KOSTEN UND DRECK

Macht Tutow eine seiner Turnhallen dicht?

Das Dorf Tutow muss gleich zwei Turnhallen finanzieren. Doch die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung geht vorne und hinten nicht auf, auch deshalb wird über Sparmöglichkeiten diskutiert.
Bei der Turnhalle am Pommernring lässt sich ein Teil der Unterhaltskosten über den Unterrichtsbetrieb der Tutower Gr
Bei der Turnhalle am Pommernring lässt sich ein Teil der Unterhaltskosten über den Unterrichtsbetrieb der Tutower Grundschule abrechnen. Doch nicht immer finden die Lehrer und ihre Schützlinge die Räume morgens so vor, wie es sein sollte, heißt es. Stefan Hoeft
Auch der ebenfalls zur Jahrtausendwende sanierte Sportsaal an der Dammstraße wird auf unterschiedliche Weise genutzt, hi
Auch der ebenfalls zur Jahrtausendwende sanierte Sportsaal an der Dammstraße wird auf unterschiedliche Weise genutzt, hier bei einer Frauentagsfeier vom Dorfclub. Stefan Hoeft
Tutow ·

Dass der Hauptausschuss jüngst unter anderem über die Bewirtschaftung der Turnhallen debattiert hat, das konnte Tutows Bürgermeister Roland Heiden bei der Gemeindevertretersitzung in dieser Woche bestätigten. Genauso wie die Sorgen der Kommune hinsichtlich der entsprechenden Kostenbilanz. Nicht aber einen Rückschluss daraus, die Einrichtung an der Dammstraße demnächst dichtzumachen. „Von der Schließung ist überhaupt nicht die Rede. Das ist wieder so ein Gerücht, das wahrscheinlich allein durch die Ankündigung zu dieser Sitzung aufgekommen ist“, so Heiden.

Aufregung und Empörung über befürchtete Turnhallen-Schließung

Schließlich fand sich unter Punkt sechs auf der Tagesordnung für die Abgeordneten-Runde das Thema „Auswertung des Kosten-Nutzen-Vergleichs der Turnhalle Dammstraße“ wider. Das sorgte nun für so einige Vertreter von Vereinen und Institutionen in den Besucherreihen, die den besagten Sportsaal bisher nutzen und das auch in Zukunft weiter tun wollen.

Die Aufregung und die Empörung über das befürchtete Aus waren deutlich zu spüren und unüberhörbar in den kurzen Anfragen dazu. Immerhin haben hier beispielsweise die Volleyballer und Tischtennisspieler ein Zuhause, luden der Dorfclub und die Ferienspiele zu Veranstaltungen ein. Die Kinderkleiderbörsen dort gelten schon als feste Größe in der Region, auch die Kita weiß diese räumlichen Möglichkeiten vor Ort zu schätzen. Einen wirklichen Überblick, was da alles und wie passiert, hat das Dorfoberhaupt allerdings nicht, wie er klarmachte. „Wir haben keinen Hallenwart, da ist niemand für zuständig. Deshalb müssen wir darüber reden.“ Das betreffe auch Dinge wie das Heizen, das an diesem Abend bemängelt wurde.

Tutow zahlt noch bis 2029 Sanierungskredit ab

„Aber so eine Turnhalle kostet. Und wir haben sogar zwei davon“, erklärte der Bürgermeister. Eine besondere Lage, wie sie sonst wohl kaum bei einer Gemeinde dieser Größenordnung in Mecklenburg-Vorpommern existiere. Bedingt ist das durch die hierzulande einzigartige Entstehung und Geschichte des Ortes als Luftwaffenstützpunkt. Denn als der Flugplatz von der Sowjetarmee genutzt wurde, ließ die in ihrem Mitte der 1980er-Jahre hochgezogenen Plattenbauviertel für das Personal und seine Familien gleich noch eine Schule samt Sportsaal errichten – im typischen DDR-Stil jener Zeit. Und als die Tutower nach dem Abzug der ausländischen Truppen das gesamte Areal Anfang der 1990er-Jahre für die zivile Nutzung von der Bundesrepublik übernahmen, „erbten“ sie auch dieses Gebäudeensemble mit. In das zogen die Regionalschüler ein, und nach einer damit einhergehenden umfangreichen Modernisierung 1999/2000 fungiert es heute als Grundschule „Pommernmäuse“.

