Im Bus abgelehnt

Kind muss wegen vergessener Maske zur Schule laufen

Weil ein Zwölfjähriger keinen Mund-Nasen-Schutz dabei hatte, wurde er vom Busfahrer nicht mitgenommen. Die Eltern sind entsetzt. Der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe verteidigt die Entscheidung.
Im Bus herrscht Maskenpflicht. (Symbolbild)
Im Bus herrscht Maskenpflicht. (Symbolbild) ATTILA KISBENEDEK
Demmin

Fanny Wackerow kann es immer noch nicht fassen, was sie in der vergangenen Woche an einer Bushaltestelle miterleben musste. Als ihre drei Kinder am frühen Morgen in den Schulbus einsteigen wollten, fiel dem 12-jährigen Sohn plötzlich ein, dass seine Alltagsmaske noch zu Hause auf dem Tisch liegt.

„Er hat den Busfahrer deshalb gefragt, ob er stattdessen seinen Pullover während der Fahrt über den Mund- und Nasenbereich ziehen könnte. Den Vorschlag lehnte der Fahrer aber rigoros ab und forderte mein Kind dazu auf, den Bus umgehend zu verlassen“, erzählt die Mutter verärgert. Sie habe ihn dann selbst nochmal darauf angesprochen, dass er den Jungen doch nicht so einfach stehen lassen darf, worauf dieser aber nicht weiter reagierte und mit ihren anderen beiden Kindern an Bord davon fuhr.

MVVG-Chef stärkt Busfahrer den Rücken

Da sie dringend zur Arbeit musste und es in diesem Moment keine andere Beförderungsmöglichkeit gab, sei ihr Sohn knapp drei Kilometer allein zu seiner Schule in die Stadt gelaufen. „Auf einem Teil der Strecke gibt es keinen Gehweg. Das ist gerade im Dunkeln nicht ungefährlich. Es hätte sonst was passieren können. Meiner Ansicht nach war das Verhalten des Busfahrers absolut fahrlässig“, ist Fanny Wackerow überzeugt. Für die Rückfahrt am Nachmittag habe ihr Sohn sich dann die Ersatzmaske eines Mitschülers borgen können. „Sonst wäre er garantiert wieder nicht mitgenommen worden“, sagt sie.

Ihr Mann Dr. Ray Wackerow rief wegen des Vorfalls noch am selben Tag bei der für den Schülerverkehr zuständigen Mecklenburg-Vorpommerschen Verkehrsgesellschaft (MVVG) an. Dort wurde ihm aber lediglich mitgeteilt, dass der Busfahrer in Anbetracht des Infektionsschutzes genau richtig gehandelt habe. „Dann hätte es im Bus doch aber wenigstens einen Vorrat an Masken geben müssen, die Fahrgäste in solchen Fällen für kleines Geld kaufen können“, betont die Mutter. Gerade Kinder und ältere Leute würden ihren Mund-Nasen-Schutz garantiert öfter mal aus Versehen vergessen.

Maskenverkauf im Bus nicht möglich

Für MVVG-Geschäftsführer Torsten Grahn sind derartige Beschwerden von Eltern seit Einführung der Maskenpflicht keineswegs neu. So mancher habe auch schon damit gedroht, rechtliche Schritte gegen das Unternehmen einzuleiten. „Wir müssen uns aber an die aktuellen Vorgaben halten und dürfen keine Ausnahmen machen. Es geht dabei nicht nur um die Sicherheit einer einzelnen Person, sondern aller Fahrgäste. Darum stehe ich voll und ganz hinter der Entscheidung des Fahrers“, machte Grahn auf Nachfrage deutlich.

Ein Maskenverkauf am oder im Bus sei schon deshalb nicht möglich, weil die Schüler bereits vor dem Einsteigen Mund und Nase bedeckt halten müssten. Denn in diesem Moment lasse sich der vorgeschriebene Mindestabstand unmöglich einhalten. „Daher kann ich nur an alle Eltern appellieren, ihren Kindern immer eine oder am besten gleich mehrere Alltagsmasken mit in den Rucksack zu packen“, so der MVVG-Geschäftsführer.

Die in den vergangenen Monaten durchgeführten Kontrollen der Ordnungsämter hätten indes gezeigt, dass sich ein Großteil der Fahrgäste an die Maskenpflicht hält. Bei notorischen Verweigerern werde aber auch nicht davor zurückgeschreckt, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. So wird aktuell bei Verstößen ein Bußgeld in Höhe von 50 bis 150 Euro fällig.

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