Unsere Themenseiten

:

Mit Haken und Schere auf Entdeckungsreise im Bauch

Medizintechniker Christian Lehrkamp erklärt Nele (links) und Bianca, wie ein Blutdruckmessgerät funktioniert.  FOTO: Gudrun Herzberg

VonGudrun HerzbergEs ist der Tag nur für die Mädchen – der Girls Day. Sie dürfen in technische Berufe reinschnuppern, die sonst wohl mehr die Jungen ...

VonGudrun Herzberg

Es ist der Tag nur für die Mädchen – der Girls Day. Sie dürfen in technische Berufe reinschnuppern, die sonst wohl mehr die Jungen interessieren. Wollen das die Mädchen überhaupt?

Demmin.Noch etwas schüchtern sitzen sie im Konferenzraum des Demminer Kreiskrankenhauses, die neun Mädchen der 5. bis 9. Klasse aus Demmin, Grimmen, Stavenhagen und Dargun. Es geht diesmal nicht um den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin, eher noch bekannt als Krankenschwester, sondern um Medizintechnik. Mathematik und Physik sind gefragt. Interessiert das die Mädchen?
„Da braucht Ihr keine Angst zu haben, das schaffen Mädchen auch“, motiviert Christian Lehrkamp, Leiter der Medizintechnik der Klinik die Schülerinnen. Und er führt sie gleich heran an die Technik. Zunächst erst einmal an das Blutdruckmessgerät, was eigentlich schon jeder kennt. Aber das Messen wird spannend. Erst kommt die Manschette um den Arm, dann muss gepumpt werden und die Mädchen dürfen ein Stethoskop benutzen, um den Pulsschlag zu hören. Dann erklärt Christian Lehrkamp ein EKG-Gerät, viele Kurven sind zu sehen.
Und noch mehr Spaß haben die Mädchen an einem ganz besonderen Übungsgerät. Das sei extra für die Studenten gebaut worden, so Lehrkamp. „Dabei geht es darum, endoskopisch durch die Bauchdecke zu operieren“, erklärt der Technikleiter. Die Mädchen stellen fest, dass es gar nicht so einfach ist, im „Bauchraum“ mit einer Schere oder einem Haken umzugehen, obwohl eine Kamera Licht ins Dunkle bringt. Da liegen kleine Gummitiere, aber wie die an den Haken bekommen? „Für mich ist das alles sehr interessiert, denn ich möchte Ärztin werden“, sagt Nele Rieck vom Grimmener Gymnasium. Sie habe extra den Weg nach Demmin für diesen Tag auf sich genommen. „Direkt in Grimmen gibt es kein Krankenhaus“, sagt sie. Derzeit besucht Nele die 9. Klasse, aber sie hat schon ganz genaue Vorstellungen von ihrem Traumberuf. „Ich möchte Chirurgin werden“, sagt sie.
Bianka, Michelle und Josephine wissen das noch nicht so genau. Darum nutzen sie die Gelegenheit, sich schon einmal umzuschauen in der Demminer Klinik. Ob es auch etwas Technisches sein kann? Bei einem Rundgang durch die Klinik bekommen die Mädchen auch Kälte zu spüren, in einer extra dafür eingerichteten Kältekammer. Sie dient insbesondere Rheumakranken zur Linderung ihrer Schmerzen.
Weiter geht es in die Radiologie. Selbst werden die Mädchen nicht „durchleuchtet“", aber sie sehen, wie eine Metallschere oder ein Telefon unter Röntgenstrahlen aussehen. Im Labor erfahren die Schülerinnen dann einiges über das Blutbild und die Bestandteile. Unter einem Mikroskop können sie alles noch viel genauer beobachten. Im Keller, wo es noch viel mehr Technik gibt, endet dann die Entdeckungsreise der Mädchen an diesem Tag, ihrem „Zukunftstag“. Vielleicht mache ich ein Praktikum hier, meint eine Schülerin.

Kontakt zur Autorin
g.herzberg@nordkurier.de