Der Windpark gehört zu den ersten in der Region. Mit dem Erlös unterstützt die Kirchengemeinde soziale Projekte
Der Windpark gehört zu den ersten in der Region. Mit dem Erlös unterstützt die Kirchengemeinde soziale Projekte und will das auch weiterhin tun. NK-Archiv
Stört ein neues, größeres Windrad die Sichtachse nach Demmin stärker als die jetzigen Anlagen? Auch um di
Stört ein neues, größeres Windrad die Sichtachse nach Demmin stärker als die jetzigen Anlagen? Auch um diese Frage geht es. NK-Archiv
Stört ein neues, größeres Windrad die Sichtachse nach Demmin stärker als die jetzigen Anlagen? Auch um di
Stört ein neues, größeres Windrad die Sichtachse nach Demmin stärker als die jetzigen Anlagen? Auch um diese Frage geht es. NK-Archiv
Erneuerbare Energien

Kirche will Demminer Windpark modernisieren

Aus alt mach neu, aus vier mach eins. Ein moderneres Windrad, wo zurzeit vier alte stehen, plant die Kirchengemeinde. Doch es gibt Gegenwind.
Demmin

Ein alter Windpark aus den Anfangszeiten ist zuletzt wieder ins Blickfeld der aktuellen Stadtpolitik geraten. Anlass dazu gab die Evangelische Kirchengemeinde, 100-prozentiger Gesellschafter der Windpark Demmin GmbH, die ihre vier veralteten und nicht mehr wirtschaftlichen Anlagen gegen eine moderne tauschen will.

Ganz so einfach ist das allerdings nicht, denn der kleine Windpark zwischen Demmin und Eugenienberg ist nach Angaben von Bauamtsleiter Dietmar Schmidt derzeit nur geduldet, befindet sich auf einem gegenwärtig nicht ausgewiesenen Windeignungsgebiet ohne Satzungsrecht.

Älteste Anlagen im Landkreis

Als der Windpark 1997 ans Netz ging, galten für Windenergieanlagen laut Christoph Linke vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte noch andere Vorgaben. 2001 seien die Windräder östlich von Demmin immissionsschutzrechtlich als alte Anlagen angezeigt worden.

Laut Linke gehören die vier 104 Meter hohen Windräder mit einer Leistung von je 600 Kilowatt pro Anlage zu dem „ältesten, was wir im Landkreis an Windenergieanlagen überhaupt haben.“ Nach dem Weiterbetriebsgutachten sind ihre Tage denn auch gezählt: Wie Norbert Raasch von der Windpark Demmin GmbH den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses erläuterte, haben sie noch eine Laufzeit bis 2027.

Sichtachse durch höheres Rad gestört?

Das Unternehmen will die alten Anlagen daher zugunsten eines neueren, wirtschaftlicheren Windrads abbauen lassen und strebt dafür ein Zielabweichungsverfahren an. Einen möglichen Planer gibt es schon, das Ingenieurbüro Spengler, das auch am Siedenbrünzower Windpark beteiligt ist.

Nach Rücksprache mit dem Denkmalschutz sieht dessen Vertreter Helmuth Spengler die Sichtachse durch das angestrebte Projekt nicht gestört, auch wenn das neue Windrad wohl etwas höher ausfallen wird als die alten. Eine Nabenhöhe von 110 Meter sei aus denkmalschutzrechtlicher Sicht denkbar, meint Spengler. Damit soll die angestrebte Anlage laut Norbert Raasch eine Leistung von etwa 4 Megawatt erbringen.

Erlöse für Jugendhaus und Hospiz

Aus dem Erlös des ins lokale Netz eingespeisten Stroms will die Kirche vor allem den langfristigen baulichen Erhalt der St. Bartholomaei-Kirche absichern. „Die Kirchengemeinde schrumpft an Mitgliedern und hat einen sehr hohen Altersdurchschnitt“, erklärt Raasch. Mit dem Geld hat die evangelische Kirchengemeinde in den vergangenen Jahren zudem soziale Projekte unterstützt und will das auch weiterhin tun. So soll der Erlös aus der Windenergie beispielsweise in das gemeinsam mit der Stadt betriebene Jugendhaus und das geplante stationäre Hospiz fließen. Für den Stadtentwicklungsausschuss, seit vergangener Woche wieder unter dem Vorsitz von Rainer Tietböhl, war das ein bedeutendes Argument.

Im Übrigen handele es sich bei der angestrebten neuen Anlage tatsächlich um eine Reduzierung, meinte auch Bürgermeister Thomas Witkowski. Mehr als eine moderne Anlage ist laut Spengler wegen netzbedingter Beschränkungen nämlich nicht möglich. Einen Verstoß gegen den Grundsatzbeschluss, keine weiteren Windenergieanlagen in der Stadt zuzulassen, sah die Mehrheit der Ausschussmitglieder daher nicht, zumal die Anlage einem lokalen Unternehmen gehöre.

Okay der Stadt nur erster Schritt

Zusätzlich zur Gewerbesteuer könnte Demmin laut Spengler damit 0,2 Cent pro Kilowatt eingespeiste Energie in die Stadtkasse ableiten. 20 000 bis 25 000 Euro jährlich würde das nach einer ersten groben Schätzung des Ingenieurs bedeuten. Auch deshalb befürworteten die Ausschussmitglieder das Vorhaben mehrheitlich.

Die Zustimmung der Stadt ist zwar Grundvoraussetzung, um das erforderliche Zielabweichungsverfahren für die Fläche anzustoßen. Doch die Beteiligten wissen, dass der Weg bis zu einer Genehmigung auch mit dem Segen der Kommune noch lang und steinig ist, mit ungewissem Ausgang. „Das, was dort passiert, muss so innovativ sein, dass es auch vonseiten des Ministeriums zugelassen wird“, so Schmidt. Die entsprechenden Gespräche zwischen der Kirchengemeinde und den Planern liefen.

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