Waldbrandstufe erhöht

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Nach der Nässe fürchten Bauern jetzt die Dürre

Blütenbehandlung gegen Pilzbefall: Um den Rapsertrag zu erhöhen, setzen Landwirte Fungizide ein. Allerdings ist das nicht billig. Angesichts der Ernte- und Preiserwartungen verzichtet mancher inzwischen schon darauf.  
Blütenbehandlung gegen Pilzbefall: Um den Rapsertrag zu erhöhen, setzen Landwirte Fungizide ein. Allerdings ist das nicht billig. Angesichts der Ernte- und Preiserwartungen verzichtet mancher inzwischen schon darauf.
Georg Wagner

Es klingt irgendwie absurd: Monatelang stand die Region fast im Wasser, jetzt soll es zu trocken sein, und im Wald steigt die Brandgefahr.

Das heitere, weitgehend trockene Wetter der vergangenen Tage und Wochen macht sich in der Region bemerkbar. Am gestrigen Montag hat das Forstamt Poggendorf für seinen Bereich, zu dem auch Teile der Wälder um Demmin zählen, die Waldbrandwarnstufe auf III erhöht. Damit besteht nach seiner Auskunft nun mittlere Waldbrandgefahr, und das Amt bittet die Bürger denn auch um erhöhte Vorsicht.

Insbesondere solle man Autos nicht in trockenem Gras abstellen und keine öffentlichen Feuerstellen nutzen. Rauchen oder gar Wegwerfen noch glühender Kippen ist im Wald ohnehin tabu. „Wir könnten zur Not auch Waldwege sperren“, sagt der zuständige Mitarbeiter, Christian Schulz.

Es wirkt paradox. Monatelang herrschte in der Region Hochwasser, waren die Äcker für Maschinen kaum zugänglich. Zu Ostern lag tiefer Schnee, noch vor etwa drei Wochen hatten die Landwirte mancherorts mit Nassstellen auf den Äckern zu kämpfen und jetzt soll es zu trocken sein?

„Das ist schon ein bisschen kurios“, gibt Karsten Trunk zu. Aber der Vorsitzende des Demminer Bauernverbandes bestätigt auch: „Es ist deutlich zu trocken, besonders auf Standorten mit leichteren Böden.“ Etwas Regen könnte da nicht schaden, nur solle es auch nicht zu viel werden. „Was wir am Wochenende aus Osnabrück gesehen haben, würde uns auch nicht helfen.“

Sorgenkind Raps

Das Problem liegt nach Trunks Auskunft in der Nässe der vergangenen Monate. Ihretwegen mussten die Winterkulturen kein größeres Wurzelwerk ausbilden. Das fehlt ihnen jetzt, um an das in tieferen Schichten vorhandene Wasser zu gelangen. Dazu kamen Hitze und Wind, die den Boden weiter austrocknen.

„Das“, so Trunk, „schlägt jetzt gleich doppelt zu.“ Insbesondere betrifft das laut Trunk den Raps, der ohnehin zur Zeit ein Sorgenkind der Landwirte ist. Er sei schon geschwächt aus der kalten Jahreszeit gekommen und sehe jetzt „richtig mies aus.“

So mies, dass mancher Landwirt schon überlegt, ob sich eine Blütenbehandlung gegen Pilzbefall überhaupt noch lohnt. Dabei werden Fungizide gespritzt, was nichts mit dem umstrittenen Glyphosat zu tun hat. Je nach Mittel kostet diese Behandlung laut Karsten Trunk um die 45 Euro pro Hektar. Das könnte bei schlechten Marktpreisen und geringem Ertrag den Erlös erheblich schmälern. Viele Landwirte verzichteten deshalb schon auf die Blütenbehandlung, weiß Karsten Trunk.