MINISTER IM KRANKENHAUS

▶ Jens Spahns Besuch in Demmin bringt nur vage Antworten

Hoher Besuch im Kreiskrankenhaus Demmin: Gesundheitsminister Jens Spahn stellt sich den Fragen der Belegschaft. Konkrete Lösungen für Probleme im Klinikalltag gibt es aber nicht.
Hände hoch – nicht für alle Kritikpunkte sieht Spahn sich in der Verantwortung.
Hände hoch – nicht für alle Kritikpunkte sieht Spahn sich in der Verantwortung. Karsten Riemer
Diskussion mit den Angestellten – Spahn hatte Antworten, wenn auch keine Lösungen.
Diskussion mit den Angestellten – Spahn hatte Antworten, wenn auch keine Lösungen. Karsten Riemer
35 Mitarbeiter hatten sich zur Dikussion mit dem Gesundheitsminister angekündigt. Für alle Fragen ließ der kna
35 Mitarbeiter hatten sich zur Dikussion mit dem Gesundheitsminister angekündigt. Für alle Fragen ließ der knapp einstündige Gesprächsrahmen jedoch kaum genug Zeit. Karsten Riemer
Bevor es zu den kritischen Fragen kam, machte sich Spahn ein Bild vom Krankenhausanbau. Zur Einweihung will er wiederkommen. E
Bevor es zu den kritischen Fragen kam, machte sich Spahn ein Bild vom Krankenhausanbau. Zur Einweihung will er wiederkommen. Egal, ob ewr dann noch im Amt ist oder nicht. Karsten Riemer
Demmin ·

Ob MDK-Reformgesetz, Personaluntergrenzenverordnung auf den Stationen oder Fachkräftemangel – der Gesundheitssektor, von der Pflegekraft bis zur Geschäftsführung, kämpft, wie so oft, an mehreren Fronten zugleich. Auch das Demminer Kreiskrankenhaus ist davon nicht ausgenommen. Als wichtiger regionaler Versorger und großer Arbeitgeber in der Hansestadt fällt die Klinik dennoch oftmals durch das Aufmerksamkeitsraster der Bundespolitik. Direkter Austausch mit denen, die das System am Laufen halten, fehlt zumeist. Doch es gibt sie, die seltenen Ausnahmen. So stellte sich am Freitag Gesundheitsminister Jens Spahn den Fragen einiger Krankenhausmitarbeiter.

Mehr zum Thema: Jens Spahn lässt in Demmin alle warten

Zunächst hieß es für die 35 angemeldeten und gesprächswilligen Angestellten sowie das politische Empfangskommitee bestehend aus dem CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in MV, Michael Sack, die Landtagsabgeordneten Marc Reinhardt (CDU) und Franz-Robert Liskow (CDU), Bundestagskandidat Stephan Bunge (CDU) und Demmins künftigen Bürgermeister Thomas Wittkowski (CDU) warten. Denn Spahn verspätete sich knapp eine halbe Stunde.

Spahn sieht keine Gefahr für Schließung

„Sorry für die Verspätung, ich habe nicht nur die Schönheit ihres Landes kennengelernt, sondern auch die Länge der Fahrstrecken”, so der Gesundheitsminister. Was zunächst nach betont lockerer Entschuldigung klingt, war zeitgleich Fingerzeig für die Unterschiede in der medizinischen Versorgung. So gebe es vor allem in den Ballungsgebieten tendenziell zu viele Krankenhäuser, die alle das Gleiche machen würden. Für Spahn gilt daher: Eine stabile Grund- und Notfallversorgung abdecken und an anderer Stelle spezielle Eingriffe konzentrieren. „Wenn bestimmte Operationen nur acht mal im Jahr stattfinden, dann kann das nicht so gut sein, als wenn sie acht mal in der Woche stattfinden”, sagte er.

