Abschieds-Party

Letzte Chance auf Tutower Senf

Der Tutower Karnevalsklub konnte nach dem Ende der Produktion von Tutower Senf zwei Zentner bunkern. Die sollen nun die Basis für eine scharfe Abschiedsparty bieten.
Der Tutower Karnevalsklub konnte immerhin zehn Zehn-Kilogramm-Eimer mit Tutower Senf erwerben. Und deren Inhalt soll jetzt bei
Der Tutower Karnevalsklub konnte immerhin zehn Zehn-Kilogramm-Eimer mit Tutower Senf erwerben. Und deren Inhalt soll jetzt bei Gunnar Franck
Die Macher der Ausstellung zur Abschiedsparty für den Tutower Senf suchen noch solche und ähnliche Aufnahmen aus der
Die Macher der Ausstellung zur Abschiedsparty für den Tutower Senf suchen noch solche und ähnliche Aufnahmen aus der Produktion der Tutower Konservenfabrik. Stefan Hoeft
Tutow

Die Fans von Tutower Senf stehen seit dem Frühjahr vor einem Dilemma. Denn da wurde bestätigt, dass die Mamminger Konserven GmbH die Produktion dieser weit über den Osten Deutschlands hinaus bekannten gelben Würzpaste endgültig eingestellt hat. Die entsprechenden Becher und Gläser sind inzwischen also aus den meisten Ladenregalen verschwunden. Und wer noch welche ergattern konnte, muss damit wohl oder übel sparsam umgehen. Denn Nachschub scheint auf normalen Wegen nicht mehr zu beschaffen, selbst bei Internetplattformen ist das scharfe Zeug jetzt aus.

Extra gekaufte Bestände werden angeboten

Der Tutower Karnvalsklub (TKK) indes hat sich noch rechtzeitig mit Bekanntwerden der Hiobsbotschaft auf die drohende Versorgungskrise eingestellt. Zwei seiner Mitglieder erstanden damals in Rücksprache mit ihrem Präsidenten und Bürgermeister Roland Heiden in einem Großkauf-Lager der Region sage und schreibe gleich zehn jener Eimer, die eigentlich für gewerbliche Kunden vorgesehen waren. Mit jeweils zehn Kilogramm Inhalt, zusammen also zwei Zentner Senf mit dem Meerrettich-Geschmack, der diese Marke so bekannt gemacht hat.

Da aber selbst Narren nicht in Senf baden und das ganze für die Alleinernährung untauglich wirkt, sollen möglichst viele Leute aus Tutow und Umgebung an diesem „Schatz“ teilhaben. Das Gros der Menge will der TKK bei einer Art Abschiedsparty unters Volk bringen, so die Ankündigung. Geplant für diesen Freitag, den 4. September, ab 17 Uhr. Sie steigt vor dem Feuerwehrgebäude an der Friedenstraße, mit Verkostung, Bratwurst, Getränken und Musik. Wobei dieses Lebensmittel zwar desinfizierend wirkt, aber in Absprache mit dem Gesundheitsamt wegen der Corona-Gefahren trotzdem eine Reihe von Infektionsschutzregeln zu beachten sind, wie Gunnar Franck vom Organisationsteam erläutert.

Noch Erinnerungsstücke und Zeitzeugen gesucht

Er und seine Mitstreiter halten indes ein besonderes Angebot bereit: An einem selbst gezimmerten Verkaufsstand kommt der Inhalt der besagten Eimer zum Verkauf. Zwischenzeitlich von ihnen abgefüllt in Gläser jener Sorte, wie sie die erste Zeit nach der Wende Verwendung fanden. Die konnten im Ort noch ebenso aufgetrieben werden wie die passenden Originaldeckel. Der Erlös fließt in die Vereinskasse, die ja wegen der Pandemie einige Einnahme-Ausfälle verkraften muss. „Aber es geht uns nicht darum, groß Profit daraus zu schlagen“, macht der Narr und Feuerwehrmann Franck klar. Vielmehr gehe es um das Miteinander in diesen nicht immer einfachen Zeiten und um die Erinnerung an ziemlich bewegte Historie.

Schließlich geht der Ursprung dieser Würzpaste auf ein Unternehmen in Stettin zurück. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges kamen dessen Rezepte und Mühlsteine nach Loitz, lief dort eine neue Produktion an. Erinnerungen an die Geschichte der Firma sollen in einer kleinen Ausstellung im Versammlungsraum der Feuerwehr präsentiert werden – inklusive eines digitalisierten alten Films aus der Produktion und zweier Aufzeichnungen von Fernsehberichten.

Kein Abschied für immer?

Allerdings könnte diese Art „Werksschau“ noch einige Ergänzungen vertragen. Deshalb bitten die Macher mit Blick auf die einst große Beschäftigtenzahl, dass Leute, die noch Fotos und andere Dokumente von der Konservenfabrik zu Hause haben, diese für diesen Tage mitbringen. Oder im Vorfeld bei Gemeindevertreter Alfred Koch abgeben.

Der hofft derweil, wie so manch anderer Fan des Tutower Senfs, dass dieser Abschied keiner für immer ist. Zumal Bürgermeister Heiden schon vor Jahren Bestrebungen zeigte, die Produktion zumindest teilweise wieder nach Hause zu holen. Vielleicht gibt die Party ja neue Impulse in diese Richtung.

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