Stipendium

Junge Frau will sehen, wie Demmin wirklich ist

Das vorerst letzte „Artist in Residence“-Stipendium für einen Arbeitsaufenthalt in Demmin geht an eine Literatin. Ihre Bewerbung hat die Jury berührt.
Theresa Steigleder möchte in der Stadt aussteigen, an der sie bislang meist nur vorbeigefahren ist, um hier für zwei
Theresa Steigleder möchte in der Stadt aussteigen, an der sie bislang meist nur vorbeigefahren ist, um hier für zwei Monate an einem Projekt zu arbeiten Franziska Hauser (Archiv)
Demmin

„Mich?“, klingt Theresa Steigleders Stimme durch den Versammlungsraum im Voelschow Berg. Nach einer mehrstündigen Sitzung zur Wahl des nächsten Künstlers, der im Zuge eines Stipendiums für zwei Monate in Demmin wohnen und wirken darf, hat die Jury die Gewinnerin direkt angerufen, um ihre Reaktion zu hören. Und die fiel positiv aus: „Ach Gott, wie schön, danke!“, freut sich die Wortkünstlerin.

2017 wurde sie Vize-Landesmeisterin im Poetry Slam in Mecklenburg-Vorpommern und erhielt beim diesjährigen Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern, zu dem sie nominiert war, den zweiten Publikumspreis. Trotz ihres Erfolgs in MV – aufgewachsen ist die Autorin, die heute in Greifswald lebt, in Thüringen. Demmin kennt sie von Zugfahrten, ausgestiegen sei sie dort bis zu einem Workshop der Ehrenamtsstiftung jedoch nie, wie sie in ihrer Bewerbung gesteht. „Demmin ist wie ein seltsamer Grauton in meinem Kopf voller Farben“, schreibt sie darin.

Über Demmin wird in Greifswald so viel erzählt...

Nun will sich Theresa Steigleder von der Stadt, über die in Greifswald so viel erzählt werde, ihr eigenes Bild machen. „Ich will mit meinen eigenen Augen das Treiben dieser Stadt beobachten“, kündigt sie an. „Ich will darüber schreiben, was ich sehe. Ich will in einen Dialog kommen mit den Menschen, deren Alltag von so vielen Vorurteilen begleitet wird. Ich will euch gerne meinen Blick auf euch schenken, will euch mit einbeziehen, will Knoten lösen und Verbindungen knüpfen.“

Die neun Jurymitglieder hat das überzeugt. „Ihr Anschreiben hat uns so berührt, dass wir gesagt haben: Das ist der richtige Blick auf Demmin“, begründet Sarah Dittrich vom Verein T30 die Wahl. Denn entscheidend für die Jury ist auch der Eindruck, dass der Künstleraufenthalt einen Mehrwert für die Stadt hat. Nicht allen Bewerbern aus Deutschland, Österreich, der Dominikanischen Republik, Syrien, der Ukraine und Südkorea war es nach Angaben von Jurymitglied Hannah Kuke gelungen, einen überzeugenden Bezug zu Demmin herzustellen.

Zum ersten Mal eine Literatin als Gast

Insgesamt 28 Bewerbungen aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik und Literatur waren eingegangen, Rekord bei dem „Artist in Residence“-Projekt, das in Demmin nun zum dritten Mal durchgeführt werden soll. Darunter waren Beispiele von modernen Scherenschnitten, Fotografien, Recyclingkunst und nachhaltigen Gemälden, eine tagelange virtuelle Pilgerwanderung.

Zum ersten Mal konnte sich unter all den Bewerbern eine Frau durchsetzen, zum ersten Mal eine Literatin. Dabei ist es das letzte Mal, dass das Künstlerstipendium für Demmin auf diese Weise zustande kommt. Denn die Bundesförderung für das auf drei Jahre ausgelegte Projekt läuft nach Theresa Steigleders Arbeitsaufenthalt aus. Die Organisatorinnen vom Demminer KulturRING aber wollen weitermachen. „Wir konnten nachweisen, dass das Projekt sogar internationale Aufmerksamkeit hat“, meint Jurymitglied Susan Kobelt. Die Verantwortlichen wollen darüber nachdenken, das Projekt zu institutionalisieren, Sponsoren zu finden, die Stadt einzubeziehen, damit auch künftig auswärtige Künstler mit ihren Demminer Projekten neuen Wind in die Hansestadt bringen können.

Wann genau die vorerst letzte Künstlerstipendiatin Theresa Steigleder im nächsten Jahr nach Demmin kommt, steht noch nicht fest. In ihrer Bewerbung sprach sie sich für Februar und März aus.

 

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Kommentare (1)

Zerfurcht und geschunden. Bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Das ist mein Demmin!