Bereits im September 2021 präsentierte sich die Schlossruine Broock als Austragungsort für das DJ-Festival „Ba
Bereits im September 2021 präsentierte sich die Schlossruine Broock als Austragungsort für das DJ-Festival „Bau mich auf”. Nun gab es eine zweite Auflage – verbunden mit jeder Menge Ärger. Jan Fischer
Chaostage in Vorpommern: Auch die benachbarte Tollensewiese diente als Camping- und Parkplatz für das viertägige Fes
Chaostage in Vorpommern: Auch die benachbarte Tollensewiese diente als Camping- und Parkplatz für das viertägige Festival in der Schlossanlage Broock. Stefan Hoeft
Die Tollensewiese war hinterher ziemlich vermüllt, die Umgebung sprichwörtlich zugekackt.
Die Tollensewiese war hinterher ziemlich vermüllt, die Umgebung sprichwörtlich zugekackt. Stefan Hoeft
Die Auswertung der Probleme ist bereits angelaufen.
Die Auswertung der Probleme ist bereits angelaufen. Stefan Hoeft
„Bau Mich Auf” in Broock

Krach, Fäkalien, Vandalismus – Techno-Festival bringt Ärger ins Dorf

Der jüngste Rave bei Schloss Broock hallt kräftig nach. Für die Anwohner wurde es wohl so ungemütlich, dass sich die Besitzer zu einer Entschuldigung genötigt sehen.
Broock

Wohl noch nie zuvor sind die neuen Besitzer der ehemaligen Gutsanlage Broock mit so viel Ärger und daraus resultierendem Misstrauen der Anwohner konfrontiert worden wie nach dem zweiten Festival namens „Bau Mich Auf“. Das bot jetzt in, an und um das Schloss erneut eine Bühne für angesagte DJs aus dem Bereich elektronische Musik. Bei der Premiere Anfang September 2021 zählte das Festival rund 500 Gäste, vorwiegend junge Erwachsene. Damals wie bei der jetzigen Neuauflage dienten die rückwärtige Wiese im Park und die Wiese zur Tollense hin als Camping- sowie Parkplatz. In diesem August allerdings kam rund das Vierfache an Besuchern zusammen – und im Verhältnis gesehen wohl weitaus mehr Klagen der Einheimischen.

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Denn bei der vier Tage dauernden Veranstaltung scheint einiges schief und aus dem Ruder gelaufen zu sein. Nicht nur, dass es in jeder Nacht mehrfach massive Ruhestörungen gegeben haben soll, die Besucher hinterließen überdies deutliche Spuren auf dem Anwesen und seiner Umgebung. So gab es nach Aussagen von Besuchern und Zeugen eine sprichwörtliche Flut an Verunreinigungen durch Fäkalien, das Gebiet soll hinterher von Tretminen übersät gewesen sein. Gleichzeitig hinterließ die vorwiegend aus Großstädten stammende Partygemeinschaft jede Menge Müll. Es soll zudem zu Sachbeschädigungen gekommen sein, wie etwa an der Bushaltestelle des Dorfes, manches davon wohl unter Rauschmittel-Einfluss. So kommen in der Gemeinde wieder die Stimmen auf, die vor dem warnen, was da auf den Ort zukommen könnte, wenn der Umbau der Schlossanlage zum Kultur- und Veranstaltungszentrum vollbracht und das Ganze komplett in Betrieb ist.

Eigentümer suchen Austausch mit Nachbarn

„Durch Fehleinschätzungen der Veranstalter, Pannen in der Organisation und durch defekte Infrastruktur, vor allem im Bereich der angemieteten Sanitäranlagen, sind starke Belastungen und Unannehmlichkeiten für die Nachbarn entstanden“, räumen die Schlossbesitzer Monika und Stefan Klinkenberg in einer ersten Reaktion ein. Verbunden mit einer Entschuldigung bei allen Betroffenen für die entstandenen Unannehmlichkeiten. „Wir mussten erfahren, dass wir mit einem mehrtägigen Veranstaltungsformat dieser Größenordnung an die Grenzen der Zumutbarkeit sowie an die Grenzen der Möglichkeiten unserer Anlage mit der aktuell vorhandenen Infrastruktur geraten.“

Abgesehen von immer wiederkehrenden Problemen mit der Lautstärke, insbesondere durch die Bässe, sei eine der Hauptschwierigkeiten die Teilung des Festivalgeländes gewesen, das dadurch keine abgeschirmte und geschlossene Einheit bilden konnte, lautet eine erste Analyse. Die Gemeindestraße Richtung Buchholz führte quasi quer durchs Festivalgelände. „Das Ausmaß der Belastung des öffentlichen Straßenlands, die dadurch entstandene Verschmutzung und Vermüllung, hat gezeigt, dass diese Praxis nicht tragbar und nicht zukunftsfähig ist – weder für uns, noch für unser Umfeld“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Groß-Events mit 6000 Besuchern?

Die Eigentümer und ihr Team vor Ort sind nach eigenen Angaben bereits im Gespräch mit einigen Anwohnern und suchen den Austausch mit allen betroffenen Nachbarn. „Wir werden sorgfältig prüfen und analysieren, was nicht funktioniert hat, was in Zukunft besser gemacht werden kann und muss, welche Veranstaltungen für unser Unternehmen, für den Ort und die hier lebenden Menschen verträglich sind.“ Dabei stehe das bisherige Konzept, das auch Spitzenveranstaltungen mit bis zu 6000 Besuchern beinhaltet, auf dem Prüfstand.

Es gehe dabei insbesondere darum, für die warme Jahreszeit Veranstaltungsformate zu finden, „mit denen alle leben können und die weder uns als Veranstaltungsort, noch unser Umfeld, über Gebühr strapazieren und die dennoch zu einer wirtschaftlich tragfähigen Nutzung führen“, so die Klinkenbergs. Werde es kälter, gebe es weniger Probleme: Das Hauptgeschäft wie Tagungen, Kongresse und Firmenveranstaltungen finde weitgehend durch die Anlage abgeschirmt im Schloss und in den Gebäuden auf dem Gutshof.

Die Schlossbesitzer ermutigen Nachbarn und Betroffene, sich mit den Leuten von der Schlossgut Broock GmbH in Verbindung zu setzen, um ihre Sorgen und ihren Ärger direkt zu schildern. Verbunden mit der Aufforderung, etwaige Schäden zu melden, damit die behoben oder beglichen werden können. Gleichzeitig gibt es bereits eine Einladung zur nächsten Infoveranstaltung. Die soll am 14. Oktober, einem Freitag, ab 19 Uhr in der hiesigen Reithalle stattfinden.

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