Bereits Ende der 1970er-Jahre indes war in der Siedlung Tutow selbst ein neues Lehrgebäude samt Turnhalle für die damalige Polytechnische Oberschule „Otto Buchwitz“ entstanden. Nach der Übernahme der Flugplatz-Immobilien diente es erst als Domizil für die Erst- bis Viertklässler und wurde 2011/12 dann zum neuen zentalen Standort für die Kita „Gänseblümchen“ umgebaut. Schon gut ein Jahrzehnt zuvor allerdings hatte die Kommune auch hier an der Dammstraße in die Sanierung der benachbarten Sporteinrichtung investiert. Dazu wurde ein Kredit von 294 000 Mark aufgenommen, umgerechnet gut 150 000 Euro. Dessen Abzahlung läuft nach einer Umschuldung noch bis ins Frühjahr 2029, wie die Jarmener Amtskämmerin Rotraut Kriemann auf Nordkurier-Anfrage erläuterte. Rund 2600 Euro betrage der entsprechende Kapitaldienst pro Quartal.

Dieses Geld indes hat Roland Heiden noch nicht mal mit einberechnet in seine Bilanz für 2020: „Da hatten wir 55 Euro Einnahmen in der Dammstraße, dem entgegen standen 11 119 Euro Kosten.“ Zwar schmälerten wohl die Auswirkungen der Corona-Pandemie spürbar die Haben-Seite, doch auch in „besseren“ Zeiten sah es unterm Strich kaum anders bei diesem Verhältnis zuungunsten der Gemeindekasse aus. Zumal an diesem Standort anders als früher und bei der Turnhalle am Pommernring nichts mehr von den Unterhaltskosten auf Schulbeiträge umgelegt werden kann. Die Aufwendungen eins zu eins auf die Nutzer umzulegen, erscheint hingegen weder realistisch noch sozial verträglich.

Bei fünf Euro pro Stunde wird es wohl nicht bleiben

Gleichzeitig müsse leider festgestellt werden, dass beide Sportstätten trotz vielfältiger Nutzung in der Zeit von 13 Uhr bis 23  Uhr längst nicht ausgelastet würden, im Gegenteil, so der Bürgermeister. „Deshalb war ein Gedanke, die wenigen Nutzer in einer Halle zusammenzuführen und für die eingesparten Kosten einen Hallenwart einzustellen, der sich da um Ordnung kümmert.“ Es gebe nämlich immer wieder Beschwerden von der Grundschule, dass die Räume von anderen Nutzern nicht in ausreichend sauberem Zustand zurückgelassen werden. Da ist die Rede von Dreck und Zigarettenkippen, aber auch Bierflecken, die sich dann tags darauf bei Unterrichtsbeginn finden. Und auch wenn das Dorfoberhaupt dies unerwähnt ließ, so scheint für so eine Bündelung nur das Objekt bei den „Pommernmäusen“ in Betracht zu kommen, weil das ja ohnehin wegen der Schule in Dauerbetrieb gehalten werden muss.

Egal, wohin diese Diskussionen am Ende führen, stellte er schon mal eine neue Nutzungsordnung für diesen Bereich in Aussicht, verbunden mit einer anderen Gebührenstruktur. „Es wird wohl nicht bei fünf Euro pro Stunde bleiben können.“ Gleichzeitig deuteten der Bürgermeister und die Abgeordneten an, in dieser Angelegenheit nicht so ohne Weiteres über die Köpfe der Betroffenen entscheiden zu wollen. „Sollte es Veränderungen geben, werden wir die Nutzer mit an den Tisch holen“, versprach Gemeindevertreter Michael Wegner.

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