Abends noch einmal mit dem Fernglas hinaufsteigen, Vögel beobachten und die Ruhe der Natur genießen – das ist
Abends noch einmal mit dem Fernglas hinaufsteigen, Vögel beobachten und die Ruhe der Natur genießen – das ist die Vision, die die Zuständigen für den neuen Beobachtungsturm in der Vorwerker Schweiz haben. Christine Gerhard
Im Herbst vergangenen Jahres wurde er gebaut, im Januar war die Abnahme. Nun konnte der neue Beobachtungsturm feierlich der St
Im Herbst vergangenen Jahres wurde er gebaut, im Januar war die Abnahme. Nun konnte der neue Beobachtungsturm feierlich der Stadt übergeben werden. Christine Gerhard
Übergabe

Neuer Beobachtungsturm gehört nun offiziell Stadt Demmin

Einwohner und Touristen sollen künftig mehr von der Natur um Demmin profitieren. Den neuen Beobachtungsturm in der Vorwerker Schweiz zu finden, ist aber noch eine Herausforderung.
Demmin

Ein Naherholungsgebiet war die Vorwerker Schweiz für die Demminer schon immer. Wohl fühlen sich in dem Natur- und Vogelschutzgebiet südlich der Hansestadt auch einige besondere und gefährdete Pflanzen- und Tierarten wie die Trollblume, Orchideen und der Seeadler. „Im Peenetal haben wir die größte Seeadlerbrutdichte Deutschlands“, informierte der Leiter des Naturparks Flusslandschaft Peenetal Frank Hennicke.

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Zu beobachten sind Adler, Rohrweihe, Bekassine und viele andere Vögel nun mit etwas Glück von einem neuen Beobachtungsturm, der am Montag in das Eigentum und damit in die Unterhaltungs- und Verkehrssicherungspflicht der Stadt übergeben wurde. „Die Aussicht ist einfach toll“, erklärte Mike Stegemann vom Naturpark zu diesem Anlass die Standortwahl. Von der vier Meter hohen überdachten Plattform schweift der Blick über die Moorwiesen, den Torfstich, bis hin zur dahinterliegenden Peene.

Bei Wanderwegen noch einiges zu verbessern

Der Naturpark hatte den insgesamt sieben Meter hohen Beobachtungsturm auf einer zur Stadt gehörenden Fläche errichten lassen. Den Großteil der Gesamtkosten in Höhe von rund 88.000 Euro finanzierte die EU aus Fördermitteln, das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) trug zudem einen Eigenanteil. Der neue Turm liegt auf dem Naturparkweg, der auf etwa 900 Kilometern alle Naturparks des Landes miteinander verbindet und dessen noch bestehenden Lücken nach und nach geschlossen werden sollen. Seine Route führt unter anderem durch Demmin.

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„Der Beobachtungsturm kann ein Gewinn für die Stadt sein“, sagte die Direktorin des LUNG Ute Hennings bei der offiziellen Eröffnung. Als Ergänzung zum Wasserwandertourismus in der Region wolle man zusätzliche Ziele für fußläufige Wanderungen anbieten, führte auch Hennicke aus. In diesem Bereich gebe es noch Bedarf.

Naturparkverwaltung und Stadt wollen deshalb gemeinsam dazu beitragen, das Wegenetzwerk in der Vorwerker Schweiz zu reaktivieren und zu beschildern. Bislang nämlich führt noch kein Wegweiser zu dem auf Google markierten Beobachtungsturm, der für Nichtortskundige daher aktuell nur schwer zu finden ist. Doch Wegeführung, eine eventuelle Ertüchtigung und die Beschilderung müssen mit der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe abgestimmt werden, der der angrenzende Wald in der Vorwerker Schweiz gehört. Die war zur Eröffnung zwar verhindert, habe aber Gesprächsbereitschaft signalisiert, zeigt sich Hennicke zuversichtlich. Ist alles geklärt, wünscht er sich eine Tafel, die vor Ort eine Übersicht über das gesamte Wegenetz bietet.

Kompromisse zwischen Naturschutz und Tourismus nötig

Dass eine Beschilderung wichtig ist und dazugehört, ist für Naturpark und Stadt nach eigenen Angaben selbstverständlich. Die Verwaltung will sich laut Bürgermeister Thomas Witkowski deshalb dafür einsetzen, dass der Turm auch von der Stadt aus fußläufig erreichbar ist und entsprechend ausgeschildert und beworben wird. „Das ist eine große Aufgabe“, weiß er. Bei dem Versuch, Natur erlebbar zu machen, stoße man erfahrungsgemäß oft an Grenzen. „Aber wir wollen dabei sein und unterstützen“, versprach der Bürgermeister. Auch Bauamtsleiter Dietmar Schmidt sprach sich dafür aus, für weitere Vorhaben auf den Nabu zuzugehen, ihn von der Wichtigkeit des Tourismus zu überzeugen und Kompromisse zu finden.

Frank Hennicke jedenfalls ist überzeugt, dass sich Naturschutz und Tourismus nicht ausschließen müssen, sondern zusammengehören. „Der Biodiversitätsschwund und Klimawandel sind unsere größten anstehenden Probleme“, erklärte er. Dabei sei es wichtig, die Menschen vor Ort mitzunehmen. An dem neuen Beobachtungsturm mit den vom Naturpark finanzierten drei Infotafeln will Hennicke deshalb künftig auch Demminer Schüler für den Artenreichtum in ihrer Heimat sensibilisieren.

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