.“

Insofern spräche zumindest nichts dagegen, das Kraftwerk ab- und anderswo wieder aufzubauen. „Man soll nie ‚Nie‘ sagen“, räumt auch die Biotherm-Chefin ein. Sie selbst sieht für ihr Unternehmen allerdings „momentan keine Möglichkeit, noch einmal in Demmin tätig zu werden“.