KEINE BUNDESLIGA-PARTIEN IN JARMEN

Motoballer müssen die Saison 2020 absagen

Die deutsche Motoball-Saison 2020 fällt aus. In Jarmen, wo dieser Sport ein großes Aushängeschild ist, sind sie darüber nicht glücklich, sehen sich finanziell aber gut gerüstet.
Auf Motoball-Punktspiele müssen auch die Jarmener 2020 gänzlich verzichten, denn der Fachausschuss für diese Sp
Auf Motoball-Punktspiele müssen auch die Jarmener 2020 gänzlich verzichten, denn der Fachausschuss für diese Sportart hat die Bundesliga-Saison jetzt komplett abgesagt. Vereinsvorsitzender Roger Nast (kleines Bild) sieht den MSC Jarmen derzeit finanziell noch gut gewappnet für die Corona-Krise. Stefan Hoeft
Vereinsvorsitzender Roger Nast sieht den MSC Jarmen derzeit finanziell noch gut gewappnet für die Corona-Krise.
Vereinsvorsitzender Roger Nast sieht den MSC Jarmen derzeit finanziell noch gut gewappnet für die Corona-Krise. Stefan Hoeft
Jarmen.

Der Motoball gehört mittlerweile seit fast einem halben Jahrhundert zu Jarmen. Der 1972 gegründete Verein für diese wohl schnellste Mannschaftssportart der Welt wurde nicht nur zweimal DDR-Meister, sondern hielt die Fahne auch nach der Wende hoch und schaffte es so gut wie immer in die Play-Off-Runden um die Deutsche Meisterschaft. Talsohlen blieben bei einer so langen Zeit nicht aus, doch nun erleben die Aktiven beim Motorsportclub (MSC) aus der Peenestadt und ihre Fans einen bisher nie gewesenen Einschnitt: Das Jahr 2020 wird ohne ein einziges Punkt- oder Pokalspiel ins Land gehen – deutschlandweit. Denn der Fachausschuss Motoball hat die Saison komplett abgesagt.

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Dass sie anders ablaufen würde als üblich, hatte sich angesichts der Corona-Pandemie schon vor dem für Ende März angepeilten offiziellen Starttermin abgezeichnet. Doch die Saison vollständig zu beerdigen, hatten alle Verantwortlichen sich lange gescheut. Bis zuletzt sei wochenlang versucht worden, alle Möglichkeiten und Varianten auszuschöpfen, um noch in diesem Jahr mit der Saison 2020 beginnen zu können, heißt es in der FA-Erklärung. Die sollte dann jahresübergreifend gestaltet werden. Ein Spielsystem, das seine Befürworter ohnehin für attraktiver halten, weil es mehr Terminfreiheit bietet und vor allem die Möglichkeit, die so publikumswirksamen Endspiele im Sommer auszutragen.

Saison-Absage nach knapper Abstimmung

Zwar hatten der Dachverband DMSB und der ADAC den Motoballern freie Hand bei ihrer Entscheidung gelassen. Doch deren Vertretung sah ein noch längeres Warten auf einen Saison-Beginn ohne Auflagen wie beispielsweise Mindestabstände und Datenerhebung von Zuschauern jetzt als sinnlos an. Zumal die Infektionsschutz-Auslegungen in den fünf Bundesländern, in denen dieser Sport betrieben wird, unterschiedlich ausfallen. Am Ende entschieden sich die 14 Vereine der Liga in einer internen Abstimmung mit 8:6-Stimmen für ein Aussetzen des Wettkampfbetriebes. „Dieses Ergebnis und die Verlängerung der Kontaktbeschränkungen und das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Oktober durch die Regierung sowie der Auskunft mehrerer Kommunen, dass es ohne Auflagen in diesem Jahr kein Motoballspiel mehr geben kann, lässt uns zu keinem anderen Entschluss kommen, als die Saison 2020 nicht zu starten“, erklärte der FA-Vorsitzende Heiner Siebracht.

Letztlich können auch die Jarmener diese Argumentation verstehen, wenngleich sie selbst zu denen gehörten, die gegen einen Abbruch votierten, wie ihr Vereinsvorsitzender Roger Nast dem Nordkurier berichtete. Aber die Corona-Lage stellt sich regional eben auch sehr unterschiedlich dar. „Wir wollten Motoball spielen, aber unter der Maßgabe, dass das keine Geisterspiele werden“, erläuterte er. „Sonst macht das für uns keinen Sinn.“ Schließlich lebt diese Sportart gerade an der Peene einerseits emotional von ihrer engen Verbindung zu den Fans und andererseits natürlich von den daraus generierten Einnahmen. Eine Saison ohne Eintrittsgelder und Verkaufserlöse erscheint dem MSC-Vorstand jedenfalls als nicht machbar angesichts der bestehenden Kostenstruktur.

Flutlichtanlage soll trotzdem gebaut werden

Wobei die nun dafür sorgt, dass die hiesigen Motoballer das Ganze zumindest finanziell relativ gelassen sehen können. Bei ihnen stellen nämlich die Fahr- und Treibstoffkosten die größten Posten im Etat. Ohne die Auswärtsspiele fällt da vieles von weg, bleibt nur der Sprit fürs Training übrig. Da sieht es bei manchem Konkurrenten, der etwa laufende monatliche Aufwendungen für Mieten und Angestellte bewältigen muss, deutlich kritischer aus. „Wir müssen da jetzt sicher schon ein bisschen mehr aufpassen mit den Ausgaben“, schildert Roger Nast. „Aber es ist für uns im Moment nicht existenzbedrohend.“ Zumal der MSC in den Vorjahren immer kostendeckend agieren und sich sogar ein kleines Polster anlegen konnte. Deshalb sieht sein Vorsitzender auch nicht die dieses Jahr geplante Investition in eine Flutlichtanlage gefährdet, die mit 10.000 Euro Eigenanteil veranschlagt wurde.

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Dass die Fans nun außer dem Testspiel gegen Tornado Kierpse Anfang März und dem im Juni wieder aufgenommenen Training 2020 gar keinen Motoball mehr in Jarmen zu sehen bekommen, wollen Nast und seine Truppe aber möglichst verhindern. Etwa über Freundschaftsspiele, entsprechende Kontakte beispielsweise zum Malchiner Verein gebe es bereits. „Wir werden uns da was einfallen lassen, wenn die Lockerungen es zulassen“, versprach er. Das gelte ebenso für das Jugendteam, um den Nachwuchs unbedingt weiter an den MSC zu binden – soll die neue Saison doch wie gewohnt erst Mitte/Ende März 2021 beginnen.

Vereine sollten Infektionschutz-Konzepte entwickeln

„Die kommenden acht Monate werden sehr lang werden“, weiß Heiner Siebracht. „Vorsitzende und Sportleiter haben nun die Aufgabe, die Zeit so zu gestalten, dass jeder dabei bleibt – vor allem unsere Jugend.“ Er hoffe zwar, dass es im März kommenden Jahres keine Auflagen mehr gibt. „Wir sollten aber davon ausgehen, dass auch in 2021 ein Mindestabstand eingehalten werden sollte und Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen müssen“, so der FA-Chef in seiner Stellungnahme. „Deshalb wäre es wünschenswert, dass jeder Verein, passend zu den Auflagen der jeweiligen Kommune, ein Konzept dafür erarbeitet um es umzusetzen.“

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