LEERSTAND

Immer mehr Demminer Kleingärten liegen brach

Immer mehr Parzellen in den großen Vereinen werden aufgegeben und stehen leer. Die Stadtverwaltung möchte nun gemeinsam mit den Vorständen ein Konzept entwickeln, wie die brachliegenden Gärten künftig genutzt werden können.
Immer mehr Parzellen finden keine Pächter mehr. Die Älteren geben auf, die junge Generation hat keine Zeit mehr. Vor
Immer mehr Parzellen finden keine Pächter mehr. Die Älteren geben auf, die junge Generation hat keine Zeit mehr. Vor allem die größeren Kleingartenvereine „Neues Leben”, „Morgenrot” und „Karl Förster” sind vom Leerstand betroffen. Danilo Vitense
Demmins Bürgermeister Michael Koch.
Demmins Bürgermeister Michael Koch. Denny Kleindienst
Demmin.

Es fällt einem nicht sofort auf, wenn man durch Demmins Gartenkolonien spaziert, denn hinter vielen Zäunen und Hecken verbirgt sich ein liebevoll angelegtes Paradies. Doch gerade die größeren Kleingartenvereine in der Hansestadt haben zunehmend mit Leerstand zu kämpfen. Es ist eine stille Folge des demografischen Wandels und der drastischen Abwanderung, die Demmin seit der Wende verkraften musste. Dabei gibt es doch kaum eine preisgünstigere Freizeitgestaltung als einen Kleingarten. Nicht zu vergessen der gute Zusammenhalt unter den Gartenfreunden und die Früchte der Arbeit, die man über das Jahr in Form von selbst geerntetem Obst und Gemüse genießen kann.

Dennoch ist das Problem vor allem bei den größeren Vereinen in der Stadt vorhanden. „Weit über 70 Prozent unserer Mitglieder sind Rentner. Schon jetzt steht etwa ein Viertel der Parzellen leer und es mangelt an Nachwuchs“, betont der Vorsitzende des Kleingartenvereins „Karl Förster“, Peter Friedrich gegenüber dem Nordkurier. Es sei seiner Meinung nach abzusehen, dass diese negative Entwicklung in den nächsten Jahren weiter zunehmen werde.

Fast jeder dritte Garten ohne Besitzer

Ähnlich kritisch sieht es in der Gartenanlage „Morgenrot“ aus: Von 209 Gärten werden 56 derzeit nicht genutzt. Für die Vereinsvorsitzende Gudrun Voß liegt das jedoch nicht nur daran, dass viele Demminer ihre Parzellen aus Altersgründen abgeben. „Es gab durchaus auch Leute, die bei uns in der Vergangenheit Gärten übernommen haben, sich dann aber nicht mehr darum kümmerten und alles verdreckt und verwildert zurückließen“, ärgert sich Gudrun Voß.

Beim Kleingartenverein „Neues Leben“ ist mittlerweile sogar schon fast jeder dritte Garten ohne Besitzer. Die meisten davon sind zwischen 500 und 600 Quadratmetern groß. „Solche Flächen wollen auch bewirtschaftet werden. Doch gerade die jüngere Generation verliert schnell wieder die Lust am eigenen Garten, wenn sie merken, dass damit nicht nur Grillpartys im Freien, sondern auch eine Menge Arbeit verbunden sind“, ist der Vereinsvorsitzende Gerald Affeldt überzeugt. Vier von fünf Parzellen, die man im vergangenen Jahr an junge Paare oder Familien vergeben habe, lägen jetzt schon wieder brach, da die Pachtverhältnisse nach relativ kurzer Zeit beendet wurden.

Um der Verwilderung vorzubeugen, hätte der Verein die betreffenden Gärten in der Vergangenheit schon auf eigene Kosten zurückgebaut oder in Streuobstwiesen verwandelt. Denn für die leer stehenden Parzellen seien jährlich bis zu 2500 Euro fällig. „Dadurch wird das Geld in der Vereinskasse natürlich immer knapper“, betont Gerald Affeldt.

Rückgabe von Flächen an die Stadt?

Dass einige Gartenfreunde sich große Sorgen um ihre grünen Oasen machen, ist auch der Stadtverwaltung nicht entgangen. Genau deshalb wurden die Vorsitzenden der Demminer Kleingartenvereine nun auch ins Rathaus eingeladen, um gemeinsam mit dem Bürgermeister und den Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Umwelt und Tourismus über die derzeitige Situation zu diskutieren. „Wir werden uns in den nächsten Wochen mit den jeweiligen Vorständen bei Begehungsterminen darüber austauschen, wie eine Nutzung der betreffenden Gärten in ferner Zukunft aussehen könnte“, sagte Michael Koch.

In den Bereichen, wo sich der Leerstand konzentriert, möchte man mit den älteren Kleingärtnern sprechen, ob sie sich vorstellen könnten, ihre Parzellen in den nächsten fünf bis zehn Jahren aufzugeben oder auf Wunsch in einen anderen Teil der Anlage umzusiedeln. „Mit dieser Maßnahme wollen wir ein zusammenhängendes Gebiet gewinnen, das wir als Stadt von den Vereinen zurücknehmen und dann einer anderweitigen Nutzung zuführen“, erklärte Demmins Bürgermeister bei der jüngsten Ausschusssitzung, ohne Näheres verraten zu wollen.

Die Kleingärtner freut’s, dass die Stadt einen Schritt auf sie zugeht und ihnen Unterstützung anbietet. „Allerdings wird sich dieses Vorhaben nicht von heute auf morgen umsetzen lassen, sondern braucht seine Zeit“, meint Gerald Affeldt. Der Demminer Gartenfreund hofft, dass sich der jetzige Trend noch umkehren lässt und vielleicht doch wieder mehr neue Pächter gefunden werden können. Denn eine wirkliche Alternative zum Kleingarten bleibt halt nur – der Kleingarten.

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