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Junge Israelis kommen auch nach Demmin

VonKathrin WernerIm Rahmen des Hanning-Schröder-Projektes weilen Schüler des Demminer Gymnasiums in Israel. Von ihrer Reise berichten sie in loser ...

Demminer Schüler beim Besuch in Jerusalem - das Wetter fiel zunächst wenig mediterran aus. [KT_CREDIT] FOTO: Werner

VonKathrin Werner

Im Rahmen des Hanning-Schröder-Projektes weilen Schüler des Demminer Gymnasiums in Israel. Von ihrer Reise berichten sie in loser Folge.

Demmin/Haifa.Die vergangenen vier Tage in Israel waren gefüllt mit zahlreichen Unternehmungen als Gruppe und in den Gastfamilien. Die Stadt Haifa stellte uns einen Bus zur Verfügung und auch eine aus Deutschland stammende Stadtführerin, die uns zu einer Stadtrundfahrt in Haifa einlud – einer Stadt, die sich aus einer Siedlung deutscher Auswanderer ab circa 1900 entwickelte. Wir besichtigten diese ehemalige „deutsche Kolonie“, die mit ihrem typisch europäischem Baustil in krassem Gegensatz zu den übrigen alten Gebäuden der Stadt steht. Besonders sehenswert und beeindruckend sind die Gärten, die die religiöse Gruppe der Bahai inmitten der Stadt anlegen ließ und gegenwärtig nutzt.
Von der Anhöhe Stella Maris, auf der das bekannte Kloster der Karmeliter steht, hatte man einen traumhaften Blick über die Bucht von Haifa und konnte bis zur Stadt Akko schauen, dem Reiseziel des nächsten Tages. Mit unserem Sightseeing-Bus ging es anschließend zu den Dörfern der Drusen, einer eigenständigen Religion im Umkreis dieser Region.
In Akko, einer schon sehr alten Stadt, sind noch viele Spuren der Kreuzfahrerzeit sichtbar. Die Architektur der alten Stadtbefestigungsanlagen, der unterirdischen Gänge von der Burg bis zum Hafen und einer alten Karawanserei mitten in der Stadt sind sehr bemerkenswert und beeindruckend.
Tags darauf ging es mit dem Zug weiter nach Tel Aviv. Die Israelis haben einen interessanten Spruch, um die Bedeutung ihrer drei größten Städte etwas scherzhaft zu charakterisieren: In Jerusalem wird gebetet, in Haifa gearbeitet, in Tel Aviv gefeiert. Doch so krass hätten wir uns die Gegensätze in Tel Aviv nicht vorgestellt. Dort findet man die Wolkenkratzer in unmittelbarer Nachbarschaft zu Häusern, die über hundert Jahre alt sind, zum Teil im Bauhausstil.
Am Abend begann dann der Schabbath, der in den Familien bis circa 20 Uhr des Folgetages gefeiert wird, mit ausgiebigem Essen und angeregten Gesprächen. Unsere Schüler und ihre Gastgeber trafen sich zu einer gemeinsamen Feier im Hause einer der Gastfamilien und verlebten einen sehr schönen Abend dort. Die Verständigung in Englisch ist überhaupt kein Problem. Die Jugendlichen gehen so unbefangen und herzlich miteinander um, als würden sie sich schon lange kennen.
Für uns ungewohnt, begann die neue Arbeits- und Schulwoche am Sonntag. Er war der Tag unseres Ausfluges nach Jerusalem. Die israelischen Jugendlichen konnten uns, anders als geplant, leider nicht begleiten, da für israelische Kinder und Jugendliche für den Besuch in Jerusalem extra zwei Wachmänner als Begleitung abgestellt werden und mehrere Genehmigungen von staatlicher Seite vorliegen müssen.
Nach einem Bummel durch die Altstadt, dem Besuch der Grabeskirche und der für die Juden so wichtigen Gebetsmauer unterhalb der Al-Aksa-Moschee waren wir zum Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem angemeldet. Die Ausstellung hat einen tiefen Eindruck bei uns hinterlassen. Frau Hertling, die Tochter Hanning Schröders, erzählte den Schülern und dem israelischen Stadtführer von der Geschichte ihrer Eltern zur Zeit des Nationalsozialismus, von der mutigen Tat, auch ein befreundetes jüdisches Ehepaar vor dem drohenden Tod zu bewahren. So war der folgende Gang zum Baum, den Hanning Schröder im Zusammenhang mit seiner Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“ mit seiner Frau Cora 1978 pflanzte, von einer besonderen Atmosphäre geprägt. Am Abend dieses Tages wartete eine Überraschung auf uns: Die Klassen mit fakultativer Ausbildung im klassischen Tanz präsentieren jedes Jahr ihre Arbeitsergebnisse im Rahmen einer Abschlussveranstaltung in einem Theater. Vom Können der Jugendlichen im Alter unserer Schüler waren wir alle tief beeindruckt.
Der Aufenthalt in Haifa geht nun zu Ende, als letzte Station wird noch ein Aufenthalt am Toten Meer folgen. Die Musiklehrer Daniel Akiva und Matthias Wieczoreck proben letztmalig mit allen Schülern und geben ein gemeinsames Konzert mit ihnen. Nach einem gemeinsamen Abendessen werden wir Abschied voneinander nehmen müssen, wir haben hier sehr sympathische Menschen gefunden und viele von unserer dreißigköpfigen Gruppe werden sich als Freunde trennen. Im August kommen dann die Israelis auf Gegenbesuch nach Demmin.

Dr. Kathrin Werner ist Projektleiterin.