Gestern Morgen hievte ein Schwerlastkran den rund 110 Jahre alten Turm vom Jarmener Rathaus.
Gestern Morgen hievte ein Schwerlastkran den rund 110 Jahre alten Turm vom Jarmener Rathaus. Stefan Hoeft
Nur noch ein Torso: Am Boden wurden die Stiele bis zur „Dachkante“ gekürzt, denn deren Holz ist nicht mehr br
Nur noch ein Torso: Am Boden wurden die Stiele bis zur „Dachkante“ gekürzt, denn deren Holz ist nicht mehr brauchbar. Stefan Hoeft
Stiel für Stiel durchsägten die Handwerker die acht Verbindungen der Turmkonstruktion zum Dachstuhl.
Stiel für Stiel durchsägten die Handwerker die acht Verbindungen der Turmkonstruktion zum Dachstuhl. Stefan Hoeft
Gestern Morgen hievte ein Schwerlastkran den rund 110 Jahre alten Turm vom Jarmener Rathaus.
Gestern Morgen hievte ein Schwerlastkran den rund 110 Jahre alten Turm vom Jarmener Rathaus. Stefan Hoeft
Nur noch ein Torso: Am Boden wurden die Stiele bis zur „Dachkante” gekürzt, denn auch deren Holz ist nicht me
Nur noch ein Torso: Am Boden wurden die Stiele bis zur „Dachkante” gekürzt, denn auch deren Holz ist nicht mehr brauchbar. Stefan Hoeft
Auch im Innern des Turmdaches sieht das Holz ziemlich angegriffen aus.
Auch im Innern des Turmdaches sieht das Holz ziemlich angegriffen aus. Stefan Hoeft
Dieses Rathausfoto muss vor 1911/12 entstanden sein. Denn erst damals erhielt das Gebäude seinen Rathausturm – eins
Dieses Rathausfoto muss vor 1911/12 entstanden sein. Denn erst damals erhielt das Gebäude seinen Rathausturm – einschließlich eines großen Erkers über dem Mittelrisalit. Stefan Hoeft
Baustellen

Jarmener Rathaus erstmals seit 110 Jahren ohne Turm

Erstmals seit rund elf Jahrzehnten steht Jarmens Rathaus wieder ohne Turm da. Das einstige Geschenk aus Amerika war so marode, dass es vom Dach musste.
Jarmen

An der Jarmener Kohnertstraße war am Mittwoch – baulich gesehen – ein durchaus historischer Moment zu beobachten: Am Morgen rückte ein Spezialkran auf dem Hof des Rathauses an, um dessen Turm vom Dach zu hieven.

Mitarbeiter der Firma Medow-Bau vertäuten dafür die rund sechs Meter herausragende Konstruktion am Haken, bevor sie die Säge ansetzten und Stiel für Stiel die acht Verbindungen mit dem Rest des Gebäudes kappten.

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1,1 Tonnen schweben sanft zu Boden

Anschließend schwebte das rund 1,1 Tonnen schwere Teil sanft durch die Luft und auf den Boden. Wo dann sämtliche „Pfosten“ bis an die mit Kupfer beschlagene Haube, die alleine schon an die drei Meter Höhe aufweist, abgeschnitten wurden.

Denn mit diesem Holz wäre nichts mehr anzufangen gewesen, wie der zuständige Bauleiter Ulf Brandenburg im Gespräch mit dem Nordkurier erläuterte. Zumal bei drei davon augenscheinlich schon früher einmal die Füße so durchgefault waren, dass neues Material angestückt werden musste. Inzwischen allerdings haben die Feuchtigkeit und der Zahn der Zeit noch viel mehr und vor allem nachhaltigere Schäden hinterlassen.

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Marodes Holz zerbröselt

Sie stellten sich bei näheren Untersuchungen im Rahmen der gerade laufenden Rathaus-Sanierung und Modernisierung als so gravierend und umfassend heraus, dass selbst die Verankerung im Dachstuhl völlig neu gezimmert werden muss, so der Handwerksmeister. Der genauere Blick in den Turmaufbau und dessen Haube lässt nun für den Rest wenig Besseres erwarten. Nach dem Abnehmen der Deckenverkleidung zeigte sich nämlich, dass das Holz darunter beziehungsweise darüber bereits am Zerbröseln ist, für die nach oben verlaufenden Sparren erahnt Ulf Brandenburg Ähnliches.

„Da oben jedenfalls war keine Reparatur möglich.“ Ob die überhaupt noch Sinn macht, soll vermutlich bei der heutigen Bauberatung geklärt werden. Bei einer Erneuerung der Innenkonstruktion müsste nämlich die Schalung mit runter, auf der die alte kupfernde Ummantelung aufgebracht ist. In dem Fall wäre es wohl angebrachter, das Teil gleich komplett zu erneuern.

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Lärchenholz liegt schon bereit

Das Lärchenholz für dieses Projekt ist bereits in Medow angekommen, je nach Umfang der Arbeiten rechnet die Firma mit drei bis vier Wochen bis zur Fertigstellung. Im Juni soll das Rathaus seinen Aufsatz zurückerhalten, kündigte Bauleiter Brandenburg an. Der gleich mal schaute, ob die Altvorderen in der hohlen Spitze etwas für die Nachwelt hinterlassen haben, dort aber nichts fand. Wohl wissend, dass dieses Gebäude ursprünglich mal als Gasthaus und ohne besondere Aufbauten errichtet worden war.

Erst im Zuge eines Umbaus 1911/12, der dem Behördenstandort einen repräsentativeren Charakter verleihen sollte, entstanden der zur Hauptstraße existierende Erker samt seinem markanten Turm. Zu verdanken den in Jarmen aufgewachsenen Geschwistern Henriette und Christian Burkowski, die nach Amerika ausgewandert und wohl zu einigem Wohlstand gekommen waren. Das Duo besuchte die alte Heimat mehrere Male, übergab dabei auch eine Stiftung für den Ausbau des Rathauses, was besagte Verzierung über dem Mittelrisalit zur Folge hatte.

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