Massensuizid 1945

Neuer Gedenkort rückt näher ans Hanseviertel

Der geplante Platz zur Erinnerung an die Demminer Suizidopfer soll nun nicht mehr am Lübecker Speicher, sondern auf einer Grünfläche vor der Brücke zur Fischerinsel entstehen. Mit der Kritik soll das aber nichts zu tun haben.
Auf der Grünfläche vor der Brücke zur Demminer Fischerinsel soll die neue Erinnerungsstätte für die O
Auf der Grünfläche vor der Brücke zur Demminer Fischerinsel soll die neue Erinnerungsstätte für die Opfer des Massensuizids entstehen. Denny Kleindienst
Demmin

Es gab in den vergangenen Wochen viele kritische Stimmen, die sich gegen eine weitere Erinnerungsstätte für die Demminer Suizidopfer vom Frühjahr 1945 aussprachen. Insbesondere der favorisierte Standort am Lübecker Speicher, wo die Mädchenskulptur von Karl Schlösser steht, war den Gegnern des Vorhabens ein Dorn im Auge. Jetzt erfuhr der Nordkurier vom Fraktionsvorsitzenden der UWG, Eckhardt Tabbert, dass man sich in der zuständigen Arbeitsgruppe auf einen anderen Platz geeinigt habe. „Wir wollen eine Grünfläche, die sich auf der rechten Seite vor der Brücke zum Hanseviertel befindet, für den Gedenkort nutzen“, erklärt der UWG-Mann.

Änderung der Verkehrsführung

Diese überraschende Entscheidung hätte jedoch nichts mit der vermehrten Kritik von außen zu tun, sondern sei in Absprache mit dem städtischen Bauamtsleiter erfolgt. „Dietmar Schmidt wies uns darauf hin, dass an dem ursprünglichen angedachten Platz demnächst ein anderes Verkehrskonzept umgesetzt werden könnte. Demminer, die beispielsweise nach Loitz wollen, müssten dann nicht mehr einmal durch die ganze Stadt fahren, wie es derzeit noch der Fall ist“, so Tabbert. Wie die geänderte Verkehrsführung konkret aussehen könnte, wollte der stellvertretende Bauamtsleiter Thomas Engler auf Nachfrage noch nicht verraten. Mit dem Thema werde sich die Stadtvertretung im kommenden Jahr näher befassen, hieß es.

„Wenn es im Bereich des Speichers zu baulichen Veränderungen kommen sollte, würde das mit Sicherheit auch den ursprünglich angedachten Platz betreffen. Wir wollen aber etwas Bleibendes schaffen, das nicht in ein paar Jahren wieder weichen muss“, argumentierte der UWG-Fraktionsvorsitzende.

Keine Fertigstellung bis zum 8. Mai 2020

Am bisherigen Gestaltungskonzept wollen die UWG- und CDU/FDP-Fraktion aber weiterhin festhalten. Der neue Gedenkort mit Blick auf die Fischerinsel soll demnach mit Blumenrabatten, blühenden Sträuchern und mehreren Sitzbänken möglichst bunt und einladend werden. „Uns schwebt vor, ausgewählte Bilder von Karl Schlösser aus der Serie ‚Brennendes Demmin‘ zusammen mit einigen überlieferten Zeitzeugenberichten in verschließbaren Glasvitrinen auszustellen, die mit LED-Lampen angestrahlt werden können. Daneben können sich Besucher auf einer Tafel über die wichtigsten Ereignisse der Tragödie informieren“, sagte Eckhardt Tabbert. Die von einigen Seiten geforderte vollständige wissenschaftliche Aufarbeitung des Massensuizids sei seiner Meinung nach nicht Sinn und Zweck einer Erinnerungsstätte: „Derartiges maßen wir uns nicht an.“

Dennoch muss der UWG-Mann zugeben, dass sich die geplante Einweihung des neuen Gedenkortes zum 8. Mai 2020 nicht realisieren lässt. „Es war ein ehrgeiziges Ziel, aber allein die Vorbereitungen nehmen schon sehr viel Zeit in Anspruch. Es soll schließlich am Ende vernünftig aussehen. Wir wollen daher auf keinen Fall eine Hauruck-Aktion starten.“

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