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Mühlengraben wieder fluten - Vision oder doch Illusion?

Brücken zeichnen den alten Flussverlauf nach.
Brücken zeichnen den alten Flussverlauf nach.
Thoralf Plath

Totgesagte leben bekanntlich länger - so geht es auch dem vor 50 Jahren zugeschütteten Mühlengraben. Die Idee, ihn wieder mit Wasser zu füllen, hat die Demminer immer aufs Neue bewegt. Nun könnten Pläne der Stadt den alten Traum endgültig beerdigen.

Um Ideen für seine Stadt war Jochen Bauckmeyer nie verlegen. Der 2004 verstorbene Architekt, als Ehrenbürger hochverehrt in Demmin, schlug manche Schlacht im Ringen um den Erhalt historischer Baukunst. Doch eine seiner Visionen blieb ein Traum: den alten, Ende der 1950er-Jahre zugeschütteten Mühlengraben wieder zu fluten. Und ihn zurückzuverwandeln in jenes idyllische drei Kilometer lange Flüsschen, als das er mehr als 400 Jahre lang mitten durch die Stadt geflossen war – erst als Wehr- und Wallgraben, später als Hochwasserschutz, Trinkwasserspender, Angelrevier, zeitweise und zum Teil sogar schiffbar.

In den kommunalen Planungen spielt eine Revitalisierung des Stadtgrabens schon lange keine Rolle mehr. Demmins Stadtverwalter sind nüchterne Rechner, und so drohen aktuelle Pläne nun auch die letzte Hoffnung zu beerdigen, Demmin könnte mit der kleinen Wasserfahrt von der Tollense an der Roten Schule und am Luisentor vorbei bis zum Richtgrabenweg ein altes Markenzeichen der „Stadt zwischen den Flüssen“ zurückbekommen.

„Schön und gut, solche Ideen“, sagt Bauamtschef Dietmar Schmidt. „Aber schon angesichts der Kosten schlichtweg Illusion.“ Darum ist im Zug der nötigen Sanierung der Frauenstraße an der Reuterschule (der Nordkurier berichtete) auch nicht vorgesehen, die 1980 zugeschüttete Backstein-Gewölbebrücke wieder zu öffnen – das wäre die erste Voraussetzung, um den Mühlengraben wieder zu wässern. Dem Bauamtschef zufolge ist mittelfristig sogar vorgesehen, auch den noch verbliebenen Tunnel der zweiten Brücke unter der Breitscheidstraße zu verschließen. Schmidt plädiert für Realismus: „Den Mühlengraben wieder als Wasserweg zu öffnen, das wäre ein Aufwand, der nicht einmal annähernd abschätzbar ist. Dort liegt eine Haupttrasse der Kanalisation und andere Leitungen, das müsste alles geändert werden. Für uns ist das unbezahlbar.“ Die Pläne der Stadt gehen dahin, den Mühlengraben als Spazierweg zu erhalten.