OPERNALE-GASTSPIEL

Jarmen ist auf dem Weg zur echten Kunstmühle

Der Kampf ums „Mehl aus Jarmen“ hat es jetzt sogar ins Journal der Kassenärzte geschafft. Zu verdanken ist das der Chefin der Opernale, die in der Mühle ein Gastspiel plant.
Wo „Kunstmühle“ oben draufsteht, soll am 13. September auch echte Kunst hinein. Denn dann ist am historischen
Wo „Kunstmühle“ oben draufsteht, soll am 13. September auch echte Kunst hinein. Denn dann ist am historischen Jarmener Müllerei-Standort an der Peene ein Gastspiel der Opernale geplant. Stefan Hoeft
Im Spiegel der Zeiten: Auch solche Schnappschüsse und die Geschichten dahinter werden von der Jarmener Mühlen-B&uuml
Im Spiegel der Zeiten: Auch solche Schnappschüsse und die Geschichten dahinter werden von der Jarmener Mühlen-Bürgerinitiative für eine Ausstellung gesucht. Stefan Hoeft
Als diese Aufnahme vom Jarmener Hafen entstand, war die Kunstmühle das einzige große Gebäude dort. Danach d&uu
Als diese Aufnahme vom Jarmener Hafen entstand, war die Kunstmühle das einzige große Gebäude dort. Danach dürften vermutlich mindestens noch tausende Fotos von und in dem Betrieb entstanden sein. Sammlung Sorge
Jarmen.

Das für 13. September in der Jarmener Mühle geplante Gastspiel der Opernale wirft bereits seine Schatten voraus – auf verschiedenste und teils unerwartete Weise. Es lenkt dabei auch den Blick von immer mehr Leuten auf den Kampf jener Bürgerinitiative, die sich dem Erhalt der Peenestadt als Standort der Getreideverarbeitung verschrieben hat. Ein Beispiel stellt die jüngste Ausgabe des Mitteilungsblattes der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommerns dar, dessen Feuilleton-Teil ein Interview mit Henriette Sehmsdorf enthält, der künstlerischen Leiterin der Opernale.

„Frau Sehmsdorf hat es nicht versäumt, in ihre sehr charmante Werbung für die Opernale auch ein kräftiges regionales Plädoyer einzubauen“, freut sich Stadtvertreter Professor Hans-Robert Metelmann, der als Initiator des Gesprächskreises Jarmen und mit seinen Kontakten maßgeblichen Anteil am Ausflug der Künstlertruppe an den dortigen Hafen trägt. Deren Chefin outete sich in dem Beitrag als einer jener rund 11.000 Menschen, die zu den Unterzeichnern der von der BI an Landtag und Landesregierung überreichten Petition gehören.

„Müssen in der Lage sein, das, was bei uns wächst, selbst zu verarbeiten”

„Ich sehe es als Fürsorgepflicht unseres Landes an, eine Mühle zu erhalten für unser tägliches Brot. Durch Corona haben wir erfahren, wie wichtig es ist, Dinge des täglichen Bedarfs vor Ort zu produzieren. Wir müssen in der Lage sein, das, was bei uns wächst, auch selbst zu verarbeiten, um es zu essen“, argumentiert Sehmsdorf im KV-Journal. „Gern übertrage ich das auf die Kunst und freue mich auf diesen besonderen Spielort.“

Dass sie mit der Kleinstadt keine Touristenhochburg ansteuern, ist den Opernale-Machern klar. Es passt damit bestens sowohl zu ihrem Bestreben, die Kunst aufs flache Land zu bringen, als auch zum Konzept der besonderen Spielorte. Genauso wie zum grundsätzlichen Anliegen, mit den jährlichen Inszenierungen die pommersche Identität zu unterstützen. Zumal der Ausgangspunkt für das fiktive Geschehen im Stück 2020 „Ein Glas aufs Land und eins auf die See“ eine Kneipe in der Nähe der Peene ist. „Musikalisches Pasticcio übers Kommen, Gehen und Bleiben in Vorpommern“, umschreibt Henriette Sehmsdorf den Inhalt. Sie findet da umgehend Anknüpfungspunkte zu Jarmen: „Hier leben Menschen, die sich bewusst für diese Stadt entschieden haben. Und gern etwas für sie tun.“

Bürgerinitiative sucht historische Fotos

Die Mühlenretter-BI will die Opernale derweil nutzen, um sozusagen kurz vorm für Ende September angekündigten offiziellen Ende der Mehlherstellung in der alten Mühle von 1907 deren Geschichte auf besondere Weise ins Blickfeld zu rücken. Das soll in Form einer Ausstellung mit Fotos, Post- und Ansichtskarten sowie anderen Zeitdokumenten passieren. Wo machbar, flankiert von den Geschichten dazu und dahinter. „Schmökert mal wieder in Fotoalben, Kisten und Schränken. Meldet Euch dann bitte bei uns, wenn Ihr dieses Vorhaben mit Euren Funden unterstützen möchtet und/oder schickt uns Eure historischen Fotos von der Jarmener Mühle“, heißt es in dem Aufruf an die Leute aus Jarmen und Umgebung. Wer indes seine Erinnerungsstücke nicht aus der Hand geben möchte, den bitten die Aktivisten um die Möglichkeit, das Ganze wenigstens abfotografieren zu können.

Wie nebenbei soll so am Ende ein umfangreicher Fundus zur rund 113-jährigen Ära des wegen seiner elektrischen Antriebe „Kunstmühle“ genannten Werkes für die Nachwelt erhalten werden. Immerhin handelt es sich um einen der wichtigsten Betriebe in der Stadthistorie.

Zusendungen per E-Mail sind unter der Adresse „bi.jarmener.muehle@gmail.com“ möglich, als Postadresse gilt die von Mitstreiter Harry Erdmann aus der Gartenstraße 8 in 17126 Jarmen. Telefonisch ist er unter 039997-10371 zu erreichen. Die Beiträge sollen demnach bis zum 2. August eingehen. „Die Fotos werden garantiert zurückgeschickt. Also gebt Eure Adresse an“, heißt es zum Abschluss des Gesuchs.

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