KLAGE GEGEN CHEFARZT

Neues Gutachten soll Demminer Klinik-Streitfall klären

Das Zivilverfahren, das ein Witwer gegen das Demminer Krankenhaus, sowie gegen einen Chef- und einen Oberarzt angestrengt hat, wird fortgeführt. Nun prüft ein Experte, ob Behandlungsfehler zum Tod der Ehefrau des Klägers geführt haben.
Das Demminer Kreiskrankenhaus sowie zwei Ärzte des Hauses sind die Beklagten in einem Zivilverfahren am Landgericht Neubr
Das Demminer Kreiskrankenhaus sowie zwei Ärzte des Hauses sind die Beklagten in einem Zivilverfahren am Landgericht Neubrandenburg. Denny Kleindienst
Demmin.

Schon jetzt ist klar, dass dieser Streitfall die Beteiligten noch mindestens bis weit ins nächste Jahr hinein beschäftigen wird. Denn nun soll erst einmal ein vom Landgericht beauftragter Sachverständiger „bewerten, inwiefern die erhobenen Vorwürfe aus medizinischer Sicht haltbar sind“, sagt Richter Christian Weidlich. Drei Monate habe der Sachverständige Zeit dafür. Dieser Beweisbeschluss wurde jüngst beim zweiten Prozesstag im Streitfall Bernd Kahl gegen das Demminer Krankenhaus verkündet. Demmin.

Erste Klage abgewiesen

Bernd Kahl wirft einem Chef- und einem Oberarzt des Demminer Krankenhauses vor, eklatante Fehler begangen zu haben (der Nordkurier berichtete). Seine Frau wurde ab dem Frühjahr 2010 wegen ihrer Krebserkrankung am Demminer Krankenhaus behandelt, wo sie am 1. Juni 2010 verstarb. Bernd Kahl erklärt: „Meine Frau ist nicht an einer verschlimmerten Krebserkrankung verstorben, sondern an einer völlig falsch konzipierten Chemotherapie.“

Zu einer strafrechtlichen Anklage war es nicht gekommen. Das Oberlandesgericht (OLG) Rostock hatte damals die Klage von Bernd Kahl abgewiesen. Er sagt, vom Bundesverfassungsgericht sei die OLG-Entscheidung zwar als falsch zurückgewiesen worden, trotzdem hätten auch die Karlsruher Richter sich gegen eine Klageerhebung entschieden. Wegen einer angeblich vorliegenden Verjährung, so Kahl, der von einer „skandalösen Falschberechnung“ spricht.

Schwere Behandlungsfehler vorgeworfen

Der nun in Neubrandenburg gestartete Prozess ist ein zivilrechtliches Verfahren. Beklagte sind das Demminer Krankenhaus sowie der Chefarzt und Oberarzt. Es geht um Schmerzensgeld. Schon am ersten Prozesstag Mitte November verwies Richter Christian Weidlich auf zwei unterschiedliche Sachverständigengutachten, die es zu diesem Fall bereits gibt. Eines weist Behandlungsfehler nach, das andere sieht sie nicht. Das dritte wird nun erstellt.

Ein weiterer schwerer Vorwurf, den Bernd Kahl dem Demminer Krankenhaus macht: Dass dort fachfremde Ärzte seine Frau behandelt haben. Dieser Vorwurf wird vonseiten des Krankenhauses zurückgewiesen. Die Vorwürfe im Einzelnen werden von Krankenhausseite nicht kommentiert – mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht. Der beklagte Oberarzt, der mit dem Nordkurier spricht, überlegt deshalb sehr genau, was er sagen kann. Er erklärt: „Wir haben niemals ein Gutachten in Auftrag gegeben.“ Das erste Gutachten sei damals infolge der Strafanzeige im Auftrag der Staatsanwaltschaft erstellt worden. „Das hat uns entlastet.“ Daraufhin habe der Kläger noch ein Gutachten beauftragt. Laut dem Kläger Bernd Kahl handelt es sich um ein „Gegengutachten“ eines „international renommierten Onkologen und Internisten“.

Der Oberarzt weist daraufhin, dass die Frau nicht im Demminer Krankenhaus operiert wurde, sondern in Demmin durchgehend in Behandlung war. Er sagt: „Einige Dinge, können wir so, wie sie der Kläger sieht, nicht nachvollziehen.“ Er will nicht ins Detail gehen. Zur Frage nach möglichen Fehlern bei der Behandlung der verstorbenen Frau möchte er sich nicht äußern, da es ein laufendes Verfahren gibt. Bleibt noch eine allgemeine Frage: Wie es ist, als Arzt plötzlich der Beklagte zu sein? „So etwas kann einem immer passieren. Geschützt ist man davor nicht“, sagt er. „Natürlich reflektiert man seine Tätigkeit“, so der Oberarzt. Das gilt aber nicht nur in diesem Fall. „Das macht man auch sonst.“

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