In Demmin fehlen Ärzte – und die Situation könnte sich in den kommenden Jahren verschärfen.
In Demmin fehlen Ärzte – und die Situation könnte sich in den kommenden Jahren verschärfen. Benjamin Ulmer
Bezüglich der hausärztlichen Versorgungslage wird es eng in der Hansestadt – und die Situation könnte sic
Bezüglich der hausärztlichen Versorgungslage wird es eng in der Hansestadt – und die Situation könnte sich in den kommenden Jahren verschärfen. Patrick Pleul
Steffen Kaulisch von der Kassenärztlichen Vereinigung stellte klar, dass die Uhr für Demmins Ärzteversorgung ti
Steffen Kaulisch von der Kassenärztlichen Vereinigung stellte klar, dass die Uhr für Demmins Ärzteversorgung tickt. Karsten Riemer
Ärztemangel

Kampf gegen Ärztemangel wird zum Langzeitprojekt

In Demmin fehlen bereits niedergelassene Ärzte – in einigen Jahren droht der Kollaps. Die hiesigen Akteure suchen daher Lösungen. Auf dem Silbertablett gibt es die nicht.
Demmin

Fakt ist, die Suche nach einem Arzt gleicht in der Hansestadt der nach einer Nadel im Heuhaufen. Die Kapazitäten der niedergelassenen Mediziner stoßen an ihre Grenzen. Für die Demminer bedeutet das zwangsweise, aufs Umland und naheliegende Orte wie Greifswald oder Neubrandenburg auszuweichen. Ein Zustand, den die Stadt so nicht akzeptieren will. Das klare Ziel: Die medizinische Versorgung muss verbessert und langfristig erhalten bleiben. Die Frage ist nur wie?

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Apotheken, Ärzteschaft und Krankenhaus sind dabei

Ein erstes Treffen zwischen Bürgermeister Thomas Witkowski, Vertretern der ansässigen Apotheken, der Ärzteschaft, dem Krankenhaus sowie dem Regionale Unternehmensnetzwerk (RUN e.V.) und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sollte diesbezüglich Antworten liefern. Dass zwei Stunden Diskussion dafür bestenfalls den Auftakt liefert, stellte Bürgermeister Witkowski jedoch von vornherein klar. „Wir werden das Problem heute nicht lösen können“, sagte das Stadtoberhaupt.

Hoher Altersdurchschnitt

Fest steht allerdings, dass die Zeit drängt. Zwar sind laut Daten der Kassenärztlichen Vereinigung im hausärztlichen Bereich der Stadt Demmin derzeit zehn Zulassungen verzeichnet plus sechs weitere im zugehörigen Umland, doch das dicke Ende kommt erst noch. Denn aufgrund des hohen Altersdurchschnitts bei den Hausärzten der Hansestadt von rund 58,7 Jahren und sechs Ärzten, die das 60. Lebensjahr bereits hinter sich haben, muss von weiteren Praxisschließungen ausgegangen werden. „Der Mittelbereich Demmin ist aktuell drohend unterversorgt“, so der Hauptabteilungsleiter für Kassenärztliche Versorgung der Kassenärztlichen Vereinigung, Steffen Kaulisch. Zudem weist die KV-Bedarfsplanung bei den Hausärzten bereits jetzt anderthalb Stellen aus, die nicht besetzt werden können.

Junge Mediziner schwer zu überzeugen

Ein Problem, welches jedoch nicht primär darin begründet liegt, dass es keine Medizinstudenten oder Assistenzärzte mehr gab und gibt, die als Hausärzte anfangen könnten. Das entsprechende Potenzial ist da – die Universitäten Greifswald und Rostock in unmittelbarer Nähe, das Demminer Kreiskrankenhaus in der Ausbildung aktiv. Vielmehr sei es jedoch schwierig, so die gleichlautende Einschätzung der Diskussionsteilnehmer und der KV, die jungen Mediziner von einer Niederlassung zu überzeugen.

Austausch zwischen Medizinern im Visier

Einige Ansatzpunkte dafür kristallisierten sich zum Auftaktgespräch am Mittwoch aber heraus. Marketing für die Attraktivität der Region, Vernetzung der hiesigen Akteure und eine damit einhergehende verbesserte Kommunikation untereinander wurden als Schlüssel gesehen. Entscheidend sei dabei unter anderem, die Assistenzärzte mit den niedergelassenen Ärzten zusammenzubringen.

Wie genau das aussehen könnte, blieb jedoch größtenteils vage. Nichtsdestotrotz scheint der Ernst der Lage einen gewissen Handlungswillen zu forcieren. „Wir können anbieten, gemeinsam mit Herrn Witkowski den Ärztestammtisch zu erweitern“, so RUN-Netzwerkkoordinatorin Katrin Berndt. Zumindest dem Austausch zwischen den Medizinern wäre damit Vorschub geleistet. Darüber hinaus steht eine Internetseite zur Debatte, die gezielt an junge Ärzte adressiert ist und Informationen zur Region mit den Möglichkeiten im medizinischen Bereich bündelt.

Finanzielle Hilfen möglich

Zudem hat auch die KV Unterstützungswillen signalisiert. „Die Feststellung einer drohenden Unterversorgung ermöglicht es, weitreichende Maßnahmen zur Ansiedlung von Hausärzten zu ergreifen“, sagte Steffen Kaulisch. Ein Katalog, der allerdings nicht einmal gestandenen Ärzten vollumfänglich bekannt ist und demzufolge kommuniziert werden muss. Denn abseits von Beratungen, Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen bietet die Vereinigung umfassende finanzielle Förderung. Investitionsmittel, Zuschüsse bei Gehalts- und Umzugskosten oder für die Kundenbetreuung zählen beispielsweise dazu.

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