HOCHWASSERSCHUTZ

Neue Baumaßnahmen gegen Überschwemmung in Demmin

Kaum ein anderes Wohngebiet in Demmin ist so stark von Hochwasser und Regenüberflutungen bedroht wie der Richtgrabenweg. Dort hat sich zwar die Lage verbessert, aber es gibt noch zu tun.
Georg Wagner Georg Wagner
Im Sommer 2011 herrschte nicht nur ein seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenes Sommerhochwasser. Vielmehr musste die Feuerwehr vor allem im Richtgrabenweg auch Massen von Regenwasser abpumpen.
Im Sommer 2011 herrschte nicht nur ein seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenes Sommerhochwasser. Vielmehr musste die Feuerwehr vor allem im Richtgrabenweg auch Massen von Regenwasser abpumpen. Torsten Bengelsdorf
Das neue Regenwasserrückhaltebecken ist ein Glied in der Kette, die den Richtgrabenweg besser vor Überflutung schützen soll.
Das neue Regenwasserrückhaltebecken ist ein Glied in der Kette, die den Richtgrabenweg besser vor Überflutung schützen soll. Georg Wagner
Demmin.

Wenn bisher die Peene Hochwasser führte und schwere Regengebiete über Demmin zogen, konnte Frank Ott schon einmal die Gummistiefel bereitstellen. Denn sein Haus steht am tiefsten Punkt der Stadt, im Richtgrabenweg, wo das Wasser aus den höher gelegenen Vierteln der Innenstadt wie durch einen Flaschenhals gepresst wird.

Wurde der Druck zu groß, sprengte es sich seinen Weg durch die Kanaldeckel ins Freie und überflutete Fahrbahn, Vorgärten, Garagenkomplexe. Ott, der als sachkundiger Einwohner für die UWG im Stadtentwicklungsausschuss sitzt, kennt das zur Genüge und mahnte Änderungen an. Die gab es auch. „Die Situation ist jetzt schon deutlich besser“, sagte er am Mittwochabend im Ausschuss. Gut jedoch ist sie nicht.

Das liegt teilweise an noch fehlenden Baumaßnahmen, wie der Planer und Stadtvertreter Steffen Teetz (CDU) anhand einer Karte erläuterte. Nördlich der Clara-Zetkin- und Rudolf-Breitscheid-Straße sind demnach Regen- und Schmutzwasserkanalisation getrennt, dazu kommt das neue Regenrückhaltebecken im Richtgrabenweg. Weiter südlich in der Innenstadt aber herrschen in diesem Bereich Mischkanalisationen vor.

Wassersäule bis zu 20 Metern entsteht

Bis zu 1,4 Kubikmeter Wasser laufen hier pro Sekunde ab, so Teetz. Weil der Bereich zudem etwa zehn Meter höher liege als der Richtgrabenweg und auch die Haushöhen mitgerechnet werden müssten, könne eine Wassersäule bis zu 20 Meter entstehen. Das bedeutet enormen Druck, der im Bereich des Richtgrabenweges auf ein Hindernis treffen kann. Dieser liegt teilweise unter dem Wasserspiegel der Peene. Bei Hochwasser könnte deshalb Wasser aus der Peene die Rohre schon zum Teil füllen und ein Rückstau entstehen.

Das war laut Teetz im Sommer 2011 so, als die Feuerwehr im Richtgrabenweg Wasser von Grundstücken und der Fahrbahn abpumpen musste. Richtig dagegen gewappnet ist die Stadt auch heute nicht, und Frank Ott glaubt, einen Grund dafür zu kennen: Die Leitungen im Richtgrabenweg seien trotz Sanierung alt, die Rohrdurchmesser reichten nicht aus. „Am tiefsten Punkt haben wir die dünnste Leitung, die muss alles aufnehmen. Das ist nicht nachvollziehbar.“

Leitung sei groß und widerstandsfähig

Diese Darstellung teilen Teetz oder der Demminer GKU-Leiter, André Schönerstedt-Jankowsky, zwar nicht. Die Leitungen seien größer und nach der Sanierung auch widerstandsfähig genug. Doch dass es noch zu tun gibt, ist auch ihnen bewusst.

Eine Art größerer Übergangsleitung aber, wie sie Ott vorschlug, kommt für sie wegen der hohen Investitionskosten nicht in Betracht. Die jetzige Lage sei „nur ein temporärer Zustand“, weil in der Stadt die Kanalsysteme immer mehr getrennt würden, so Steffen Teetz. Zudem will das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt durch die Bürgerwiesen bis zum Richtgrabenweg eine Spundwand bauen, die auch ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser abhalten kann und damit die Lage etwas entspannen würde.

Aber auch der Wasser- und Abwasserzweckverband will weiter investieren. So sind laut Bürgermeister Michael Koch (CDU) 2019 weitere Investitionen ins Pumpwerk vorgesehen. Alles zusammen brachte der Ausschussvorsitzende, Rainer Tietböhl (SPD), auf den Punkt: „Ein bisschen ist passiert, zufriedenstellend ist es noch nicht ganz.“

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