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Mäzen vererbt halbe Million Euro an Loitzer Kinder

Der Münchner Mäzen Werner Niemann (1923-2017), hier ein Archivbild, wurde in Loitz geboren und wuchs dort auf.
Der Münchner Mäzen Werner Niemann (1923-2017), hier ein Archivbild, wurde in Loitz geboren und wuchs dort auf.
Henning Rischer

Loitz hat eine halbe Million Euro aus einem Nachlass überwiesen bekommen, geerbt von einem einst bettelarmen Sohn der Stadt. Das Geld soll einem bestimmten Zweck dienen.

Gehen die mit einem Erbfall verbundenen Hoffnungen der Stadt Loitz auf, dann dürften sich ihre Sorgen um ausreichende Eigenmittel für die Sanierung der Kita „Mäusenestchen“ und für den Neubau des Hortgebäudes bald erledigen. Seit dieser Woche befinden sich zusätzliche 500.000 Euro auf ihrem Konto. Sie stammen aus dem Nachlass des Unternehmers und Mäzens Werner Niemann, der Anfang September 2017 verstorben ist. Ein vorpommerscher Bub, der in seinen rund 95 Lebensjahren bewies, dass der viel zitierte Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär keineswegs eine rein amerikanische Erfolgssaga darstellt.

Am 18. August 1923 als Sohn eines Musikers in Loitz geboren, wuchs Werner Franz Paul unter extrem ärmlichen Verhältnissen in der Greifswalder Straße 255 auf. „Er wusste wirklich, was Not ist“, berichtet Ortschronist Henning Rischer. In der Familie Niemann sei damals Schmalhans der Küchenmeister und ein Besuch der Mittelschule wegen der Kosten undenkbar gewesen. „Er hat mir mal erzählt, dass er sonnabends nicht draußen spielen konnte. Weil da sein einziges Hemd gewaschen wurde.“ Erfahrungen, die ihn für immer geprägt hätten und nahe legten, warum er sich mit seinem Privatvermögen vor allem für Kinder und alte Menschen einsetzte. „Die, die sich nicht selbst helfen könnten, die waren sein Augenmerk.“

Verdienstorden für Werner Niemann

Niemanns Erfolgsgeschichte begann nach dem Zweiten Weltkrieg, als er seine alte Heimat gen Westen verließ und im bundesdeutschen Wirtschaftsaufschwung eine steile Karriere machte. Ein brillanter Geschäftssinn, großer Ehrgeiz und oftmals rastloses Arbeiten sorgten in Verbindung mit glücklichen Umständen dafür, dass der gebürtige Vorpommer zum vielfachen Millionär wurde. Mit einem Wohnsitz in einem Münchner Nobelviertel unweit der Isar.

Der Initiator und Betreuer der Tombola für München stiftete immer wieder hohe Millionen-Summen für das dortige Kulturleben und Einrichtungen wie das von ihm initiierte Herz-Zentrum, war neben seinem Ehrensenator-Titel auch Ehrenpräsident der Freunde des Nationaltheaters. Werner Niemann wurde für sein Engagement mit dem
Bayerischen Verdienstorden und der goldenen Ehrenmedaille des Bayerischen Roten Kreuzes ausgezeichnet.

Auch Kleidung und Möbel im Nachlass

Ende vergangenen Jahres informierte das zuständige Gericht die Kommune darüber, dass Niemann ihr neben der halben Million Euro noch seine Kleidung und Wäsche vermacht hat sowie einige Bauernholz- und Korbmöbel, einschließlich eines großen Teppichs. Verbunden mit der Auflage, das Ganze abzuholen und das Geld ausschließlich für Kindereinrichtungen zu verwenden.

Was hingegen die 500.000 Euro angeht, so liefen noch die Abstimmungen mit der Nachlassverwalterin, um den letzten Willen Niemanns zu erfüllen. Die Kommune sieht dafür am besten die besagte Kita geeignet, bei deren Sanierung gerade einiges an Mehraufwand zustande gekommen ist, sowie den mit rund 2,3 Millionen Euro veranschlagten Neubau eines Gebäudes für die Nachmittagsbetreuung der Schulkinder am künftigen Campus an der Sandfeldstraße. Der soll 2019 starten, und auch da muss sich Loitz trotz einer hohen Förderung noch mit mehreren hunderttausend Euro an Eigenmitteln beteiligen.

Kommentare (1)

immer im Herzen tragen und nie vergessen wo man herkam. Darauf kommt es an! Wenn einer den Unterschied zwischen arm und reich kannte, dann er.