BÜRGERINITIATIVE

Jarmener Mühlenretter wollen wieder mehr Dampf machen

Die Bürgerinitiative „Rettet die Jarmener Mühle” macht weiter mobil, und auch an einem Konzept mit einem anderen Betreiber wird gefeilt.
Auch die Jarmener Bauunternehmer Axel (links) und Bernd Gorkow unterstützten den Kampf der Bürgerinitiative „R
Auch die Jarmener Bauunternehmer Axel (links) und Bernd Gorkow unterstützten den Kampf der Bürgerinitiative „Rettet die Jarmener Mühle“. Und statteten deshalb das Gros ihren Firmenfahrzeuge mit entsprechenden Aufklebern aus. Foto: Stefan Hoeft Stefan Hoeft
Jarmen.

Ihren öffentlichkeitswirksamen Protest vorm Schweriner Schloss, direkt gerichtet an Landtag und Landesregierung, hat die Bürgerinitiative „Rettet die Jamener Mühle“ im März sozusagen am Vorabend der deutschen Corona-Einschränkungen gerade noch so durchziehen können. Einher gehend mit der Übergabe einer rund 11.000 Namen zählenden Unterschriftenliste. Doch danach mussten sich auch deren Mitstreiter dem allgemeinen Diktat zur Infektionsvermeidung beugen – inklusive Kontakt- und Veranstaltungsverboten. Der weitere Kampf für den Erhalt des Müllerei-Standortes lief deshalb an der Peene zuletzt eher still. Doch eine Pause haben sich die Aktivisten dabei trotz des landesweiten Lockdowns nicht gegönnt.

So sorgten sie beispielsweise dafür, dass inzwischen ein Teil ihrer mit verschiedenen Slogans versehenen Plakate von der Schweriner Kundgebung in Auslagen und Schaufenstern der Region einen neuen Platz erhalten haben. Und zwar nicht nur in Jarmen, sondern etwa auch im Anklamer Linke-Wahlkreisbüro und dem Greifswalder Fahrradgeschäft Stark. Allerdings haben damit noch längst nicht alle Pappen ein Zuhause gefunden, Interessenten können sich unter 0170 2714366 bei Harry Erdmann melden.

Rettungsaufruf rollt durch ganz Vorpommern

Eine ähnliche Unterstützung erhält das Anliegen der BI vom Bauunternehmen Gorkow, dem ältesten heute noch aktiven Handwerksbetrieb der Stadt. Die Firma hat die meisten ihrer Fahrzeuge mit einem breiten Aufkleber versehen lassen, auf dem ein Mühlenlaster ebenso abgebildet ist wie das Logo der BI und dick darüber die Ansage „Die Mühle darf nicht sterben!“. Diese „Werbung“ rollt nun dank zahlreicher Baustellen in ganz Vorpommern herum – von Neubrandenburg und Greifswald bis auf die Inseln Rügen und Usedom.

Dieses Engagement kommt nicht von ungefähr und keineswegs allein aus Lokalpatriotismus, wie Geschäftsführer Axel Gorkow unterstreicht. Schließlich wisse er als Auftragnehmer und Vereinssportler genau um die Bedeutung des Müllerei-Standortes für andere Unternehmen und das gesellschaftliche Leben in der Region. Darüber hinaus existiert in der Familie eine Bäckerei, die ihren Rohstoff vom Peeneufer bezieht. Und während schon sein Opa als Maurer an der Mühle agierte, arbeitete ein Urgroßvater sogar im Werk selbst.

Mühlen-Neubau an der A20?

Gorkow und viele andere aus Jarmen und Umgebung erwarten nun, dass mit den zunehmenden Lockerungen von Corona-Einschränkungen auch die Landespolitik wieder verstärkt das Thema Mühle auf den Schirm nimmt. Schließlich hätten im März eigentlich alle umfangreiche Hilfe versprochen und mit jetzt Mitte Mai rücke der offizielle Schließungstermin – Ende September – immer bedrohlicher näher.

An den Handelnden vor Ort jedenfalls soll es nicht scheitern, unterstreicht die BI. Unter anderem mit dem Verweis auf das Angebot der Kommune, in ihrem Gewerbegebiet an der A20 schnell den nötigen Boden für einen eventuellen Mühlen-Neubau zur Verfügung zu stellen. Momentan scheint nämlich genau diese Lösung am wahrscheinlichsten, da der Eignerkonzern GoodMills bisher keinerlei Bereitschaft erkennen lassen hat, einem Betreiberwechsel am historischen Standort zuzustimmen, wenn der auch nur im Entferntesten an seinem Kerngeschäft kratzen könnte.

Öffentliche Versammlung am Montag

So rechnen auch die zwei erfahrenen Mühlen-Mitarbeiter, die schon seit Langem an einer Übernahme ihres Werkes in Eigenregie feilen, mit dieser Variante in ihrem aktuellen Konzept, wie sie dem Nordkurier gegenüber klarmachten. Was da gegenwärtig der Stand ist und was die BI als nächstes plant, soll bei einer erstmals wieder für alle Interessenten öffentlichen Versammlung am Montag, dem 18. Mai, besprochen werden. Sie findet um 19 Uhr im Saal des städtischen Kulturzentrums an der Rosenstraße statt, um die behördlichen Hygiene-Auflagen einhalten zu können. Die und nicht etwa Mehlstaub sind auch der Grund, warum Gäste einen Mund-Nase-Schutz mitbringen sollen.

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