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In frischer Luft und bei bestem Wetter: In Loitz gab es gestern einen Gottesdienst neben der Marienkirche – die erste derartige öffentliche Veranstaltung am mittleren Peenetal seit rund eineinhalb Monaten. Stefan Hoeft
Premiere in Loitz

Im Gottesdienst hoffen auf die nächste Befreiung

In Loitz gab es nach eineinhalb Monaten Corona-Zwangspause nun erstmals wieder einen öffentlichen Gottesdienst im mittleren Peenetal. Trotz dieses Hoffnungsschimmers haben sich die Kirchgemeinden zur Absage vieler traditioneller Termine im Mai/Juni entschieden – Konfirmation eingeschlossen.
Loitz

Eigentlich gäbe es diese Woche in Loitz Bedeutendes zu feiern, vor genau 75 Jahren fand die kampflose Übergabe des Ortes an die Rote Armee durch Superintendent Carl Winter statt. Womit hier der Zweite Weltkrieg endete. Ein Datum, das der heutige Pastor Bernd-Ulrich Gienke bewusst an den Eingang einer ebenfalls ganz besonderen Sonntagspredigt stellte: Gestern fand neben der St.-Marien-Kirche unter freiem Himmel erstmals wieder ein Gottesdienst im mittleren Peenetal statt, nachdem wegen der Corona-Krise sämtliche Veranstaltungen dieser Art seit Mitte März als passé gelten. „Wir wünschten uns heute auch eine Befreiung – von diesem Virus und all den Einschränkungen, die damit verbunden sind“, erklärte Gienke vor etwas mehr als 30 Zuhörern, die auf in mehr als zwei Meter Abstand postierten Stühlen Platz genommen hatten.

Der mit einer Grabplatte verschlossene alte Türeingang hinter ihm sei wie ein Symbol für die heutige Krisenzeit, meinte der Seelsorger. Wobei ja nicht nur der Zugang zu den Gotteshäusern und das enge Miteinander der Menschen verhindert werde. „Dieses Virus zwingt uns neue Grenzen zu ziehen“, erklärte er, verbunden mit einer Mahnung: „Da rufen die einen schon zurück zur Normalität, und wir alle wissen doch eigentlich, was einst normal war, wird so schnell nicht wieder kommen.“

Dabei sei vielen schon vor Covid-19 klar gewesen, dass es so wie bisher nicht weitergehen könne auf der Welt, befand Gienke. Er verknüpfte Glaubensfragen mit Politik und Wirtschaft, predigte die Schaffung neuer Bewertungskriterien, einhergehend mit der Abkehr von maximaler Globalisierung und Durchökonomisierung bestimmter Dinge wie der Medizin. „Ein neues Denken ist nötig, nicht mehr nur Zahlen zählen“, äußerte der Pastor. Verbunden mit der Hoffnung, dass am Ende das Miteinander profitiere – ganz im christlichen Geiste. Und natürlich hoffe er, dass demnächst wieder Gottesdienste im normalen Rhythmus stattfinden können.

Jubiläum auf den Herbst verschoben

Für die traditionell Pfingstsonntag geplante Konfirmation allerdings wird das nicht gelten. Denn selbst wenn es bis dahin, am 31. Mai, wieder Lockerungen der Verbote gäbe, würden die damit verbundenen Feiern viele Familien vor Probleme stellen, machte Gienke im Gespräch mit dem Nordkurier klar. Allein schon was die Anreise von Gästen und das Catering betrifft. Von daher sei schweren Herzens der Entschluss gefallen, alles zu verschieben – nach gegenwärtigem Stand auf den 4. Oktober.

Ein schmerzhafter Schritt, den auch sein Jarmener Kollege Arnold Pett vollziehen musste, wo zu Pfingsten sieben junge Leute aus der Peenestadt und ihrer Umgebung eine große feierliche Zeremonie erleben sollten. „Wie es da weitergeht, ob wir das vielleicht sogar auf 2021 verschieben, da muss ich jetzt erst mal mit den Eltern reden“, erklärte er am Wochenende. Schließlich wolle niemand große Abstriche an so einem Gottesdienst. Die Jubiläumskonfirmation Mitte Mai sei ebenfalls abgesagt und vorerst auf den Herbst verschoben, hier soll dann Erntedank einen besonderen Rahmen bieten.

Zwar hatte die Kirchengemeinde noch eine ganze Reihe Termine im aktuellen amtlichen Jarmener Informationsblatt veröffentlichen lassen. Aber das hing mit dessen frühem Redaktionsschluss und der da noch relativ unklaren Lage zusammen, so der Pfarrer. „Wir wussten ja nicht wie es weitergeht und haben lange gehofft. Aber deshalb steht darüber ja auch ein Vorbehalt.“ Sprich falle aus. Ob das auch für den 5. Motorrad-Gottesdienst in Tutow gelte oder die Radtour zu Himmelfahrt, dahinter stünden noch Fragezeichen.

Wobei Pett sein Unverständnis äußerte, dass beispielsweise Baumärkte ihre Türen öffnen dürften und sich dort lange Schlagen bildeten, während Gotteshäuser weiter zu bleiben müssten, obwohl sich auch dort das Abstandgebot einhalten ließe. In Jarmen sei nicht mal das Ansinnen eines Freiluft-Gottesdienstes vom Ordnungsamt genehmigt worden – jedenfalls bis einschließlich 8. Mai.

 

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