Oldtimer-Fan und Tüftler: Lothar Arndt aus Göslow hatte beim Loitzer Oldtimertreffen einiges zu dieser lange in eine
Oldtimer-Fan und Tüftler: Lothar Arndt aus Göslow hatte beim Loitzer Oldtimertreffen einiges zu dieser lange in einer Scheune versteckten Dreschmaschine zu erzählen. Die ist zwar sogar etwas jünger als er, gehörte aber eigentlich schon zu Zeiten ihrer Produktion zum alten Eisen. Fotos: Stefan Hoeft Stefan Hoeft
Fotos von 1916 und 1948 illustrierten die Verwendung solcher Technik in Göslow. Foto: Stefan Hoeft
Fotos von 1916 und 1948 illustrierten die Verwendung solcher Technik in Göslow. Foto: Stefan Hoeft Stefan Hoeft
Als das „h” noch außen vor blieb: Mit 5 Kilometer pro Stunde wurde einst die zulässige Spitzengeschwind
Als das „h” noch außen vor blieb: Mit 5 Kilometer pro Stunde wurde einst die zulässige Spitzengeschwindigkeit des beräderten Dreschkastens festgelegt. Stefan Hoeft
Agrar-Geschichte

Mann entdeckt in der Scheune alte Eisen-Maschine aus der DDR

So manches Stück beim Oldtimertreffen in Loitz stach besonders hervor. Darunter auch ein Kasten auf Rädern, der bis vor Kurzem noch ein Schattendasein in einer Scheune fristete.
Loitz

Sie sind beide fast gleich alt, stammen aus der Landwirtschaft und scheinen immer noch gut in Schuss. Doch während der eine auf zwei Beinen daherkommt und nach wie vor agil in der Region unterwegs ist, ist der andere aus Eisen und muss mit ordentlich Zugkraft bewegt werden – und hat nur zu besonderen Anlässen öffentliche Auftritte.

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Die Rede ist von Lothar Arndt aus Göslow und einem Dreschkasten aus der Produktion des VEB Fahrzeug- und Maschinenbau (FAMA) Ludwigslust. Das Duo hat eine ganz besondere Beziehung – und war deshalb auch zusammen beim jüngsten Loitzer Oldtimer-Treffen zu sehen.

Berufs-Erfüllung in der Landwirtschaft

Arndt entstammt einer jener vielen Familien, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat in Ostpreußen verloren und dann in Vorpommern landeten, hier einen eigenen Hof übernahmen. Er selbst wurde 1952 geboren, wuchs in die Landwirtschaft hinein und fand dort auch seine berufliche Erfüllung, wie er dem Nordkurier erzählte. Ganze 46 Jahre verbrachte der Mann beim im benachbarten Görmin ansässigen Agrarbetrieb. Und er kann sich noch heute an seine Jugend erinnern, als solche Maschinen eine wichtige Aufgabe in der Ernteabfolge übernahmen.

Vor ihrer Einführung – in Deutschland verbreitete sich diese Technik ab Mitte des 20. Jahrhunderts – kamen vor allem Dreschflegel zum Einsatz, um das Korn aus den Ähren zu lösen. Diese schwere und personalaufwendige Handarbeit dauerte oft vom Herbst bis ins nächste Frühjahr hinein, mit der Mechanisierung hingegen brauchten die Bauern nur noch ein paar Wochen und deutlich weniger Helfer dafür. Es gab stationäre und fahrbare beziehungsweise zu ziehende Dreschmaschinen, angetrieben zunächst über Pferdegöpel oder Dampfmaschinen, später meist durch Elektromotoren, stationäre Verbrennungsmotoren oder Traktoren.

Dreschmaschine wohl nur für eine Saison genutzt

„Ich habe selbst noch einen Dreschkasten aus Holz zu Hause, der ist von vor dem Krieg, funktioniert aber immer noch“, berichtete der Göslower. Wissend, dass dieses Gerät einst über die Loitzer Firma Grube vertrieben wurde.

Weil er als Fan solcher Oldtimer und Tüftler bekannt ist, habe man ihm vor gar nicht all zu langer Zeit dann von eben jener FAMA-Maschine berichtet, die in einer Scheune der Region ihr Dasein fristete. Ein Exemplar Baujahr 1958, weitgehend aus Eisen gefertigt und sogar gleich mit einer am Ende befestigten Strohpresse. Allerdings galt das Gerät bereits bei der Produktion als Auslaufmodell: „Die ist wohl nur eine Saison gelaufen, weil 1956 uns ja schon die ersten Mähdrescher kamen.“

Auf Gummirädern zur Oldtimer-Schau

Lothar Arndt zeigte sich durchaus überrascht, in welch gutem Zustand die Technik all die Jahrzehnte im Dornröschenschlaf überstanden hat. „Wir haben die im Prinzip bloß ordentlich sauber gemacht und lackiert.“ Zum Verschrotten sei dieses Zeugnis der Geschichte jedenfalls viel zu schade, wegen des Platzbedarfes steht sie nun beim Görminer Landwirtschaftsbetrieb „Peenetal“. Von dort wurde sie für die große Oldtimer-Schau am Wochenende bedächtig nach Loitz gezogen, auf die Eisenräder des laut Arndt mehr als drei Tonnen wiegenden Koloss kamen dafür extra Gummibeläge.

Er selbst steuerte für diesen öffentlichen Auftritt einen von 1920 stammenden Motor als Antrieb bei, der trotz seiner mehr als 100 Jahre auf dem Buckel wie ein Uhrwerk laufe. Überdies brachte der Göslower zwei alte Fotos mit, die die Verwendung dieser Technik dokumentierten. Das eine von 1916 entstand einst auf dem Gut Göslow, das andere zeigt seine Familie samt Vater und Mutter bei der Aufbereitung des geernteten Getreides. Lothar Arndt hingegen fehlt auf der Aufnahme – denn die ist aus dem Jahr 1948, vier Jahre vor seiner Geburt.

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