In den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Luft in Vorpommern feucht und schwer wurde, lebte Levis mit seiner Mutter in Spanie
In den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Luft in Vorpommern feucht und schwer wurde, lebte Levis mit seiner Mutter in Spanien. In dieser Zeit unterrichtete ihn das Loitzer Lehrer-Team online. Ulrike Rosenstädt
Felicitas, Blanka, Albert und Antonia Münzberg vor dem Klinikum Medizinische Hochschule Hannover. Hier erhielt Levis eine
Felicitas, Blanka, Albert und Antonia Münzberg vor dem Klinikum Medizinische Hochschule Hannover. Hier erhielt Levis eine Lungentransplantation. Die Familie steht fest an der Seite von Levis, darf ihn bereits am Krankenbett besuchen. privat
Der kleine Levis lebte mit seiner Familie in Siedenbüssow, Gemeinde Alt Tellin, und besuchte die Görminer Grundschul
Der kleine Levis lebte mit seiner Familie in Siedenbüssow, Gemeinde Alt Tellin, und besuchte die Görminer Grundschule. Dort steckte er Mitschüler sogar in der Hofpause mit seiner Leselust an. Ulrike Rosenstädt
Nach Görmin wechselte Levis an die Regionale Schule Loitz. Auch dort fand er viel Unterstützung und versuchte so oft
Nach Görmin wechselte Levis an die Regionale Schule Loitz. Auch dort fand er viel Unterstützung und versuchte so oft wie nur möglich, direkt am Unterricht teilzunehmen. Sein Sauerstoffgerät hatte er immer dabei. Ulrike Rosenstädt
Neue Lunge

Levis sagt Danke! Organspende rettete ihm das Leben

Im Peenetal kennt man Levis Münzberg schon lange, viele Menschen haben am Schicksal des schwer lungenkranken Jungen teilgenommen. Jetzt hat er eine schwere OP überstanden.
Alt Tellin

„Es gibt sehr gute neue Nachrichten. Levis hat in dieser Woche ein Spenderorgan erhalten. Er hat nun eine neue Lunge und er hat zugestimmt, dass wir Ihnen das erzählen dürfen.“ Es ist der Vater von Levis Münzberg, Thomas Carnap, der anruft, um die Freude der Familie mitzuteilen. Doch gleichzeitig ist es ihm auch ein dringendes Bedürfnis genau in diesem Moment dafür zu werben, dass möglichst alle Menschen eine Patientenverfügung ausfüllen.

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„Denn in diesem Papier enthalten ist auch die Entscheidung, ob man Organspender sein möchte oder nicht“, betonte der Familienvater. Die bewusste Entscheidung einer einzelnen Person zu Lebzeiten oder die einer Familie, die sich in einer sehr traurigen Situation befand, hat jetzt schließlich Levis das Leben gerettet.

Besuch nach der Transplantation

Wie seine Eltern bereits vor einigen Wochen berichteten, ging es dem heute 18-Jährigen schon längere Zeit nicht gut. „Es ging Levis sogar richtig schlecht“, sagte seine Mutter Blanka Münzberg. Damals wollte der junge Mann aus Vorpommern seine Situation nicht mehr mit der Öffentlichkeit teilen. Jetzt, Wochen später, sieht der Schüler der Regionalen Schule Loitz es anders, lässt seine Eltern für ihn sprechen. Denn kurz nach seiner OP muss er sich seine Kräfte sehr gut einteilen.

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Persönlich reden kann er mit dem Nordkurier nicht – noch nicht. Aber seine Mutter und seine Geschwister besuchten ihn gleich wenige Stunden nach der Transplantation. „Immer eine Person darf kurz an sein Bett“, beschrieb seine Mutter die Situation vor Ort. Sie wirkte erleichtert, froh und gleichzeitig besorgt. „Natürlich werden alle Werte ständig überwacht, sein Körper muss sich jetzt erholen, wieder zu Kräften kommen, das Organ annehmen“, sagte Blanka Münzberg am Mittwoch in einem Telefongespräch. Erneut lässt sie keinen Zweifel an ihrem Optimismus aufkommen.

Benefiz-Fußballspiel für Levis Spanien-Aufenthalt

Genauso haben die Menschen aus der Region Vorpommern-Greifswald die Musikerin, die sich für das kulturelle Leben im Peene- und Tollensetal engagiert, vor vielen Jahren kennengelernt. Das war 2016, als der Nordkurier den Grundschüler und seine Klassenkameraden für einige Stunden begleiten durfte. Immer mit dabei hatte der kleine Junge, der unglaublich tapfer, wissbegierig und belesen erschien, damals sein Sauerstoffgerät. Das Gebrumme, das von der Pumpe ausging, schien niemanden zu stören. Lehrer und Mitschüler agierten als hilfsbereites Team.

