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Neue Richtlinie kommt für Hohenbollentin zu spät

In den 1990er-Jahren wurden viele ländliche Wege ausgebaut. Heute sind deutliche Gebrauchsspuren sichtbar. [KT_CREDIT] FOTO: Jana Otto

VonJana OttoSchwerem landwirtschaft- lichen Transportverkehr sind viele Straßen auf Dauer nicht gewachsen. Erst recht nicht, wenn schonbeim Bau gepfuscht ...

VonJana Otto

Schwerem landwirtschaft- lichen Transportverkehr sind viele Straßen auf Dauer nicht gewachsen. Erst recht nicht, wenn schon
beim Bau gepfuscht wurde.

Hohenbollentin.Risse im Asphalt, Absenkungen und Schlaglöcher: Die Gebrauchsspuren auf den ländlichen Wegen in Hohenbollentin sind kaum zu übersehen und bringen das Dorf in Handlungsnot. „Einen einmal befestigten Weg muss die betreffende Gemeinde bis in alle Ewigkeit unterhalten oder sie muss ihn entwidmen“, weiß Bürgermeister Hans Schommer. Eine wirkliche Alternative ist die Sperrung für ihn aber nicht. Schließlich war das Ausbauen der Verbindungsstraßen zwischen seinem Dorf und den Nachbargemeinden Kentzlin und Borrentin in den 1990er-Jahren eine gute Sache. Doch die Probleme ließen nicht lange auf sich warten, was für Schommer nicht überraschend kam. So sei der Weg zwischen Hohenbollentin und Borrentin auf der ehemaligen Kleinbahnstrecke errichtet worden und dafür mussten das Gleisbett von gut einem Meter auf eine Fahrbahnbreite von drei Metern gebracht werden. „Die Baufirma hat aber nur auf einer Seite verbreitert und das rächt sich jetzt“, sagt Schommer. Der Untergrund sackt ab und die Straße gleich mit. Schlimmer sei für ihn aber die Strecke nach Kentzlin, die kurz nach der Wendezeit asphaltiert wurde. „Hier liegt die Vermutung nahe, dass für den Unterbau ungeeignetes Material verwendet wurde“, formuliert Hans Schommer es vorsichtig. Die Hauptursache für die Probleme mit den ländlichen Wegen sieht der Bürgermeister allerdings woanders: „Die Richtlinien, nach denen gebaut wurde, stammen noch aus den 1960er-Jahren und hinken dem Stand der Technik hinterher“, meint er. Denn die landwirtschaftlichen Maschinen, die diese Verbindungswege nutzen müssen, seien schon zu Zeiten des Baus schwerer gewesen. Doch die notwendigen Fördermittel bekam nur, wer nach dieser Richtlinie baute.
Den schwarzen Peter haben jetzt die Gemeinden und Hans Schommer wird nicht müde, auf der Suche nach entsprechenden Geldern. Gerade erst war er deshalb auf einer Wegebau-Tagung in Berlin, mit ernüchterndem Ergebnis. „Zwar will der Bund eine neue Richtlinie auflegen, die allerdings soll dann nur für den Neubau von ländlichen Wegen gelten, nicht aber für Sanierungen“, berichtet er. So bleibe ihm nur noch die Hoffnung auf Fördermittel aus dem sogenannten „Schlaglochprogramm, oder auf EU-Ebene ein Schlupfloch zu finden, durch das Geld nach Hohenbollentin fließen könnte. Aus eigener Kraft jedoch wird die Gemeinde die entsprechenden Wege nur notdürftig reparieren können. „Und das auch nur noch drei Jahre lang, dann sind wir pleite“, sagt Hans Schommer.

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j.otto@nordkurier.de