Drama in Bentzin
Hunde auf Hof verhungert und durchgefroren

Ein Bild des Jammers: Für das ältere Tier kam jede Hilfe zu spät.
Ein Bild des Jammers: Für das ältere Tier kam jede Hilfe zu spät.
Tierschutzverein

Bei der Kontrolle auf einem Hof in Bentzin entdeckte das Veterinäramt zwei völlig verwahrloste Hunde. Das Elend machte die Tierschützer sprachlos.

Die Landesvorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes in Mecklenburg-Vorpommern, Kerstin Lenz aus Randow, hat in den Jahrzehnten ihres Engagements für Hunde schon einiges an Elend erleben müssen. Doch was ihr jetzt in Bentzin unter die Augen kam, dürfte mit zur schlimmsten Kategorie zählen: „Ich war fix und fertig.”

Denn auf einem Hof begegnete ihr der Tod, verursacht anscheinend durch die völlige Gleichgültigkeit junger Hundehalter. Vorausgegangen war ein Hinweis von Nachbarn, in dessen Folge das Veterinäramt am Mittwoch vor einer Woche in dem Dorf bei Jarmen aufkreuzte.

Für Amtstierarzt Gunter Pannwitz vom Landkreis Vorpommern-Greifswald bestätigten sich vor Ort die unerhört klingenden Beobachtungen der Zeugen: Er fand zwei vermutliche Labrador-Mischlingshündinnen in einem Zwinger vor, von denen die ältere bereits verstorben und deren Tochter kurz davor war. Immer wieder müssen Tierschützer Tiere retten. So musste ein Hund in Demmin aus einem Autowrack befreit werden. Weil ein Mann einen Hund unweit des Neubrandenburger Tierheims ausgesetzt hatte, hat er eine Haftstrafe bekommen. Der Hund war später gestorben.

Hunde wurden dem Hungerstod preisgegeben

Der Hauptgrund für diesen Zustand: Die Tiere waren allem Anschein nach dem Hungertod preisgegeben worden. „Da habe ich wohl ein bisschen zu wenig gefüttert“, schildert Kerstin Lenz die Antwort des Eigentümers auf die Frage, wie es so weit kommen konnte.

„Der ganze Hof war eine Dreckecke“, beschreibt sie das Umfeld, in dem der Verhau für die Hunde stand. In Deutschland ist die Zwingerhaltung zwar erlaubt, doch als Zwinger will sie diese Behausung nicht bezeichnen, stattdessen als Gefängnis. Raus gelassen worden seien die Hündinnen wohl kaum bis gar nicht, wie der viele Kot um sie herum belegte.

„Nicht einmal Stroh hatte der Eigentümer übrig, in dem sie sich hätten vergraben und etwas Wärme finden können.“ Und so setzte neben dem Futterentzug auch das Wetter dem Duo immer härter zu. Von allen Seiten pfiff der eisige Winde schneidend über die ausgemergelten Körper. „So blieb ihnen nichts weiter übrig, als völlig abgemagert sich bibbernd aneinanderzulegen“, so Kerstin Lenz.

Das ältere Tier starb jämmerlich

Wie lange dieses Martyrium andauerte, lässt sich schlecht belegen, doch die Expertin geht von mehreren Monaten aus. Sodass die Ältere aus dem Duo eines Tages vermutlich zu schwach gewesen sei, um aufzustehen. Und sie letztlich jämmerlich starb. Ein Schicksal, welches ihrer Tochter, die von den Tierschützern „Lana“ getauft und auf fünf bis sechs Jahre geschätzt wurde, wahrscheinlich bald ebenso gedroht hätte, wäre nicht das Landratsamt eingeschritten.

„In ihrem Zustand braucht sie sechs Mahlzeiten am Tag“, erklärte Kerstin Lenz. „Man muss ja mit kleinen Portionen anfangen, um sie erst mal wieder aufzupäppeln.“ Momentan lebe Lana bei ihnen im Haus und entwickle sich zu einem regelrechten Schatz. „Zu jedem und allen freundlich, sie bettelt förmlich nach Liebe!“

Lana könnte ein richtiger Familienhund werden

Leider sei das Tier durch das stetige Eingepferchtsein noch gewohnt, seinen Kot dort abzusetzen, wo es schläft. Ansonsten eigentlich undenkbar für einen Hund, weiß die Vereinsvorsitzende. „Sie ist echt eine arme Socke. Aber ich glaube, dass wir sie stubenrein kriegen.“ Ohne das stünden die Vermittlungsaussichten für Lana wohl schlecht, obwohl sie nach Ansicht von Kerstin Lenz das Zeug habe, „ein richtiger Familienhund zu werden”.

Wer Interesse an Lana zeigt, sollte sich am besten bald in Randow melden. Bis Ende Januar brauche Lana aber noch, um sich von ihrem Martyrium zu erholen, schätzt die Tierschützerin.

Für den Bentziner Hof setzt Kerstin Lenz darauf, dass Landkreis und Staatsanwaltschaft ein klares Exempel statuieren. „Ich hoffe, die bekommen ein Tierhaltungsverbot, das ist für mich das Mindeste.“ Noch besser wäre ein Gerichtsverfahren samt spürbarer Strafe, so ihre Auffassung.