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Ein Punkt, der bisweilen Unbehagen auslöst. So hatte jüngst Dr. Sven Armbrust, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg, Zweifel an möglichen Mindestmengen für Behandlungen geäußert. Zwar ging es dabei speziell um die Frühchenstation, Armbrust befürchtet jedoch langfristige Auswirkungen in alle Sektoren. Für Häuser wie die Klinik in Demmin sieht Spahn jedoch keine ernsthafte Gefahr. „Ein Krankenhaus wie dieses wird kein Mensch schließen”, sagt er. Zentralisierungen bestimmter Fachgebiete schließt das jedoch nicht aus.

Problem mit Personaluntergrenzen

Doch auch, wenn das grundsätzliche Bestehen des Kreiskrankenhaus nach Ansicht des Gesundheitsministers gesichert ist, sind die Probleme damit nicht gelöst. Denn vor allem der Fachkräftemangel bereitet zunehmende Bauchschmerzen. „Wir haben den Eindruck, wir kriegen kein Personal”, so der ärztliche Direktor, Dr. Lutz Wilhelm. Sowohl im Bereiche der Ärzte als auch im Bereich der Pflege sei der Markt schlicht leer.

Ein Problem, welches sich durch die im Bund festgesetzten Personaluntergrenzen in der Vorsorgung für das Krankenhaus noch einmal potenziert. Denn wenn der vorgegebene Schlüssel auf den Stationen nicht erfüllt werden kann, bedeutet das im Klartext, dass Betten gesperrt werden müssten – unabhängig vom Einsatzwillen des vorhandenen Personals. Andernfalls drohen empfindliche Strafen. Bei einmaligem Verstoß, laut Krankenhausgeschäftsführer Kai Firneisen, 2000 Euro – deutlich mehr wird es bei Wiederholungen.

Keine Lösungen für Fachkräftemangel

Eine Verordnung, die der Bundesgesundheitsminister zwar abgesegnet hat, deren Kern allerdings aus einer anderen Richtung kam. „Es war die Pflege, die das eingefordert hat, nicht ich”, sagte er. Und tatsächlich geht es bei der Regelung grundsätzlich darum die Angestellten zu entlasten. Das finde ich in der Sache richtig”, sagte er. Dennoch sei die Situation in der ländlichen Region eine andere, als beispielsweise in der Metropolregion Köln. „Es gibt hier keine Alternativen”, so Spahn. Heißt, im Zweifel muss behandelt werden. In wie weit sich die Verordnung jedoch anpassen ließe, blieb offen.

Allgemein sei der Fachkräftemangel ein Dilemma, dessen Lösung Spahn nicht primär in seinem Aufgabenbereich sieht. „Ich kann nicht per Gesetz die Stellen besetzen”, sagte er. Es sei schlicht ein Henne-Ei-Problem, wenn Aussagen getroffen werden, dass Menschen in die Pflege zurückkehren würden, so es denn in dem Bereich mehr Mitarbeiter und damit weniger Stress gebe. „Wenn sie nicht bleiben, nicht zurückkommen, nicht die Stundenzahl erhöhen, gibt es nicht mehr Kollegen”, so der Gesundheitsminister. Die Weichen um nachzubesetzen, wie finanzielle Mittel, seien indes längst gestellt. Darüber hinaus sieht er auch die Pflege selbst in der Pflicht sich zu organisieren und zum Beispiel Flächentarifverträge auszuhandeln. Ein Punkt, der laut Spahn bislang nicht umfassend funktioniert.

Fakt ist: Zwischen Gesundheitspolitik und praktischer medizinscher Versorgung gibt es Differenzen, die sich in knapp einstündiger Diskussion schwerlich aus dem Weg räumen lassen. Dennoch sieht Krankenhausgeschäftsführer Kai Firneisen einen unbestrittenen Mehrwert in der Veranstaltung. „Ich denke, wenn der Minister aus vielen Krankenhäusern die gleichen Fragen und Probleme hört, haben wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dass es etwas in der Versorgung bewirkt”, sagter er.

 

 

 

 

 

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