2015 schloss das Kreisheimatmuseum in Demmin. Ob und wie es weitergeht, ist bislang ungewiss.
2015 schloss das Kreisheimatmuseum in Demmin. Ob und wie es weitergeht, ist bislang ungewiss. NK-Archiv
Sitzung

Ideensammlung zu Museum Demmin scheitert an Grundsatzfrage

Eigentlich wollten sie Ideen für ein Museum sammeln, letztlich wurde es ein Gespräch über Hindernisse und Abläufe, das immerhin nicht ganz ohne Ergebnis blieb.
Demmin

Eigentlich lautete der neunte Tagesordnungspunkt bei der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Schulen und Kultur am Dienstag „Ideensammlung Museum“. Nicht zum ersten Mal, wie die Ausschussvorsitzende Kathrin Giebener-Trost (UWG) anmerkte. Der Grundton war entsprechend enttäuscht. Ein wirkliches Konzept zum Umgang mit dem Museumsbestand liegt noch nicht vor, stattdessen ein zweiseitiges Arbeitspapier für den Landkreis, dessen Beschluss über die Fundusübernahme noch aussteht. Die eigentlichen Forderungen des Kreises erfüllt das kurze Schreiben über die vorläufigen Schritten nicht. Und überhaupt: „Wir sollten an diesem Punkt schon viel weiter sein“, bemängelte Kathrin Giebener-Trost unter Zustimmung aus dem Ausschuss.

Schreiben liegt seit Februar beim Landkreis

Zu dem zweiseitigen Arbeitspapier hatten nach Angaben von Nancy Klevenow von der Stabsstelle Marketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung Experten des Pommerschen Landesmuseums geraten, die die Stadt konsultiert hatte. „Sie sagten, dass es für uns als Verwaltung nicht möglich ist, ein Konzept zu erstellen. Bevor mit dem Fundus gearbeitet werden kann, sind die darin beschriebenen Schritte nötig“, so Klevenow. Seit Mitte Februar liegt das Schreiben dem Landkreis vor, zusammen mit einem bereits im vergangenen Jahr von der Stadt beschlossenen Vertrag über die Übernahme des Museumsfundus zum 1.1.2022. Dem Vertrag nach erwirbt Demmin den Bestand des ehemaligen Kreisheimatmuseums für einen symbolischen Preis vom Landkreis, unter der Bedingung, ihn langfristig „in einer museumsgerechten Qualität zu erhalten, um diesen gegebenenfalls wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen zu können“. Der Kreis sagt darin außerdem einen Zuschuss zu für Miete, Nebenkosten und Personalausgaben in den ersten drei Jahren nach Wirksamwerden der Vereinbarung. Erst nachdem der Vertrag zwischen beiden Partnern ausgehandelt worden war, stellte der Kreis laut dem stellvertretenden Bürgermeister Ronny Szabó die zusätzliche Forderung an die Stadt, ein inhaltliches und finanzielles Konzept für die fachgerechte Lagerung und öffentliche Zugänglichkeit des Fundus vorzulegen.

Keine Ideen, aber immerhin ein Beschluss

Dass noch vor Beratung der unterschriftsfähigen Vereinbarung im Kreistag weitere Ansprüche gestellt wurden, stieß im Ausschuss auf Unverständnis. Ein Konzept könne erst dann erarbeitet werden, wenn die Übernahme des Fundus auch von Kreisseite bestätigt sei, argumentierte Szabó. Am Ende konnten im Sitzungsprotokoll zwar keine neuen Ideen für ein Museum festgehalten werden, aber doch immerhin ein Beschluss: So soll die Verwaltung den Landkreis in einem Schreiben auffordern, zunächst den Übernahmevertrag zur Beschlussfassung in den Kreistag einzubringen. Nach der Unterzeichnung könnten dann weitere Schritte im Hinblick auf eventuelle Konzeptionen zum Umgang mit dem Fundus vorgenommen werden. Wegen der Verzögerungen im Ablauf soll der Vertrag nach Wunsch des Ausschusses außerdem erst ab 1.1.2023 gelten, damit die finanzielle Unterstützung durch den Kreis wie zugesagt für drei Jahre genutzt werden kann. Die Beschlussvorlage zur Übernahme des Museumsfundus war im Kreistag zeitweise wegen der Corona-Pandemie zurückgestellt worden. Nach Angaben des Landkreises soll sie nun aber am 13. Juni zur Entscheidung vorgelegt werden.

Bindende Grundlage steht aus

Die Hürden zu einem inhaltlichen Austausch über das Museum wären damit allerdings längst nicht alle beseitigt: So steht über der Debatte die Frage, ob ein Museum überhaupt erwünscht ist. Zwar hatten sich Bürgermeister und Ausschussmitglieder immer wieder für ein solches Vorhaben ausgesprochen, einige sehen das Museum zudem als logische Konsequenz der geplanten Fundusübernahme. „Ich kaufe mir ja auch kein Auto, um es in die Garage zu stellen“, argumentierte Kathrin Giebener-Trost. Doch eine bindende Grundlage in Form einer offiziellen Entscheidung steht noch aus. „Wir müssen einen Beschluss fassen, dass wir in irgendeiner Form ein Museum haben wollen“, mahnte Bernd Koltz (IVD). Erst dann könnten die weiterführenden Fragen diskutiert werden.

Für die Stadt wäre das Museum eine freiwillige Aufgabe. Karsten Behrens, Vorsitzender des Heimatvereins und ständiger Fürsprecher für das Museum, hält eine Förderung bei einem entsprechenden Konzept mit Alleinstellungsmerkmal aber für wahrscheinlich.

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