FILMDREH

In Vorpommern gibt es bald richtig Action

Die Gegend um Demmin könnte bald Schauplatz ungewöhnlicher Filmszenen werden. Als Drehbasis hat sich ein Berliner Filmkollektiv den Ort Hohenbrünzow ausgesucht.
„Die Vorhänge bleiben zu!“ Das Auf-der-Flucht-sein stellt die Beziehung von Dagmar und Clara immer wieder auf
„Die Vorhänge bleiben zu!“ Das Auf-der-Flucht-sein stellt die Beziehung von Dagmar und Clara immer wieder auf die Probe. Für den Film sollen nun weitere Szenen bei Demmin gedreht werden. Und die haben es durchaus ins sich. Finnegan Godenschweger
Hohenbrünzow ·

Charlotte Heimann aus Berlin und ein paar ihrer Kollegen wollen sich in Hohenbrünzow (Gemeinde Hohenmocker), südöstlich von Demmin, näher umschauen. Sie suchen: eine Waldlichtung, eine Bushaltestelle und eine kleine Hütte – alles Drehorte für ihren Film.

Frauen in den Hauptrollen vor und hinter der Kamera

Ein abendfüllender Spielfilm soll es werden, wie es im deutschsprachigen Raum noch keinen gegeben hat: eine Emanzipations- und Liebesgeschichte, erzählt als Actionthriller, ein Werk mit hohem ästhetischem und feministischem Anspruch. Das hat sich das freischaffende und unabhängige Filmkollektiv „Generation Tochter“, dem laut Heimann inzwischen mehr als 80 Menschen angehören, zum Programm gemacht. Denn noch immer seien Frauen in der Filmbranche stark unterrepräsentiert.

Dass es auch anders geht, wollen die jungen Filmemacher mit ihrem Projekt zeigen: „Departments, die in der Vergangenheit überwiegend von Männern angeleitet wurden, werden hier, wenn möglich, mit weiblichen Filmemacherinnen besetzt“, heißt es vom Kollektiv. Damit solle insbesondere Frauen ermöglicht werden, Erfahrungen zu sammeln und später einen leichteren Einstieg in die Filmbranche zu haben. Und welches Genre eigne sich besser als das des Actionthrillers, in dem Frauen sonst meist nur Nebenrollen spielen? Bei der „Generation Tochter“ ist der Stuntman eine Stuntfrau.

Corona ist natürlich immer präsent

Frauen sind auch die drei Hauptfiguren: Da ist Dagmar, eine gesuchte, ehemalige RAF-Terroristin, die mit ihrer Tochter Clara im Berliner Untergrund lebt und ihr Leben durch Überfälle finanziert. Als einer der Überfälle schiefgeht, suchen die beiden Zuflucht im Haus von Claras einstiger Ziehmutter. Doch schon bald gerät das Leben der drei in Gefahr: Ein korrupter BKA-Beamter hat Beweise gegen Dagmar in der Hand und erpresst sie, weitere Überfälle zu begehen. Bald schon sieht sich Clara gezwungen, das Kommando zu übernehmen und entdeckt dabei sich selbst.

Das erste Drittel des Films wurde bereits Ende des vergangenen Jahres in Berlin gedreht. Jetzt soll es weitergehen, trotz Corona. Das Filmkollektiv hat deshalb ein Konzept entwickelt, auf dessen Umsetzung ein Hygienebeauftragter achtet. „Das ist mit viel Mehraufwand und Mehrkosten verbunden, aber alle nehmen das gut an. Wir alle drehen lieber unter Hygieneregeln als ohne“, erklärt Charlotte Heimann. An der Geschichte selbst hätten die Corona-Bestimmungen im Wesentlichen noch nichts gedreht.

Spendersuche soll Finanzierung voranbringen

Für den zweiten Drehteil in und um Hohenbrünzow, den vor allem Actionszenen prägen werden, sucht das Filmkollektiv noch Spender und Sponsoren. 20  000 Euro sind das Ziel der zweiten Crowdfunding-Kampagne, an der sich Unterstützer bis 4. Februar auf der Plattform generation-tochter.de beteiligen können. Ist genügend Geld zusammengekommen, will das Team Basis in Hohenbrünzow beziehen.

Die Wahl fiel nicht zufällig auf das Dorf und den dort ansässigen Verein Atelier 17111: Das Kollektiv hat Verbindungen zum Atelier, so ist etwa Charlotte Heimann selbst Vorstandsmitglied. Für den dritten und letzten Drehteil kehrt das Filmteam dann zwar nach Berlin zurück, doch die Region um Hohenbrünzow soll weiter in das Projekt eingebunden werden. So möchte das Kollektiv den Film gerne auch hier vorstellen. „Aber bis dahin dauert es noch“, sagt Heimann. Ende 2021 soll der fertige Film dann bei Festivals eingereicht werden können.

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