Hans-Jürgen Syberberg und der Architekt Peter Haimerl präsentierten gemeinsam die Entwürfe.
Hans-Jürgen Syberberg und der Architekt Peter Haimerl präsentierten gemeinsam die Entwürfe. Kai Horstmann
Historische Fassaden und dahinter lockere Bebauung - so soll der Syberberg-Bau ausschauen.
Historische Fassaden und dahinter lockere Bebauung - so soll der Syberberg-Bau ausschauen. Peter Haimerl
Architektur

Neue Entwürfe für die Markt-Südseite in Demmin

Hans-Jürgen Syberberg und der Architekt Peter Haimerl haben ihr Konzept vorgestellt. Modern und visonär. Auch wer das bezahlen soll, wissen die beiden schon.
Demmin

Regisseur Hans-Jürgen Syberberg hat zusammen mit seinem Münchener Architekten Peter Haimerl seine Version von der Neugestaltung der Demminer Marktsüdseite präsentiert. Syberberg (84) will dort sein Lebenswerk in einem Filmarchiv der Nachwelt überlassen.

Anklam hat gezeigt, wie man es macht

Wenn man dem Regisseur zuhört, ist die Begeisterung für die Planung seines Münchener Architekten Peter Haimerl nicht zu überhören. Mit ihm plante Syberberg die Neugestaltung der Marktsüdseite. „Der bedeutende Film Überleben in Demmin zeigt die Bilanz von 1945. Aber wir dürfen nicht stehen bleiben und müssen die alte Hansestadt wieder in Form bringen. Damit wieder Menschen hierher kommen. Anklam hat gezeigt, wie man so etwas macht“, so Hans-Jürgen Syberberg.

Am Mittwochabend wurde das Projekt bei einer Präsentation von Syberberg und Haimerl dem Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Der Architekt zeigte deutlich auf, wo die Reise hingehen soll. In Richtung Rathaus sollen Fassaden im klassischen Stil errichtet werden. Wegen der Statik müssten diese Fassaden auf der Rückseite mit Treppen versehen werden. Statt Türen soll es offene Durchgänge zur eigentlichen Architektur geben, die nur von der Kahldenstraße sichtbar ist. Diese besteht aus einzelnen, offen gestalteten Bausegmenten, die in einer „Landschaft“ mit vielen Bäumen eingebettet sind.

Raumgröße kann verändert werden

Das Besondere an den Häusern soll darin bestehen, dass es kaum feste Wände gibt, sodass die Raumgröße verändert werden kann. Im Syberbergbau sollen im Erdgeschoss ein Café, im ersten Stock das Filmarchiv und darüber Wohnungen entstehen. Daneben bat Haimerl die Stadtväter, ein Haus für Ausstellungen und Konzerten beizusteuern. Andere Mitstreiter könnten offene Wohnhäuser nach seinen Plänen finanzieren.

In der Finanzierung liegt denn auch der erste Knackpunkt. Diese soll nach Vorstellung der Initiatoren durch ein großes Engagement seitens der Bürger und Investoren gestemmt werden. Wie diese vielen Bausegmente auf dem relativ schmalen Grünstreifen Platz finden, blieb ebenfalls vage.

Verhaltene Resonanz

Dagegen beschwören Syberberg wie auch Haimerl einen Besucherandrang in Demmin aufgrund der neuen Architektur. „Schaut durch die Vergangenheit in die Zukunft“, forderte Peter Haimerl die Bürger zum Mitmachen auf. „Man blickt durch die alte Fassade auf die neue moderne Stadt – eine Gartenstadt mit vielen Bäumen, die sehr klimafreundlich gestaltet ist.“

Mit der Präsentation und der Reaktion der Anwesenden zeigte sich Syberberg anschließend sehr zufrieden. Aus seiner Sicht haben alle das Projekt mit Interesse verfolgt. Für Bauamtsleiter Dietmar Schmidt hat das Projekt durchaus positive Ansätze. Allerdings entstehe der Eindruck, dass die Finanzierung in der Anfangsphase allein durch die Stadt zu schultern sei. Mit gemischten Gefühlen verließ auch der Bürgermeister die Sitzung. „Die Ideen von dem Architekten sind einmalig und visionär. Leider entspricht das, was da gestern abgeliefert wurde, nicht den Optionen aus dem Dezember 2019. Es fehlt ein Konzept zur Finanzierung. Jetzt müssen wir sehen, wie wir damit umgehen“, sagte Michael Koch.

 

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