UNGEWÖHNLICHE AKTION

Loitz zahlt zwei Neubürgern ein Grundeinkommen

Raus aus der Groß- und rein in die Kleinstadt, um dort für ein Jahr in ein leer stehendes Haus zu ziehen, um es für eine gemeinschaftliche Nutzung zu gestalten. Dafür gibt‘s monatlich eine Art Grundeinkommen.
Dieses Haus in der Greifswalder Straße 235a, ein Haus, über das die Stadt verfügen kann, soll für ein Jah
Dieses Haus in der Greifswalder Straße 235a, ein Haus, über das die Stadt verfügen kann, soll für ein Jahr von zwei Neu-Loitzern bezogen werden. Ihre Aufgabe wird es sein, eine Hälfte des unteren Bereiches neu zu gestalten und zwar so, dass die Allgemeinheit ihn nutzen kann. Karin Heymann
Loitz.

Jetzt müssen die Loitzer stark sein und oder sich einmal mehr als tolerante und offene Bürger beweisen, denn mit „Dein Jahr in Loitz“ richtet sich jetzt die aktuellste Aktion des Zukunftsstadtprojektes 2030 nicht in erster Linie an die Peenestädter vor Ort, sondern vor allem an Großstädter, die auf Loitz aufmerksam werden sollen, um ein Jahr lang Teil der kleinstädtischen Gemeinschaft zu werden: „Es werden zwei mutige GroßstädterInnen gesucht, die ab Frühling 2021 das leerstehende Haus in der Greifswalder Straße 253a mit Leben füllen wollen“, erklären Mitarbeiter der in Rostock ansässigen Kreativagentur fint, die im Auftrag der Loitzer Amtsverwaltung als Zukunftsstadt-Projektpartner, quasi als Dienstleiter für die Stadt, tätig sind.

In Berlin auch per Plakat und City-Cards beworben

Bei „Dein Jahr in Loitz“ gehe es darum, dass zwei Pioniere ab April kommenden Jahres für zwölf Monate in die Projekt-WG einziehen und „gemeinsam ein Nutzungskonzept für das Erdgeschoss des bezogenen Hauses entwickeln, es umsetzen und dokumentieren. Und das bei Grundeinkommen, kostenfreier Unterkunft“, heißt es in der Projektbeschreibung. Die kann ab sofort jeder, der Lust hat, sich auf dieses Abenteuer einzulassen unter www.deinjahrinloitz.de nachlesen. Grundeinkommen heißt übrigens konkret, dass pro Person pro Monat 1000 Euro in Form eines Honorars ausgezahlt werden. Nach Aussagen der Loitzer Bürgermeisterin kommt dieses Geld aus dem Fond, der für die Umsetzung der dritten Phase Zukunftsstadt Loitz vom Bund zur Verfügung steht.

Grundeinkommen klingt verlockend? Kann gut sein, dass sich die Agentur in Rostock schon in den nächsten Tagen vor Bewerbern nicht retten kann, denn die Liste der Linksammlung verschiedenster Kanäle über die die Infos zu „Dein Jahr in Loitz“ verteilt werden ist lang. Zusätzlich werden Werbespots in Berliner Kinos geschaltet, Postkarten und Plakate in der Berliner Gastro- und Kulturlandschaft verteilt. Bis zum 30. September können sich Interessierte für ihre Teilnahme an dieser Ganzjahres-Aktion in Loitz bewerben. Schon im Oktober ist dann eine Begehung des Hauses geplant, um das Gebäude kennenzulernen.

Infos gibt es bei der Stadtvertersitzung

„Im November werden die Profile der BewerberInnen zu einem Online-Voting veröffentlicht, die Loitzer/Peenetaler-innen entscheiden also mit, wer einziehen wird. Ende November steht dann das Tandem fest. Im Februar 2021 gibt es eine Willkommensfeier zu Begrüßung der zukünftigen Wahl-LoitzerInnen auf Zeit“, informierte jetzt Lena Hoffstadt vom fint Projektmanagement. Nach den Vorstellungen der Rostocker Agentur könne, nach einer Phase der gemeinschaftlichen Herrichtung des Wohnbereichs, im April 2021 eingezogen werden. Und schon kann dann für die „Neu-Loitzer“ die Arbeit beginnen, denn sehr wahrscheinlich werden zwölf Monate, in denen das Erdgeschoss des Hauses hergerichtet werden und einer gemeinschaftlichen Nutzung zugeführt werden soll, schnell vergehen. Doch hoffentlich ist diese Zeit lang genug, um ausreichend zu netzwerken. Denn schließlich, so die Vorstellung der Kreativagentur, sollen die Loitzer in möglichst viele Arbeitsschritte und Entscheidungen bei der Umgestaltung des Hauses mit einbezogen werden. Zudem könnten sie, im Rahmen eines Tauschrings Werkzeuge oder Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellen. Wer mehr Informationen zu all diesen Abläufen hat oder den Wahl-Loitzern ein herzliches Willkommen ermöglichen möchte, kann sich ab sofort mit der fint-Projektmanagerin per Mail unter [email protected] in Verbindung setzen.

Sie wird übrigens im September zur Stadtvertretersitzung nach Loitz eingeladen, um das aktuellste Zukunftsstadt-Vorhaben vorzustellen. Das kündigte Bürgermeisterin Christin Witt gestern an. Die Rathauschefin befürwortet den Vorstoß, Großstädter für die kleine Stadt an der Peene zu interessieren, sie aktiv ins Leben mit einzubeziehen, um sie „vielleicht sogar überzeugen zu können für immer zu bleiben.“

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Kommentare (1)

wie an leer stehende Kaufhäuser Fotos aus deren goldenen Zeiten zu kleben. Hundert Jahre alte Fotos ändern nichts an der weltweit anhaltenden Landflucht. Ganz im Gegenteil: der Zuzug junger Menschen in die sogenannten Schwarmstädte hat sich sogar noch verstärkt.