SPALTEN ODER VERSÖHNEN

Kritik an Russland-Ausstellung in Demmin

So wird das nichts, glaubt Hans Jürgen Syberberg. Eine Ausstellung die den Krieg mit Russland und die Millionen von Toten thematisiert werde in Demmin alte Wunden aufreißen, glaubt der Künstler und kritisiert die Veranstalter.
Denny Kleindienst Denny Kleindienst
Russland und das Deutsche Reich – in St. Bartholomaei wird am kommenden Sonntag eine Ausstellung eröffnet, die vorab schon
Russland und das Deutsche Reich – in St. Bartholomaei wird am kommenden Sonntag eine Ausstellung eröffnet, die vorab schon für Diskussion sorgt. Georg Wagner
Demmin.

Die geplante Ausstellung über den Krieg zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion ruft kurz vor ihrer Eröffnung Kritik hervor. Der in Nossendorf lebende Regisseur Hans Jürgen Syberberg hat verwundert auf die Ankündigung reagiert – und dann erklärt, wieso er die neue Ausstellung in der Demminer St. Bartholomaei-Kirche für keine gute Idee hält.

Die Ausstellung, die am kommenden Sonntag um 17 Uhr eröffnet werden soll, trägt den Titel: „Das Geheimnis der Versöhnung ist Erinnerung“. Sie beleuchtet die Jahre von 1941 bis 1945. Rund 200 Fotos werden zu sehen sein und viele Texte, darunter zahlreiche Originalzitate. In Demmin wird die Ausstellung des Deutsch-Russischen Museums gezeigt, weil sich das „Aktionsbündnis 8. Mai“ dafür eingesetzt hatte.

Syberberg: „Das führt zu Hass”

Die Gruppe hatte bereits erklärt, dass „es nicht um die Aufrechnung der Leiden gehen soll“. Vielmehr möchte das Bündnis mit der Ausstellung „Wissens- und Gedächtnislücken schließen“. Es solle an Gräueltaten erinnert werden. In der Ankündigung heißt es zum Schluss: „Wir können uns einsetzen für Versöhnung und Frieden.“

Syberberg ist der Meinung, die Kirche ist der falsche Ort dafür. „Die Kirche sollte keine Position ergreifen. Die Kirche muss frei bleiben für alle.“ Er bezweifelt, dass die Ausstellung mit ihren Fotos und Texten zur Versöhnung beiträgt. Gerade in Demmin funktioniere das seiner Meinung nach nicht. „In Erregung kommt man nicht zur Ruhe“, sagt Syberberg. Doch die Ausstellung, da ist er sicher, werde die Leute erregen. „Das führt zu Hass.“ Die Geschichte solle man nicht vergessen. Er gehe allerdings davon aus, dass die Geschichte bekannt ist.

 

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Kommentare (8)

Was Syberberg davon hält, um mal an dessen literarischen Kunstwerke zu erinnern, ist insofern relevant, als dass seine Abneigung gegen die Ausstellung einen weiteren guten Grund liefert, um gerade dort stattzufinden, wo Faschismus zum heldenhaften, "genialistischen" Kampf gegen "Juden und Linke in unseliger Allianz" verklärt wird. Gerne dort, wo es wehtut.

[Frage d. Red.: Wann soll diese Aussage getätigt worden sein? Besten Dank]

Aus dem Werk "Vom Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege"

Eine Auseinandersetzung dazu:
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13500700.html

Deutsches Reich und Russland zwischen 1941 und 1945? Wem sind hier Geschichtskenntnisse unbekannt?
[Anm. d. Red.: Wurde in 'Sowjetunion' geändert. Danke für den Hinweis.]

Hör auf damit, uns zu zensieren! Russland, Sowjetrussland oder Sowjetunion - was soll das für eine Rolle spielen!? Im Reich hat kein Mensch Sowjetunion gesagt. Alle sagten Russland!

Warum? Die Generationen von heute wollen überhaupt nicht daran erinnert werden. Mich persönlich interessiert es ebend so wenig da ich nicht in dieser Zeit geboren und aufgewachsen bin. Werden die Franzosen daran erinnert was ihr großer Führer Napoleon gemacht hat? Werden die Griechen daran erinnert was ihr großer Führer Alexander der Große gemacht hat? Werden die Russen daran erinnert welches Leid ihnen Stalin gebracht hat? Mao, Pol Pot, oder ganz aktuell Kim Jong-un sind alles Diktatoren über die nicht mal annähernd erinnert wird. Aber der Deutsche muss und soll immer wieder erinnert werden. Gähn

für eine Ausstellung über die "Scheiße des Krieges" (Helmut Schmidt) als das 1945 aus Rache absichtlich niedergebrannte Demmin. Jeder elfte Deutsche überlebte diesen Krieg nicht: über 7 Millionen!

Der historisch größte, nationale Massensuizid in Demmin hatte zwar nicht unbedingt was mit der lokalen, national überdurchschnittlichen Zustimmung zur NSDAP zu tun (März 33' ~50%) aber sich ausschließlich über russische Kriegsverbrechen, was sie waren, zu muckieren ist schon erbärmlich. Man könnte zynisch fragen, was man von einer in voller Vorwärtsbewegung (Blutrausch) befindlichen Armee als Reaktion erwartet, wenn die eigenen Truppen deren Frauen und Kinder in Kirchen verbrannten? Blumen, Schokolade? Oder Auge um Auge?

Krieg sind IMMER Gräueltaten, deshalb sollte man, wenn man auch nur etwas Moral und Anstand besitzt keine Hetze verbreiten - nichtmal im Internet. Am Ende packt es immer auch an den eigenen Arsch.

Hab ich nicht von der "Scheiße des Krieges geschrieben"?