Heinz Wittmer, Thomas Witkowski und Jörg Küthe haben kein Verständnis für den rechten Schriftzug am Haus D
Heinz Wittmer, Thomas Witkowski und Jörg Küthe haben kein Verständnis für den rechten Schriftzug am Haus Demmin. Kai Horstmann
Rechtsextremismus

Mehr als Nazi-Schmierereien – Wie stark ist die rechte Szene in Demmin?

An die alte Burganlage beim Haus Demmin hat jemand „Sieg Heil“ geschmiert. Wie stark ist die rechte Szene in Demmin? Was kann die Stadt und jeder Einzelne tun?
Demmin

Das Haus Demmin und vor allem die Slawenburg haben eine jahrhundertlange Geschichte, an deren Ende der Verfall stand. Kürzlich entdeckte Heinz Wittmer oberhalb der Plattform an der Turmwand einen hässlichen Schriftzug: Sieg Heil! steht da. Im Grunde erneut ein Fall für den Staatsschutz, denn so ein Geschreibsel ist klar verboten.

Demmin und seine Neonazi-Szene

Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr hat rechtes Gedankengut seine Spuren in Demmin hinterlassen. Es war kurz nach 6 Uhr, als Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) am 6. April bei einer bundesweiten Razzia wegen des Verdachts rechtsextremistischer Straftaten auch eine Wohnung in Demmin durchsuchten. Ein Anfang August in Annenhof abgehaltenes mutmaßlich rechtsextremes Jugendzeltlager wurde gar Thema im Landtag.

Nicht vergessen sind auch die schwarzen Kreuze, die um den 13. Juli in der Hansestadt und dem Umland aufgestellt wurden, sowie Anzeichen auf Verbindungen zu rechten Milieus beim sogenannten Donnerstagsspaziergang. Müssen wir uns da Sorgen machen? „Es ist unbestritten, dass Demmin eine Neonazi-Szene hat, wie auch diese Schmiererei zeigt“, stellt Bürgermeister Thomas Witkowski (CDU) klar.

Meist Auswärtige bei rechter Demo zum 8. Mai?

Zugleich möchte er den Anteil an Rechten nicht höher bewerten, als dieser in Wirklichkeit ist. Als Beispiel nennt er die NPD-Demo am 8. Mai. Dort laufe kaum ein Demminer mit, die Kundgebung werde fast ausschließlich von Auswärtigen veranstaltet.

Ordnungsamtsleiter Jörg Küthe wirft ein, dass leider verbotene Dinge immer wieder genau deshalb gemacht werden. Der Reiz des Verbotenen wirft zugleich die Frage auf, ob tatsächlich ein politischer Hintergrund dahintersteckt. Aber: „Jede Schmiererei ist eine zu viel. In Demmin sind aber die meisten davon in Bezug auf den Fußball zu sehen, wo Fans des FC Hansa Rostock Wände und andere Gegenstände beschmieren“, erklärt Jörg Küthe und kündigt eine sofortige Beseitigung des Schriftzuges an.

„Für uns als Kommune ist das aber kein Grund, bei Schmierereien einer Konfrontation auszuweichen. Vielmehr lautet die richtige Frage, wie geht eine Stadt damit um?“, gibt Thomas Witkowski zu bedenken. Er hebt hervor, dass die Hansestadt im Grunde sehr ausländerfreundlich sei, Übergriffe auf Flüchtlinge fänden nicht statt. Als Bürgermeister setze er sich auch dafür ein, Flüchtlingsinitiativen finanziell zu unterstützen.

Die finanziellen Hilfen werden von Heinz Wittmer bestätigt, der sich hier nicht beklagen möchte. Jedoch erinnert er daran, dass es vor ein paar Jahren Übergriffe gegeben habe. Heute seien es meist rassistische Beleidigungen, die vor allem geflüchtete Syrer zu hören bekämen. Wittmer lebt seit 2009 im Demminer Umland und ist Sprecher des Aktionsbündnis 8. Mai, dass sich nicht nur gegen den NPD-Aufmarsch wehrt, sondern auch rechte Tendenzen aufzeigen möchte und etwa mit dem Café 3K als Anlaufstelle bei der Integration von Flüchtlingen hilft.

Rückblick 2019: Verfahren nach Übergriff auf syrische Familie in Demmin eingestellt

Geld geht an Projekte für Demokratie und Toleranz

„Das Problem liegt auch mit darin, dass rechtes Gedankengut teilweise eine lange Geschichte hat“, so Wittmer. „Da ist der Nazi-Opa oder Vater, der dieses an seine Kinder weiterträgt. Für soziale Zwecke habe ich mich in der letzten Zeit an mehreren Haushaltsauflösungen beteiligt. In einer Wohnung lebte ein DVU-Mitglied, das seinen Werdegang und seine Ansichten über lange Zeit aufgeschrieben hat. Das war sehr aufschlussreich.“

Das Schlimme seien aber nicht die jeweiligen Einzelfälle, sondern deren Häufung, die in diesem Jahr öffentlich bekannt geworden sei. „Dabei reden wir nicht von den Dingen, die erst gar nicht bekannt wurden“, so Wittmer.

Nicht nur deshalb möchte Witkowski mehr für die Demokratie sensibilisieren. Es gehe unter anderem darum, dass Bürger besser verstehen, wie Demokratie funktioniert. Zum 1. Januar kündigt der Bürgermeister die Bereitstellung von Bundesfördermittel unter der Bezeichnung „Demokratie leben!“ an, die an soziale Träger und Vereine ausgezahlt werden können. Damit sollen Projekte für Demokratie und mehr Toleranz finanziert werden.

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Kommentare (1)

Narrenhände beschmieren Tisch und Wände!