Gut eine Herbstwoche lang protokollierten diese Kästen die Verkehrsbewegungen auf der L 35 in Jarmen. Dabei wurde auch di
Gut eine Herbstwoche lang protokollierten diese Kästen die Verkehrsbewegungen auf der L 35 in Jarmen. Dabei wurde auch die Geschwindigkeit der Fahrzeuge mit erfasst. Stefan Hoeft
Der Knoten der Ortsdurchfahrt mit der L35 gilt als innerstädtischer Unfallschwerpunkt Jarmens.
Der Knoten der Ortsdurchfahrt mit der L35 gilt als innerstädtischer Unfallschwerpunkt Jarmens. Stefan Hoeft
Trotz unauffälliger Messergebnisse

Jarmener wollen wegen Unfall-Kreuzung Druck machen

Seit Jahren wollen die Jarmener den einstigen Knotenpunkt von B96 und B110 zum Kreisel umbauen. Eine nun ausgewertete Verkehrszählung beruhigt sie dabei keineswegs.
Jarmen

Zwar fand bereits im Herbst 2019 eine automatisierte Verkehrszählung an der Kreuzung von L35 und Jarmener Ortsdurchfahrt statt. Doch deren Ergebnisse waren vor Ort bisher ein Geheimnis, dessen Lüftung die Stadtvertreter vehement von ihrer Verwaltung eingefordert hatten – inklusive einer öffentlichen Debatte dazu. Schließlich will die Abgeordneten-Runde diesen einstigen Knotenpunkt von B96 und B110 schon seit vielen Jahren entschärfen, verlangt zur Vermeidung weiterer Unfälle die Umgestaltung zum Kreisel. Den sehen nach Worten von Vizebürgermeister und Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt auch die Behörden längst als nachhaltigste Lösung. Doch wirklich in Angriff nimmt dieses Projekt bisher keiner.

Zum einen wohl, weil der Umbau natürlich Geld kosten würde und zum anderen das Schadensaufkommen dort nach wie vor keine Einstufung als Unfallschwerpunkt rechtfertigt, sprich an anderen Stellen der Region der Handlungsbedarf drängender wirkt. Daran dürfte auch die vom Straßenbauamt Neustrelitz initiierte besagte Verkehrszählung in Jarmen nichts ändern – weder von der Menge der registrierten Fahrzeuge her noch von deren Geschwindigkeiten. Bei Ersterem liege Jarmen nämlich im Vergleich zu anderen Landesstraßen im absoluten Mittelbereich, erklärte Hardt, und auch bei den von vielen Beobachtern zuhauf vermuteten Tempo-Verstößen rage diese Stelle nicht hervor, im Gegenteil.

Große Differenz zwischen den beiden Fahrtrichtungen

In den gut sieben Tagen der Messung vom 25.  September morgens bis zum 2.  Oktober mittags hätten die zwei an den Zufahrten zur Anklamer Straße montierten Geräte insgesamt etwas mehr als 32.000 Pkw, Transporter, Busse und Lkw registriert. Wobei sich deren Verteilung auf die Fahrtrichtungen stark unterscheidet: Von Süd nach Nord rollten 20.084 Gefährte, von Nord nach Süd hingegen nur 11.970. Kaum Unterschiede offenbarten die Messprotokolle hingegen beim sogenannten Wert v85. Dabei handelt es sich um eine Kontrollgröße für die Verkehrsplanung, die das Fahrverhalten und Tempo beschreibt, das von 85 Prozent der Pkw nicht überschritten wird. Und die lag während dieser Woche bei 48 beziehungsweise 50 Kilometer pro Stunde – bei erlaubten 50. Von übermäßiger Raserei kann also keine Rede sein.

Allerdings biete eine einzige solche Messung und deren Interpretation kaum ein echtes Gesamtbild, befanden Stadtverwaltung und -vertretung. Zumal angesichts der gravierenden Differenz zwischen den beiden Fahrtrichtungen einige Abgeordnete denken, dass die Geräte letztlich doch nicht sämtliche Verkehrsbewegungen erfassten. Und das mit der Durchschnittsgeschwindigkeit eben nur ein statistisches Kriterium darstellt. Wenn „nur“ zehn Prozent der Wagenlenker zu schnell über die L35 rollen, wären das aufs Jahr hochgerechnet an dieser Stelle mehr als 140.000 Fahrzeuge, warf Harry Erdmann (Linke) ein. „Und ich denke, wir kriegen das den Betroffenen nicht erklärt, dass das ein Einzelfall war, wenn da wirklich mal jemand tot ist.“

Übergröße des Knotenpunkts das Grundproblem

„Wir brauchen eigentlich eine Verkehrsberuhigung von der Gulf-Tankstelle bis zur Peenebrücke. Denn so, wie das jetzt ist, ist das eine Schnellstraße“, schloss sich Bernd Gorkow (Freie Wählergemeinschaft) an. Auch diesem Malheur hofft seine Fraktion als treibende Kraft mit einem Kreiselbau entgegenzuwirken. Letztlich waren sich Verwaltung und Parlament einig, dass die wegen der einstigen überregionalen Bedeutung gewählte Dimension dieses Straßenschnittpunktes das Grundproblem darstellt, einschließlich der verschiedenen Spuren und langen Abfahrten. Nicht umsonst regelte hier früher eine Ampel den Verkehr.

„Wir sollten uns deshalb nicht auf das Thema Geschwindigkeit konzentrieren“, mahnte der Bauausschussvorsitzende Roger Nast (FWG). Er wusste sich da mit dem Ordnungsamtsleiter auf einer Linie, der neben der Größe der Kreuzung ebenso deren Lage an einer weiten und schlecht einsehbaren Krümmung ins Feld führte. „Das macht es eben so gefährlich“, äußerte Hardt. „Das kam ja schon mehrmals zur Sprache. Aber das Straßenbauamt hat gesagt, dass ihm die Mittel fehlen. Ohne eine Beteiligung der Stadt wird da wohl gar nichts gehen.“

Stadtvertreter wollen mit Straßenbauamt sprechen

Ein Thema, das Roger Nast angesichts der nun schon sehr lange anhaltenden Diskussionen um einen Kreisel und einer bereits vor Jahren dazu angelegten Grobplanung endlich forciert sehen will, denn momentan erkennt er keine echte Bewegung. Nach seiner Auffassung ließe sich das Ganze mit einem schnellstmöglichen Gespräch zwischen Stadtvertretung und Straßenbauamt machen, um die gegenseitigen Beweggründe zu erläutern und eine Übereinkunft zu erreichen. „Wir müssen da jetzt auch politisch Druck ausüben“, forderte der Abgeordnete.

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