Insekten-Schwärme

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Mückenplage: „Das ist extrem dieses Jahr“

Schmerzhaftes Experiment: Wieviele Mücken finden sich auf einem ungeschützten Finger ein? Derzeit sind es rund um Demmin jede Menge. Ungewöhnlich früh sind dichte Schwärme der Plagegeister vor allem am Wasser unterwegs.
Schmerzhaftes Experiment: Wieviele Mücken finden sich auf einem ungeschützten Finger ein? Derzeit sind es rund um Demmin jede Menge. Ungewöhnlich früh sind dichte Schwärme der Plagegeister vor allem am Wasser unterwegs.
Armin Weigel

Die surrenden kleinen Quälgeister können einem den Sommer richtig verderben. So viele Mücken wie derzeit gab es lange nicht. Da sind sich Angler, Naturschützer und Apotheker einig.

Seine jüngste Radtour hat der Demminer Dieter Hagemann ein bisschen bereut. Der ehrenamtliche Ranger des Naturparks „Flusslandschaft Peenetal“, war mit dem Rad zum Klostersee nach Dargun gefahren und konnte sich dort vor Mücken kaum retten, wie er sagt. Doch selbst in seinem Garten ist er vor ihnen nicht sicher. Sobald er sich im schattigen Bereich aufhalte, „kommen sie gleich rausgeschossen.“ Nun ist Hagemann viel draußen. Und Mücken gibt es immer. Doch dieses Jahr, so empfindet er es, ist es ein bisschen extremer, sind die Mücken auch „sehr angriffslustig“.

Wenn Erich Zühlke in Meesiger dieser Tage in den frühen Morgenstunden seinen Garten wässert, zieht er sich leichte Handschuhe an und setzt eine Mütze auf, damit er nicht gestochen wird. Auf die Beulen nach einem Stich kann er jedenfalls gut verzichten. Die Mücken, sagt der Vorsitzender der BUND Ortsgruppe Ostufer Kummerower See, „haben sich richtig breit gemacht. Und sie stechen auch.“ Zühlke spricht von „spürbar mehr Mücken als in den letzten Jahren.“

Was lässt sich dagegen tun? Zühlke setzt zum einen auf lange Kleidung, sprüht sich auch schon einmal ein. Vor allem aber meidet er die Stellen, wo viele Mücken sind. Mücken bevorzugen Büsche und Wälder, die Sonne mögen sie dagegen nicht. Erich Zühlke empfiehlt Gärtnern außerdem, ihre Regentonnen abzudecken, so denn überhaupt noch Wasser drin ist, da Mückenweibchen dort ihre Eier legen.

Angelausflug wegen Mückenwolke abgebrochen

Auf die Mücken angesprochen, sagt Christian Libnow, passionierter Angler und Mitarbeiter im Demminer Angelservice: „Es ist extrem dieses Jahr, sowohl im Binnenland als auch auf der Insel.“ Libnow erzählt von einem Angelausflug, den er vor Kurzem gleich wieder abgebrochen hat, da die Mückenwolke einfach zu groß war. Gerade wenn die Sonne weg ist, sei es schlimm.

Libnow selbst verzichtet dabei auf Mückenspray, weil das auch die Fische abschrecke. Er setzt stattdessen auf ein Gerät, das aussieht wie die Handscanner von Ladenmitarbeitern. Es funktioniert so: Mit dem Gas aus einer Kartusche wird ein Wirkstoffplättchen erhitzt und ein Abwehrmittel freisetzt. Das riecht nicht, hält aber Mücken im Umkreis von 20 Metern ab.

Steigende Nachfrage für Mittel gegen Insekten

Dass Mückenspray aber nach wie vor gefragt ist, bestätigt derweil Marie Becher von der Demminer Pommern-Apotheke. Die Nachfrage sei definitiv gestiegen. Und das seit circa zwei Wochen. Sie sagt: „Die Kunden möchten richtig starke Sachen.“ Das heißt: Mittel, die alles abdecken, die vor Mücken und gleich noch vor Zecken schützen. Die Kunden würden häufig auch gleich noch Kühlstifte dazukaufen.

Im Restaurant an der Aalbude hat sich derweil noch kein Gast über die Mücken beschwert, sagt die Betreiberin Sigrid Borchert. Dort sitzen die Leute draußen auch am Wasser. Meistens aber nicht länger als bis 20 Uhr. Da scheint noch die Sonne.