Die Chefärztin der Kinderklinik im Demminer Krankenhaus, Dr. Vanda Tuxhorn, und Dr. Arno de Pay sprechen am Mittwochabend
Die Chefärztin der Kinderklinik im Demminer Krankenhaus, Dr. Vanda Tuxhorn, und Dr. Arno de Pay sprechen am Mittwochabend mit weiteren Experten im Lübecker Speicher über die Gesundheit von Kindern. Kai Horstmann
Talk-Runde

In Demmin geht’s um die Gesundheit von Kindern

Die mentale und körperliche Gesundheit von Kindern bereitet Forschern und Ärzten zunehmend Sorgen und ist daher Thema beim zweiten öffentlichen „Demminer Gespräch im Speicher“.
Demmin

Nach Klimawandel und Moor stellt beim zweiten „Demminer Gespräch im Speicher“ der Verein Lübecker Speicher Demmin am Mittwochabend die Frage: „Wie gesund sind unsere Kinder – und was können wir tun?“ Der Verein hat wieder hochrangige Fachleute eingeladen. Prof. Dr. Ralf Schiel aus Heringsdorf wird einen Vortrag mit gleichlautendem Titel halten. Danach spricht Dirk Scheer, Geschäftsführer des Adipositasnetzwerks Vorpommern, zu den „Möglichkeiten regionaler Gesundheitsinitiativen“. Direkt aus der Hansestadt kommt Dr. Vanda Tuxhorn, die Chefärztin der Kinderklinik im Demminer Krankenhaus. Moderiert wird die um 19 Uhr beginnende Veranstaltung erneut von Dörthe Graner vom NDR.

Laut der Kinderärztin gibt es große Unterschiede zwischen den Krankheitsbildern von heute und denen vor 50 Jahren. „Das Spektrum hat sich enorm verändert. Während früher viele wegen Infektionen behandelt werden mussten, sind diese Fälle heute in ihrer Häufigkeit sehr gesunken. Geblieben ist die durchschnittliche Unfallhäufigkeit. Dafür haben die Kinder heute Schwierigkeiten in ihrem Essverhalten und leiden verstärkt unter psychischen Erkrankungen. Ursachen sind Umweltfaktoren wie Lebensstil, Bewegung, Essgewohnheiten und Stress“, schildert Vanda Tuxhorn.

Übergwichtsprobleme durch Pandemie verstärkt

Die Gespräche im Speicher werden von Dr. Arno de Pay organisiert, der selbst als Arzt arbeitet und die Besucher mit einem Vorspann auf das Thema einstimmen wird. Wie Wissenschaftler festgestellt haben, soll es in unserer Region überdurchschnittlich viele übergewichtige Kinder geben. Laut de Pay haben sich die Zahlen durch die Pandemie noch verstärkt. Sie seien alarmierend, so der Arzt. Er stimmt mit Tuxhorn überein, was die Ursachen betrifft und zugleich möchte er darauf hinweisen, wie schädlich Krankheiten für Kinder sind. So sollen Bewegung, die Psyche und eine gesunde Ernährung 85 Prozent unserer Gesundheit ausmachen. „Gesundheit ist das Funktionieren des inneren Arztes und ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht allein das Fehlen von Krankheiten“, erklärt Arno de Pay.

Mehr lesen: "Wir produzieren Übergewicht, Depression und Rückenschmerzen"

Durch Fettleibigkeit bei Kindern stellen sich Stoffwechselkrankheiten ein, einige Kinder befinden sich laut de Pay im Vorstadium zur Diabetes Typ  II. Übergewichtige Kinder sind sehr oft Beleidigungen ausgesetzt, was die Erkrankung der Seele noch verschärft. Man denke allein an den Song „Dicke“ von Marius Müller-Westernhagen. Mit dieser Veranstaltung möchte der Verein Lübecker Speicher auf ein Problem aufmerksam machen, welches in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten ist. „Die Gesundheit eines Erwachsenen beginnt in der Kindheit. Chronische Erkrankungen haben Auswirkungen auf die Volkswirtschaft, die Renten und das Gesundheitssystem sowie auf die Gesellschaft. Um solche Erkrankungen im Erwachsenenalter zu vermeiden, muss die Gesundheit der Kinder im Vordergrund stehen“, fordert Arno de Pay.

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

zur Homepage

Kommentare (1)

Verweichlicht, verwöhnt, verfettet und faul/ Vor der so noch nie zuvor dagewesenen Wohlstandverwahrlosung war die deutsche Jugend rank und schlank, flink, hart und zäh. Doch das ist lange her. Verweichlicht, verwöhnt, verfettet und faul ist sie heute. Ausnahmen bestätigen auch diese Regel.