NAHVERKEHRSPROJEKT

Künftig rollt Ilse-Rufbus auch bis vor die Haustür

Der sogenannte Ilse-Rufbus in der Region Jarmen-Tutow-Loitz wird trotz des Auslaufens der Anschubfinanzierung auch 2019 weiter rollen. Einige Änderungen gibt es dabei allerdings zu beachten.
Stefan Hoeft Stefan Hoeft
Seit Mitte Dezember 2017 läuft in der Region Loitz das flexible Rufbus-Systems ILSE (Integrierte Leitstelle Erweiterung). Mitte dieses Jahres wurde es auf den Amtsbereich Jarmen-Tutow ausgeweitet. 2019 will der Kreis dieses Projekt fortsetzen.
Seit Mitte Dezember 2017 läuft in der Region Loitz das flexible Rufbus-Systems ILSE (Integrierte Leitstelle Erweiterung). Mitte dieses Jahres wurde es auf den Amtsbereich Jarmen-Tutow ausgeweitet. 2019 will der Kreis dieses Projekt fortsetzen. Bernd Wüstneck
Loitz.

Bei Schiffen gilt es seit jeher als Tradition, auch einige Flugzeuge und mancher Schnellzug tragen heute schon ganz individuelle Namen – geografischer Natur oder die von Personen. Aber dass ein normaler Transporter des öffentlichen Personennahverkehrs einen Namen verpasst bekommt, gilt mehr als ungewöhnlich. Von daher fällt jene „ILSE“, die seit einem Jahr durch den nordwestlichen Zipfel Vorpommern-Greifswalds rollt, der einst zum Landkreis Demmin gehörte, ziemlich auf.

Und mittlerweile dürfte die mobile „Dame“ fast jedem dort schon mal über den Weg gerollt sein, schließlich kleben die vier Buchstaben gleich auf mehreren Fahrzeugen ganz groß. Stellen sie doch die Abkürzung für den sperrig klingenden Begriff „Integrierte Leitstelle Erweiterung“ dar, hinter dem sich ein besonderes Projekt verbirgt, das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) unterstützt wird.

Ländliche Räume sollen besser erreicht werden

Unser Landkreis ist eine von 18 ausgewählten Regionen, die im Rahmen des BMVI-Modellvorhabens „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ gefördert werden. Gemeinsam mit Partnern verfolgt Vorpommern-Greifswald in diesem Rahmen das langfristige Ziel, durch Bündelung und flexible Verkehrsgestaltung, die Vermittlung von medizinischen Kurierfahrten sowie den Betrieb einer Informationszentrale für gesundheitsbezogene Anlässe eine langfristige Daseinsvorsorge in seinem Territorium sicherzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Verbesserung der Erreichbarkeit ländlicher Räume durch den Einsatz von flexiblen und bedarfsgerechten Mobilitätsangeboten. Mit Ilse fährt die Region dabei völlig neue Wege für Mecklenburg-Vorpommern.

Anders als beim längst bestehenden Rufbus-Angebot lässt sich dieser Transporter ganz ohne Fahrplan nach den jeweiligen Wünschen der Fahrgäste nutzen. Sprich diese können sich von Montag bis Freitag zwischen 8 Uhr und 18 Uhr kreuz und quer zwischen allen Haltestellen in der Modellregion chauffieren lassen. Zum üblichen Nahverkehrstarif, aber eben nicht an starre Linien und Zeiten gebunden. Dreh- und Angelpunkt des Konzeptes stellt die besagte Integrierte Leitstelle in Greifswald dar, wo ein Computer die Anfragen der Bürger verarbeitet. Dessen Software ermittelt, wann der Bus am Start- und Zielort ist und ob mit der Fahrt eventuell andere Fahrtwünsche verknüpft werden können. In jedem Fall erhält der Fahrgast sofort seine persönliche Abfahrt- und Ankunftszeit.

Seit Juli gibt es Ilse in Jarmen

Seit Dezember 2017 läuft das Ganze im Amt Peenetal/Loitz und im zur Mecklenburgischen Seeplatte gehörenden Demmin, wobei Fahrten innerhalb der Hansestadt ausgenommen sind. Dafür ist der Ilse-Bus aber auch als Zubringer zum Linienbusverkehr in alle Richtungen dieser Region nutzbar. Im Juli 2018 erweiterte der Landkreis den Einzugsbereich auf den benachbarten Amtsbereich Jarmen-Tutow.

Die Akzeptanz wuchs über die Monate spürbar, zumal die Mini-Busse im Sommer während der Schülerverkehrs-Pause noch häufiger angefordert wurden. Mehr als tausend Fahrgäste haben den Ilse-Bus im ersten Jahr genutzt, die meisten Buchungen gab es im Juli und August (164/193). Zuletzt seien in den beiden Ämtern insgesamt acht Fahrzeuge unterwegs gewesen, ihre Fahrtstrecke summierte sich in dem einen Jahr auf rund 10.000 Kilometer, so die Bilanz des Landkreises und seiner Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald mbH (VVG).

Einnahmen waren nicht kostendeckend

Beide kündigten angesichts dieser Resonanz schon im Sommer an, das Ganze nach dem Auslaufen der BMVI-Anschubfinanzierung möglichst fortsetzen zu wollen, nun sind die Weichen dafür gestellt, wie VVG-Geschäftsführer Dirk Zabel verkünden kann. Einhergehend mit kleinen finanziellen Änderungen. „Mit dem Ergebnis aus der Projektphase sind wir zufrieden, allerdings sind die Einnahmen nicht kostendeckend.“ Deshalb würden die Ilse-Tickets zum Jahresanfang moderat teurer. Eine häufig genutzte Verbindung wie beispielsweise vom Ortsteil Vorbein nach Loitz koste dann 10 Cent mehr – 1,80 Euro.

„Zugleich haben wir das Angebot weiterentwickelt“, erklärt der Chef des kreiseigenen Verkehrsbetriebes. „Ab dem kommenden Jahr gibt es die Möglichkeit, sich direkt vor der Haustür absetzen zu lassen.“ Für den Aufpreis von einem Euro können sich die Fahrgäste an ihre Wunschadresse kutschieren lassen. Das spart also zusätzliche Wege, etwa mit vollen Einkaufstauschen. „Das Angebot ist insbesondere für ältere Fahrgäste und Kinder von großer Bedeutung, weil es ein Plus an Sicherheit und Komfort bedeutet“, sagt Dirk Zabel. Und deshalb oftmals als Wunschoption von den Fahrgästen geäußert worden sei. Wobei die Abholung weiterhin ausschließlich an öffentlichen Haltestellen erfolgt.

StadtLandKlassik - Konzert in Loitz

zur Homepage