AFRIKANISCHE SCHWEINEPEST

Jäger fordert bessere Bedingungen statt höherer Abschussquoten

Der Klimawandel ändert auch Lebensbedingungen für das Wild. Während Politiker höhere Abschussquoten fordern, sehen die Jäger hausgemachte Probleme, die ihre Jagd erschweren.
Eberhard Koball ist ein leidenschaftlicher Jäger. Viele aktuelle Entwicklungen sieht er jedoch mit Sorge. Höhere Abs
Eberhard Koball ist ein leidenschaftlicher Jäger. Viele aktuelle Entwicklungen sieht er jedoch mit Sorge. Höhere Abschussquoten sind für ihn kein Allheilmittel. Kai Horstmann
Demmin.

Umweltminister Till Backhaus hätte gerne von den Jägern höhere Abschussquoten. Gerade die Anzahl der Wildschweine sollte aus Angst vor dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest erheblich gesenkt werden. Während das Schwarzwild das ganze Jahr gejagt werden darf, möchte der SPD-Politiker aber auch die Jagdzeiten für Dam-, Reh- und Rotwild ausweiten. Diesem Ansinnen hat der Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern jetzt widersprochen.

Schwieriger Absatz von Wildfleisch

Die Jäger sehen sich hier viel mehr als Anwälte des Wildes und wollen nicht, dass „das Klima mit der Büchse gerettet wird und dabei Waidgerechtigkeit und Tierschutz auf der Strecken bleiben.“ Eberhard Koball aus Reinberg ist seit 1971 Jäger. „Das erhöhte Wildaufkommen ist eine Folge des Klimawandels. Es gibt keine kalten Winter mehr, so gut wie alle Frischlinge überleben. Gerade das Schwarzwild ist heute früher geschlechtsreif und vermehrt sich dadurch wesentlich stärker. Zusätzlich wird der Jäger in seiner Arbeit gehindert“, beschreibt Eberhard Koball die Lage.

Vor allem kritisiert der Jäger die Absatzsituation. Die großen Lebensmittelmärkte vermarkten kein deutsches Wildfleisch. Das läge daran, so Koball, dass es in Deutschland nur ganz wenige wildverarbeitende Großbetriebe gibt. Aber die Märkte möchten kontinuierlich ihre Ware anbieten können und nicht phasenweise. Die kleinen Verarbeitungsbetriebe sind jedoch nicht in der Lage, starkes Wildbretaufkommen zu verarbeiten. „Ich kenne in unserer Region nur die Betriebe in Woldegk und Neustrelitz. Statt deutschem Wild wird das Fleisch aus Polen, Tschechien und Ungarn verkauft. Aber vor allem kommt es von den großen Farmen in Neuseeland und Argentinien. Da frage ich mich, wo das denn ökologisch sein soll, wenn Lebensmittel vom anderen Ende der Erde nach Deutschland kommen. Stattdessen sollte man hier den richtigen Vertrieb aufbauen“, bemängelt Eberhard Koball.

Abschussprämie stehe in keinem Verhältnis zu Ausgaben

Ein anderer Kritikpunkt ist die lange Liste der Aufgaben und Ausgaben eines Jägers. So muss dieser darauf achten, dass das Wild keinen Schaden anrichtet, und haftet demzufolge bei Wildschäden. Dazu kommen die Pacht für das Jagdrevier, Zahlungen an die Berufsgenossenschaft, für die Jagdscheinverlängerung und die Jagdabgabe. Nicht zu vergessen sind dabei die Ausgaben für die Ausrüstung eines Jägers, den Bau von Hochsitzen sowie die Hege und Pflege des Wildes. „Wegen der Schweinepest bekommen wir zwar eine Abschussprämie von 25 Euro für Schwarzwild, die steht aber in keinem Verhältnis zu den Ausgaben“, betonte Eberhard Koball. „Zudem drücken die Verarbeitungsbetriebe die Preise. Für ein Kilogramm Fleisch vom Wildschwein in bester Qualität liegt der Preis bei noch nicht einmal einem Euro. So bezahlen diese Betriebe für ein geschossenes Wildschwein zwischen 20 und 50 Euro. Wer als Jäger Geld verdienen will, hat einfach die falsche Vorstellung.“

Die Folge von dieser Preisentwicklung ist, dass sich nur noch wenige Einheimische eine Jagd leisten können. So haben laut Koball immer mehr Auswärtige ihr Jagdreviere in der Region. Darunter sind unter anderem auch Holländer. Der Nachteil dieser Entwicklung: Hiesige Jäger kümmern sich laut Koball das ganze Jahr um ihr Revier, während die anderen nur für kurze Zeit vor Ort sind und bevorzugt im Wald jagen. „Aber ohne ein Miteinander geht es nicht. So muss die Waldjagd mit der Feldjagd abgestimmt werden, damit die Jagd erfolgreich verläuft“, fordert Eberhard Koball.

Bürokratische Hürden erschweren die Jagd

Auch die Jagd an sich ist schwieriger geworden. So gibt es bürokratische Hürden, die laut Koball die Jagd erschweren. Demzufolge darf je 75 Hektar nur eine Kirrung, das sind die Anlockfutterplätze, vorgenommen werden. Zudem erschweren große Monokulturen die Jagd, weil sich darin das Wild verstecken kann. „Große Raps- und Maisfelder sorgen für einen gedeckten Tisch. Das sorgt beim Wild für einen verstärkten Nachwuchs und bringt uns Jägern durch den Wildschaden Ärger ein. Hier ist es auch wichtig, dass der Bauer mit uns zusammenarbeitet, um die Schäden so gering wie möglich zu halten“, erklärt Eberhard Koball.

Doch bei all den Aufgaben und Pflichten, macht es da denn noch Spaß, Jäger zu werden? Wie es beim Nachwuchs aussieht, kann Koball nicht sagen. Aber warum er immer noch Jäger ist, um so deutlicher: „Es ist eine verantwortliche, nachhaltige Aufgabe, zu der auch die Bekämpfung von Wildkrankheiten wie der Schweinepest gehört. Für mich ist es auch ein Erlebnis, in der Natur zu sein, Beute zu machen und zugleich die Tiere zu hegen.“

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Kommentare (1)

... aber auch manche "wildernde Jagdgenossen" sind Schuld, wenn sie die führenden Bachen - weil die stärksten Trophäen - zuerst erlegen! Dann sorgt nämlich keine erfahrene Leitbache für Ordnung in der Rotte. Hormonüberdrüssige Jungkeiler werden nicht abgedrängt und können so die Überläuferbachen beschlagen. In der Folge gibt es immer weniger starke Tiere im Sauenbestand, sondern mehr und mehr "Wildwuchs"!