DESIGN-WETTBEWERB

Kann die Region zur Stärke zurückfinden?

Wettbewerb rund um die Stärke, der auf nachhaltige Impulse für die ganze Region hoffen lässt, ist das nächste große Vorhaben in der „Zukunftsstadt” Loitz.
Industriebrache mit identitätsstiftender Geschichte: Die alte Loitzer Stärkefabrik rückt im Rahmen des Wettbewe
Industriebrache mit identitätsstiftender Geschichte: Die alte Loitzer Stärkefabrik rückt im Rahmen des Wettbewerbs „Zukunftsstadt 2030+“ gleich mehrfach ins Blickfeld für neue Ideen. So soll es beispielsweise nächstes Jahr einen Design-Wettbewerb rund um den Rohstoff Stärke geben. Stefan Hoeft
Im Rahmen des Zukunftsstadt-Wettbewerbs sollen Ideen rund um die Stärkefabrik gesammelt werden.
Im Rahmen des Zukunftsstadt-Wettbewerbs sollen Ideen rund um die Stärkefabrik gesammelt werden. Teresa Trabert
Loitz.

Welche nachhaltigen Alternativen für Plastik können beispielsweise aus Stärke gewonnen werden, und welche innovativen Produkte lassen sich etwa aus der Ressource Holz herstellen? Das sind Fragen, welche die Richtung für einen neuen Wettbewerb vorgeben, der im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs „Zukunftsstadt 2030+“ starten soll, bei dem das Peenetal-Amt die finale Phase erreicht hat

Ziel dieses Projekts mit dem offiziellen Titel „Stärkereform“ ist die Schaffung von nachhaltigem Design im ländlichen Raum, basierend auf nachwachsenden Rohstoffen und kreislaufbasierten Wirtschaftskonzepten. Wobei verschiedene Disziplinen in den Fokus rücken sollen. Stellt sich doch, egal ob im Design, in der Materialkunde oder der Betriebswirtschaftslehre zunehmend ein Bewusstsein für folgende Frage: Wie kreieren wir Werte für Mensch und Natur, ohne diese zu belasten?

Hier will der von der Rostocker Kreativ-Agentur „fint e.V.“ betreute Wettbewerb ansetzen und ganz konkret anhand der Region Loitz ein spannendes Experimentierfeld eröffnen, um in interdisziplinären Teams an realen Herausforderungen der Unternehmenslandschaft vor Ort zu arbeiten. Dass gerade die Peenestadt zu einer Spielwiese für solche Ideen prädestiniert scheint, liegt speziell an der Stärke.

Stärkefabrik prägt den Ort bis heute

Schließlich verspricht dieser zu beträchtlichen Mengen aus Kartoffeln gewonnene und vielfältig eingesetzte Rohstoff noch erhebliches Potenzial für die Zukunft, beispielsweise eben als Ersatz für Kunststoff. Und was die entsprechende Verarbeitung der Erdäpfel im Nordosten Deutschlands angeht, so war sie über viele Jahrzehnte eng mit dem Namen der vorpommerschen Kleinstadt verbunden: Hier rauchten seit 1888 die Schornsteine der Stärkefabrik, das Aus kam nur durch Winkelzüge des späteren westdeutschen Mutterkonzerns beim Geschacher um die EU-Stärkequoten zustande, 1998 wurden die Maschinen ausgestellt.

Doch vergessen haben die Leute diesen Betrieb, der für gut bezahlte Arbeitsplätze und Aufträge ans heimische Handwerk sowie soziale Errungenschaften und Kultur stand, bis heute nicht. Zumal er als Industriebrache immer noch präsent im Stadtbild ist. Kartoffeln werden von den Bauern entlang des Peenetals überdies nach wie vor in großem Stil angebaut, ein beträchtlicher Anteil landet wie gehabt in der Stärkeherstellung.

„Die starke regionale Identität zum Produkt Stärke stellt einen wichtigen Teil des Designwettbewerbs dar“, heißt es in der Beschreibung für die „Stärkereform“. Teilnehmen können Menschen aus ganz Deutschland, die einen Bezug zu den Themen Design, Materialkunde, Nachhaltigkeit oder nachhaltiges Wirtschaften haben. Sie müssen bereit sein, an Innovations-Camps im April und im August 2021 teilzunehmen, sowie in Eigenverantwortung zwischen den Terminen digital in einem interdisziplinären Team am Thema zu arbeiten.

5000 Euro für die Sieger

Praktische Vorerfahrungen seien von Vorteil bei der Bewerbung. Bis auf die An- und Abreise werden alle Kosten über den Zukunftsstadt-Fonds getragen. Darüber hinaus machen die Organisatoren ausdrücklich Werbung mit „schönster Natur und inspirierender Workation-Atmosphäre im Peenetal“. Nicht zu vergessen die Preisgelder von bis zu 5000 Euro für die drei Siegerkonzepte.

Der bundesweite Bewerbungsaufruf läuft derzeit aus, als Frist wurde Ende November gesetzt. Soll doch eigentlich bis zum 31. Dezember die Auswahl von 20 Teilnehmern und Teilnehmerinnen abgeschlossen sein. Um dann Ende Februar den offiziellen Startschuss für alle geben zu können.

Resonanz noch verhalten

Allerdings fiel bis vergangenen Freitag die Resonanz auf diesen Aufruf deutlich geringer aus als beim Projekt „Dein Jahr in Loitz“, über dessen Teilnehmer die Öffentlichkeit ab morgen abstimmen kann. Sie habe zwar Hoffnung, dass es in diesem Fall ebenfalls einen Endspurt gebe, meinte Veronika Busch vom fint-Verein im Gespräch mit dem Nordkurier. Aber wenn nicht genügend Bewerbungen für den Design-Wettbewerb eingehen, würden sie und ihre Mitstreiter bestimmt nochmal nachlegen. Schließlich erscheint ihnen dieses Vorhaben äußerst wichtig.

Eine Einschätzung, die der neue Projektkoordinator Frank Götz-Schlingmann mit Blick auf ganz Vorpommern unterstreicht. Schließlich zeige sich nicht nur in Greifswald mit seiner Universität, dass diese in Sachen Innovationen bei vielen als abgehängt geltende Ecke Deutschlands durchaus Potenzial für mehr besitzt. Er nennt als Beispiel die Entwicklung in Anklam und Umgebung, wo sich in jüngster Zeit eine ganze Reihe Innovationsträger niedergelassen hätten und damit einhergehend bei Firmen Hunderte neue, teils hochqualifizierte Arbeitsplätze entstanden seien oder demnächst entstehen. Warum sollte Ähnliches beim Thema Stärke in Loitz und seinem Umland nicht auch gelingen, so sein Kalkül.

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