Bürgermeisterin in der Gemeindevertretung

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"Miteinander reden ist der beste Weg"

Ursula Ernst ist seit der Wende Bürgermeisterin in Neu Kentzlin - Nun tritt sie nur noch für die Gemeindevertretung an.

Wenn früh morgens die Laster durch Alt Kentzlin donnern, weiß Ursula Ernst: Gleich ist es Zeit zum Aufstehen. Einen Wecker braucht die Bürgermeisterin zumindest wochentags nicht, denn die Brummis, die ganz besonders schön scheppern, wenn sie unbeladen sind, sorgen dafür, daß sie nicht verschläft. Ein Großteil Schuld an der Geräuschentwicklung trägt die Landesstraße, die sich in keinem guten Zustand befindet.

Ende der sechziger Jahre, erinnert sich Ursula Ernst, ist die Schwarzdecke einfach auf das Kopfsteinpflaster aufgebracht worden. Dementsprechend präsentiert sich die Straße heute. Nur ein Teil im Ort ist dem Verkehrsaufkommen entsprechend neu geschaffen worden. Das sanierte Teilstück setzt sich bis zur Kreuzung Grammentin/Stavenhagen/Demmin fort.

So bezeichnet die Bürgermeisterin die Dorfstraße auch als ihr derzeit größtes "Sorgenkind". Unglaublich sei, was sich alles aus Richtung Lindenberg durch den Wald nach Alt Kentzlin quäle, sagt Ursula Ernst. Die Landstraße habe sich zu einem regelrechten "Schleichweg" von und nach Altentreptow entwickelt. Seit Jahren schon kämpft das Gemeindeoberhaupt darum, daß in Sachen Straßenbau endlich etwas passiert.

Wenn sich auch manches nicht wie geplant entwickelt hat, so ist die Bürgermeisterin, die ihr Ehrenamt seit der Wende bekleidet, doch stolz auf das, was bislang erreicht worden ist. 40 Hinzugezogene zählt die jetzt 250 Einwohner starke Gemeinde seit der Wende. Die ausgewiesenen gemeindeeigenen Bauplätze sind alle weg und, das betont Ursula Ernst ausdrücklich: "Wir sind die einzige Gemeinde im Amtsbereich, die noch keinen Kredit hat." Das ist bemerkenswert, zumal es in beiden Orten weder Handwerk noch Gewerbetreibende gibt. Viele Familien, unter anderem aus Basepohl, sind in die Gemeinde gezogen und haben dort gebaut. So erklärt sich auch der außergewöhnlich hohe Anteil an Nachwuchs. Etwa 50 Kinder wohnen in den beiden Orten Alt und Neu Kentzlin.

Ursula Ernst ist gelernte Physiotherapeutin. Durch die Praxis im Ort hat sie einen engen Kontakt zu "ihren" Leuten. So sei es für sie bislang immer wichtiger gewesen, Probleme im direkten Gespräch zu klären, als über den schriftlichen Amtsweg. Bürgernähe habe für sie eine große Bedeutung, sagt die parteilose Bürgermeisterin, die bei den Kommunalwahlen am 13. Juni allerdings nur noch als Gemeindevertreterin kandidieren wird.

Fusion ist Zankapfel

Für die Gemeindevertretung haben haben sich sieben Einzelkandidaten zur Wahl gemeldet. Künftig wäre es gut, wenn sich auch junge Leute für die Gemeindearbeit interessieren würden, sagt Ursula Ernst. Meinungsverschiedenheiten unter den Gemeindevertretern habe es in den vergangenen Jahren zwar immer wieder einmal gegeben. Doch sei das schließlich Demokratie.

Uneinigkeit herrscht immer noch über den Zusammenschluß mit Lindenberg. Befürworter und Gegner halten sich auch in der Bevölkerung die Waage. Die geplante Fusion der Gemeinden wird weiterhin für Diskussionsstoff sorgen. Sind die 500 000 Mark, die es als Anreiz dafür gibt, nur ein Argument.

Die Grenzen der Kommunalpolitik seien immer dann sehr schnell erreicht, wenn es am Geld fehlt, sagt Ursula Ernst. Besonders belastend für den Gemeindehaushalt seien die Schulgastbeiträge. Doch sei bislang "alles gut aufgegangen", auch dank der guten Zusammenarbeit mit der Kämmerei des Amts Borrentin. Die für dieses Jahr zugesagte Investitionspauschle wird die Gemeinde voraussichtlich für einen Spiel-, den Sportplatz sowie das Gemeindehaus verwenden.

In den vergangenen Jahren ist in der Gemeinde Kentzlin eine rege Seniorenarbeit entstanden, mit maßgeblicher Unterstützung des Landfrauenvereins. Gemeinsamkeit wird großgeschrieben. Davon künden die vier jährlich stattfindenden Feste: das Frühlingsfest auf dem Burgwall, das Sommerfest, das Drachenfest und die Weihnachtsfeiern für Kinder und Senioren.

Feuerwehrhaus nun fertig

Demnächst soll endlich das neue Feuerwehrhaus in Alt Kentzlin eingeweiht werden. Drei Jahre haben sich die Baumaßnahmen hingezogen. Viele Arbeiten erledigten die Feuerwehrleute in Eigenleistung. Alsbald soll auch im Rahmen des ländlichen Wegebaus am Wald entlang eine Verbindung von Alt nach Neu Kentzlin befestigt werden. Der Pläne gibt es viele.

Auf jeden Fall wird im Jahr 2000 kräftig gefeiert. Dann nämlich besteht Kentzlin nach urkundlicher Erwähnung 700 Jahre. Ein Festkommitee wird die Vorbereitungen treffen. Ein großer Wunsch von Ursula Ernst ist, daß die Gemeinde aus Anlaß des Jubiläums ein kleines Heft zur Ortsgeschichte herausgeben kann. Die Basis dafür gibt es bereits: Zehn dicke Hefter mit Material, das im Rahmen einer ABM zusammengestellt wurde.