Doch nicht nur die Kinder und Erwachsenen der Görminer Grundschule zeigten sich ergriffen und gleichzeitig motiviert zu helfen. Noch im selben Jahr organisierten Bewohner aus Peenetal-Gemeinden ein Benefiz-Fußballspiel, um Levis und Blanka Münzberg finanziell dabei zu unterstützen, in den Herbst-Wintermonaten nach Spanien fahren und dort leben zu können. Denn „dort war das Klima für unseren Sohn so gut, dass er an manchen Tagen stundenweise sogar ohne Sauerstoff auskam“, erzählte Blanka Münzberg.

Transplantation als größtes Geburtstagsgeschenk

Doch inzwischen ging es nicht mehr ohne diese künstliche Unterstützung. Levis Zustand hatte sich immer weiter verschlechtert. „Seit über einem Jahr hat Levis, haben wir als Familie, auf ein Spenderorgan gewartet.“ Unmittelbar nach seinem 18. Geburtstag habe er vom Klinikum Medizinische Hochschule Hannover den erlösenden und wohl auch rettenden Anruf erhalten. „Das kann man als das größte Geburtstagsgeschenk überhaupt bezeichnen“, sagte Levis Mutter.

Wenige Stunden nach der Transplantations-OP vereint ihre Stimme Freude, Erleichterung, doch auch Traurigkeit: „Wir möchten unsere Freude teilen, allen danken, die uns auf dem Weg bisher unterstützt und die Hoffnung nie aufgeben haben. Die Ärzte hier in Hannover, alle Ärzte, die all die Jahre für Levis da waren, haben Großes geleistet.“

OP ohne Komplikationen

Blanka Münzberg möchte die Gelegenheit nutzen, um ganz besonders der Familie zu danken, „die diese Organspende ermöglicht hat. Sie müssen jetzt, in diesem Moment, in dem wir uns für Levis so freuen, mit Trauer und Verlust umgehen. Das ist uns wohl bewusst. Wir danken ihnen sehr und wünschen der Familie ganz viel Kraft.“ Blanka Münzberg hält am Telefon kurz inne. Die emotionale Situation ist auch für die Familie aus Siedenbüssow nicht einfach. Jeder bangt gerade auf seine Weise, macht sich Gedanken.

Der Vater, der im ständigen Kontakt mit den Ärzten in Hannover ist, weiß, dass seine Frau und die drei Geschwister von Levis seinen Sohn vor Ort bestens unterstützen. „Die OP ist ohne Komplikationen verlaufen. Das haben uns die Ärzte bestätigt“, sagte Blanka Münzberg.

Levis steckte in den Abschlussprüfungen

Levis war mit nur acht Monaten schwer an der Lunge erkrankt. Dennoch hat er der Bronchiolitis stets die Stirn geboten. Den Grundschul-Schuhen entwachsen, besuchte er die Regionale Schule in Loitz. Dort erfuhr er ebenso viel Engagement wie in Görmin. Levis wusste schon lange vor der Corona-Pandemie, wie es funktioniert, mit seinen Lehrern online zu sprechen, Aufgaben zu lösen.

Erst vor wenigen Wochen hat er, wie seine Mitschüler, die schriftlichen Zehnte-Klasse-Abschlussprüfungen geschrieben. „In dieser Woche wären die mündlichen dran. Nun kam aber die OP. Es wird sich sicher eine Lösung dafür finden lassen.“

Pläne für die Zukunft

Christina Sack, stellvertretende Leiterin der Regionalen Schule Loitz: „Um die mündlichen Prüfungen muss sich Levis überhaupt keine Sorgen machen. Wir bekommen das alles hin, werden alles organisieren. Unsere Gedanken sind gerade ganz viel bei Levis. Jeder fragt, möchte wissen, wie es ihm geht. Wir wünschen ihm ganz viel Glück, dass medizinisch alles gut wird.“

Levis muss, will, möchte so schnell wie möglich wieder fest auf seinen Beinen stehen. Der junge Mann hat Pläne – genau wie ihn seine Familie, Mitschüler und Lehrer kennen. „Ich will dazu nicht viel sagen, denn Levis möchte als Person so gar nicht im Mittelpunkt stehen, aber dringend auf das Thema ‚Leben retten‘ aufmerksam machen. Er weiß natürlich schon, was er werden will“, hält sich seine Mutter an dieser Stelle sehr zurück. Auf jeden Fall werde er weiter seine Nase tief in viele Bücher stecken, sich Gedanken machen, diese weiterentwickeln. Und eines gerne noch einmal über seine Mutter wiederholen: „Danke für die Organspende. Organspenden retten Leben. Jeder sollte bitte darüber nachdenken!“

 

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