Unsere Themenseiten

:

Ich geb Gas, ich geb Gas: Mit 56 noch mal in die Schule

In der Schule des mobilen Lebens: Mit 56 macht Jutta Warziniak noch ihren Führerschein.  FOTO: thoralf plath

Demmin.An die Spruchweisheit vom lebenslangen Lernen denkt Jutta Warziniak derzeit öfter mal. Die Schulzeit hat sie schon eine Weile hinter sich, und über ...

Demmin.An die Spruchweisheit vom lebenslangen Lernen denkt Jutta Warziniak derzeit öfter mal. Die Schulzeit hat sie schon eine Weile hinter sich, und über einen Ausbildungsplatz muss die Demminerin sich auch nicht mehr den Kopf zerbrechen mit ihren 56 Lenzen. Nun drückt sie doch noch mal die Schulbank. Die hat ein Lenkrad und sechs Gänge, und wenn man mal nicht aufpasst, ist der Motor schnell abgewürgt. So wie jetzt gerade, mitten auf den Schienen des Bahnübergangs Pensiner Weg. Hektik. Ruckeln, wieder steht der Motor. „So, ganz ruhig jetzt mal, Jutta“, schaltet sich Beifahrer Lutz Blendow ein, die Stimme so betont beiläufig, als sei die Bahnstrecke seit Jahren außer Betrieb. „Konzentrier dich einfach. Das war der vierte eben. Das hast du gemerkt, oder?“ Jutta Warziniak nickt. Farbe und Ausdruck in ihrem Gesicht schwanken zwischen Sonnenbrand und Nervenklinik. Immer die Ruhe? Leicht gesagt. Dann doch: Der Motor läuft, der Focus rollt an, im ersten Gang jetzt, etwas hochtourig, aber ohne ein Rucken. „Na siehste, du kannst das doch“, lobt Blendow. „Einfach weiter. Sowas passiert.“ Er scheint die Ruhe selbst. Situationen wie diese hat er ungezählte Male erlebt in seinen bald 25 Jahren als Fahrlehrer in Demmin. Situationen wie diese machen die Fahrschule für wohl fast jeden zu einem Erlebnis, das man nicht wieder vergisst im Leben. An ihre Fahrlehrer erinnern sich die Leute noch nach Jahren. Auch Jutta Warziniak wird das so gehen. Sie kam erst spät zur Fahrschule, ihr Mann hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall. „Da stellen sich viele Fragen neu“, erzählt sie. Mit der Theorieausbildung hatte sie null Probleme, gleich im ersten Anlauf bestand sie. „Aber anfahren und schalten, das war der reine Horror.“ Inzwischen läuft das fast glatt. Natürlich wird sie bestehen, da ist sich Lutz Blendow ganz sicher. „Das sind nur noch Kleinigkeiten.“ Er muss es ja wissen in seiner Schule fürs mobile Leben.tp