Stuttgarter Studenten auf Demmin-Mission
Ideensuche für den Neubau am Markt

Hans-Jürgen Syberberg (links), Professor Alexander Schwarz (Mitte) und die Architekturstudenten der Uni Stuttgart tauschten sich am Samstagabend über das Demminer Stadtbild aus.
Hans-Jürgen Syberberg (links), Professor Alexander Schwarz (Mitte) und die Architekturstudenten der Uni Stuttgart tauschten sich am Samstagabend über das Demminer Stadtbild aus.
Denny Kleindienst

Wie könnte der Neubau auf der Marktsüdseite aussehen? Mit der Frage beschäftigen sich jetzt 20 Stuttgarter Architekturstudenten. Am Wochenende haben sie Demmin besucht – und überlegt, ob es den Neubau überhaupt braucht.

Demmin oder Rom? Die Architekturstudenten der Universität Stuttgart hatten die Wahl, für welche Stadt sie einen Entwurf anfertigen wollen. Nicht gerade wenige entschieden sich für Demmin. Laut ihrem Professor Alexander Schwarz sind die 20 Studenten, die sich nun mit der Marktplatzbebauung und speziell der Bebauung der Marktsüdseite in Demmin beschäftigen, rund zehn Prozent derer, die sich gemeldet hatten. Doch die Plätze im Kurs waren begrenzt. Die 20 Studenten arbeiten in Zweier-Teams und haben nun bis Februar Zeit, ihren Entwurf vorzulegen.

Einen Neubau auf der Rasenfläche zwischen Demminer Rathaus und dem Wohnblock in der Kahldenstraße zu errichten, ist der erklärte Wunsch des Nossendorfer Filmemachers Hans-Jürgen Syberberg. Syberberg und Schwarz kennen sich. Schwarz ist außerdem Design-Direktor im renommierten Architekten-Büro von David Chipperfield und hat etwa das wiederaufgebaute Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel entworfen.

Frischer Blick von außen

Wieso schickt er seine Studenten überhaupt nach Demmin? Weil sie dieses Bauprojekt sicher nicht kennen, erklärte er. „Es ist spannend, eine unverbrauchte Sichtweise zu haben.“ Der frische Blick von außen führe wiederum zu neuen Ideen, die vielleicht ja aufgegriffen werden.

Klar ist, dass jeder der Entwürfe „eine universitäre Arbeit ist“, wie Schwarz sagte. Er sprach von der Möglichkeit, den Entwurf „zu reduzieren auf Fragestellungen, die geeignet sind, Relevantes zu finden. Weil der Blick nicht verstellt ist durch das Wissen, warum es nicht geht.“ Man kann auch sagen: Die Studenten sollen etwas entwerfen, das auf den Markt passt. Um die Finanzierung und dergleichen sollen sie sich nicht den Kopf zerbrechen.

Gebäude-Nutzung stand vor Optik

Am Wochenende haben die Studenten Demmin besucht, haben den stellvertretenden Bürgermeister Kurt Kunze getroffen, sich vom früheren Museumsleiter Hans Clemens die Stadt und von Kirchenmusikdirektor Thomas Beck die Orgel in St. Bartholomaei zeigen lassen. Sie waren auch in Dargun und Kummerow. Am Samstagabend fand dann im Haus des Antiquitätenhändlers Wolfram Esch ein Ideenaustausch in großer Runde statt.

Diskutiert wurde dabei aber nicht, wie ein Neubau aussehen könnte. Es ging vor allem darum, wie er genutzt wird. „Es ist nicht viel, das fehlt“, sagte Alexander Schwarz zu der Idee, die Häuserzeile wieder aufzubauen. Und er war zugleich unsicher, ob das ausreicht, um den Marktplatz wieder zu gewinnen. Schwarz fragte: „Was sollen diese Häuser machen für den Platz?“ An dem Punkt erinnerte der Ideenaustausch an die Diskussion, die auch in Demmin geführt wird und in die große Frage mündet: Soll die Marktsüdseite überhaupt bebaut werden?

Was die Studenten aus Demmin mitnehmen, ist erst einmal ein Eindruck vom Marktplatz. „Fehlende Atmosphäre“, „Leere“ und „Vakuum“ waren die Stichworte, die in der Runde fielen. Die Studenten werden sich etwas einfallen lassen, um das zu ändern.