Erneutes Corona-Aus

Loitz und Jarmen sagen nun doch Weihnachtsmärkte ab

Die beiden Städte am mittleren Peenetal ziehen angesichts der Corona-Entwicklung nun doch die Reißleine. Eine schweren Herzens gefällte Entscheidung, die nicht jeder gut findet.
Lange hielten die Loitzer die Türen offen für ihre Weihnachtsmarktpläne vorm Rathaus. Doch nun entschlossen sic
Lange hielten die Loitzer die Türen offen für ihre Weihnachtsmarktpläne vorm Rathaus. Doch nun entschlossen sich die Organisatoren schweren Herzens zur Absage. (Archivbild) Stefan Hoeft
Erneute Absage wegen Corona: Solche Begegnungen auf dem Alten Markt von Jarmen bleiben wohl auch diese Adventszeit aus. (Archi
Erneute Absage wegen Corona: Solche Begegnungen auf dem Alten Markt von Jarmen bleiben wohl auch diese Adventszeit aus. (Archivbild) Stefan Hoeft
Loitz

Die Vorbereitungen auf vorweihnachtliche Veranstaltungen liefen zwar gut und die Vorfreude stieg, die damit verbundene Hoffnung auf eine trotz Corona halbwegs normale öffentliche Adventszeit indes bekam in Loitz und Jarmen schon zuletzt spürbar Risse. Denn nicht nur, dass mancher Schausteller und Versorger angesichts der Unsicherheiten abgesprungen war, auch die seit Oktober steigenden Infektionszahlen in Vorpommern ließen wenig Gutes erahnen. Vor einer kompletten Absage schreckten die Verantwortlichen lange zurück, doch nicht zuletzt angesichts der von Bund und Land angezogenen Zügel sahen beide Kommunen jetzt keine andere vertretbare Möglichkeit mehr.

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In Loitz ist nach der städtischen Rentnerweihnachtsfeier und dem am ersten Adventswochenende geplanten Basar beim Heimatverein im „KulturKonsum“ nun sogar der zentrale Weihnachtsmarkt vorm Rathaus gestrichen. Er war fürs erste Dezember-Wochenende terminiert, sollte eigentlich trotz aller bisherigen Auflagen dank eines aufwendigen Hygienekonzepts durchgezogen werden. Mittlerweile gebe es allerdings zu viele Unsicherheitsfaktoren, um das Ganze ruhigen Gewissens durchzuziehen, erklärte Bürgermeisterin Christin Witt am Freitag im Gespräch mit dem Nordkurier.

Rege Diskussion auf der städtischen Facebook-Seite

„Wenn ich sehe, wie sich die Infektionszahlen entwickeln und jetzt schon wieder von einer Maskenpflicht gesprochen wird. Wer soll das kontrollieren“, lautete Witts rhetorische Frage. Das gelte erst recht, würde für Veranstaltungen die 2G-Regel gelten. „Das gefällt mir selbst alles nicht, ich bin nicht glücklich darüber“, so die Rathauschefin. Aber die Gesundheit der Bürger sei wichtiger und der jetzige Schlussstrich besser als einer erst kurz vorher.

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Nicht jeder will der Absage vorbehaltlos folgen, wie die Diskussion auf der städtischen Facebook-Seite offenbart. „Das hätte man auch mit Absperrung machen können, mit zwei Eingängen und security, 3G und fertig. Aber man versucht ja nicht mal Lösungen zu finden. Absagen geht schneller und leichter. Was für eine Leistung“, schrieb etwa ein Frank Behrens. „Fran Zi“ würde allen die Entscheidung selbst überlassen, ob sie hingehen und sich dem Risiko aussetzen. Sie glaube, dass genug Leute kommen würden, zumal viele Familien nirgendwo anders hinkönnten. „Ich finde das einfach nur traurig.“ Sie sieht das Sportgelände als Alternative mit genügend Platz für Abstand, „Sandy Grunert“ würde sogar das benachbarte Gewerbegebiet mit einbeziehen.

„Kein Weihnachtsmarkt ist im Moment unser kelinstes Problem”

Andere hingegen äußern Verständnis für die Organisatoren: „...nach diesen ganzen Verordnungen und Wirrwarr ist es absolut nicht möglich auch nur annähernd einen Markt zu gestalten! Wir ALLE sind ausgehungert nach sozialen Kontakten, das steht fest … die Leute stehen zusammen, feiern und tanzen evtl. auch !!!! Wer Bitteschön soll da aufpassen oder will diese Aufgabe übernehmen, auf Abstandsregelungen zu achten oder gar durchsetzen?“, steht in einem Beitrag unter dem Namen Diana Eggert. Sie würde die Verantwortung auch nicht übernehmen wollen. „Es ist immer leichter zu schimpfen, damit kommen wir aber auch nicht weiter, außer sich gegenseitig zu zerfetzen !!! Bald kommt der Sommer und dann sieht’s bestimmt wieder anders aus“, lässt sie neue Hoffnung spüren. „Marita Bahls“ glaubt sogar, „kein Weihnachtsmarkt ist im Moment unser kleinstes Problem.“

Ein Kommentar, der auf einer Wellenlinie mit der Bürgermeisterin liegt. „Ich kann den Unmut verstehen. Wir sind ja alle mit dem Herzen dabei“, sagte sie. „Aber sollen wir lieber wieder die Schulen zumachen?“ Nun gehe es darum, zu erreichen, dass die Leute 2021 wenigstens privat Weihnachten wieder halbwegs entspannt feiern könnten – ohne Covid-19-Fälle in der Familie oder Besuchsverbote.

Jarmener hoffen auf bessere Lage im März

Ein Tenor, der ebenfalls bei der Verwaltung und dem Festkomitee im benachbarten Jarmen zu vernehmen war, als beide Seiten ihre Kultur-Streichliste präsentierten. Betroffen sind die Mitte Dezember für den ganzen Amtsbereich geplante Seniorenweihnacht und eben der am gleichen Wochenende wie in Loitz angedachte Adventsmarkt auf dem Alten Markt. „Wir haben uns nach dem schönen Herbstmarkt schon so gefreut, und wir hatten uns sooo viel überlegt“, schilderte Diana Hoth als Vorsitzende der Organisationstruppe aus der Autobahnstadt.

Aber sie sähen sich außerstande, etwaige Regelverschärfungen für solche Veranstaltungen umzusetzen, geschweige denn, Leuten den Zutritt zu verweigern, ohne eine besinnliche Stimmung zu torpedieren. „So einen Stress will keiner haben.“ Von der Befürchtung, am Ende einen Anstieg der Infektionszahlen vor der eigenen Haustür zu provozieren, ganz abgesehen.

Zumindest an einem Teil der Planung wollen die Jarmener festhalten: einem bunt geschmückten Briefkasten, in den die Kinder ihren an den Weihnachtsmann gerichteten Wunschzettel stecken können. Statt auf dem Alten Markt werde der nun ab Montag im Schuhhaus Sorge aufgestellt, verriet Diana Hoth. Sie kündigte zudem an, nach Möglichkeit im März bei besserer Corona-Lage einen gemütlichen Nachmittag auf dem Alten Markt auszurichten – damit Glühwein und Bratwurst nicht noch länger warten müssen.

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Kommentare (1)

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