Bastelfreunde in Gatschow

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Mit kleinem Café gegen die große Wegwerfgesellschaft

Peter Heibing und Stefan Raabe (von links) haben sichtlich Spaß am Reparieren.
Peter Heibing und Stefan Raabe (von links) haben sichtlich Spaß am Reparieren.
Denny Kleindienst

Das Reparaturcafé in Gatschow lädt Leute ein, ihre kaputten Sachen mitzubringen, um sie zusammen zu reparieren, egal ob technische Geräte, Fahrräder oder Klamotten. Darüber hinaus gibt es die Idee, als mobile Werkstatt über die Dörfer zu ziehen.

Am Freitagnachmittag sitzen Stefan Raabe und Peter Heibing in der ausgebauten Scheune des Landkombinats in Gatschow, südlich von Demmin. Stefan Raabe ist dabei, einen defekten Solarwechselrichter zu reparieren. Das Gerät wird an eine Solarzelle angeschlossen und wandelt Gleichspannung in Wechselspannung um. Neben ihm repariert Peter Heibing eine kaputte LED-Lampe. Die gehöre einem Freund, sagt er. Der habe die Lampe über Nacht brennen lassen. Diese Nacht hat die Lampe nicht überstanden.

Peter Heibing wohnt eigentlich in Greifswald. Seit einem Jahr ist er dort in einer Reparaturwerkstatt aktiv. Die LED-Lampe hat er sich als Aufgabe am Freitag mit nach Gatschow gebracht. Stefan Raabe ist auf dem Gelände des Landkombinats zu Hause und lebt dort mit seiner Familie. Der Wechselrichter gehört zu einer kleinen Solaranlage, die Strom produziert, um ihn ins eigene Netz einzuspeisen.

Kombination aus Café und Werkstatt

Statt nur die eigenen Geräte zu reparieren, stehen die beiden und einige weitere Bekannte an diesem Freitag aber auch bereit, um vor allem anderen zu helfen. Der Landkombinat-Verein hat erstmals in größerem Rahmen zum Reparaturcafé eingeladen. Café, weil es auch etwas zu trinken und zu essen gibt. Reparaturcafé, weil es tatsächlich darum geht, kaputte Sachen wieder funktionstüchtig zu machen.

Gekommen war an diesem Tag zum Beispiel eine Frau aus dem Nachbarort Beggerow. Sie brachte ihre Stereoanlage mit, die sich nicht mehr anschalten ließ. Sie haben dann die Stromversorgungsplatine ausgebaut, konnten den Fehler aber leider nicht finden, erklärt Stefan Raabe. Die Platine wurde wieder ein- und die Anlage wieder zusammengebaut. Erstaunlicherweise funktionierte die Anlage dann wieder. So ganz zufrieden war Stefan Raabe mit diesem Resultat aber nicht. „Das ist ein bisschen blöd, weil man den Fehler finden will.“ Auch zwei kaputte Fahrräder wurden gebracht. Für eines brauchte es Spezialwerkzeug, um das Tretlager herauszuholen. Bei einem anderen war die Gangschaltung kaputt.

Bastler wollen auch an anderen Orten aktiv werden

Das Reparaturcafé soll Leute ermutigen, ihre Sachen nicht gleich wegzuschmeißen, sie stattdessen gemeinsam mit Ehrenamtlern zu reparieren. Die Gelegenheit dazu gibt es von nun an jeden ersten Freitag im Monat von 16 bis 20 Uhr in Gatschow. Dabei wird vorerst auch keine Einschränkung gemacht. Was eine Chance verdient, kann mitgebracht werden, egal ob Fahrrad, Computer, Möbel, Kleidung, Elektrogerät oder Spielzeug. Wer selbst versierter Bastler ist und Lust hat zu helfen, ist ebenfalls willkommen.

Zudem lässt sich das Reparaturcafé auch gern einladen. Es ist das erklärte Ziel, auch in anderen Orten der Region aktiv zu werden. Falls in einem Ort also Bedarf besteht, kann der Kontakt über www.landkombinat.org oder die Telefonnummer 039996 799844 hergestellt werden. Unterstützt wird die Initiative durch die EU-Kleinprojektförderung. Stefan Raabe sagt: „Die Gemeinden können uns rufen.“

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