Der Geschäftsführer der Demminer Stadtwerke, Olaf Schmetzke durchtrennte am Montag gemeinsam mit Anlagenfahrer Andre
Der Geschäftsführer der Demminer Stadtwerke, Olaf Schmetzke durchtrennte am Montag gemeinsam mit Anlagenfahrer Andreas Gierke und Bürgermeister Michael Koch das symbolische Band zur Eröffnung des neuen Energiestandortes. Tobias Holtz
1,5 Millionen Euro investiert

Neues Kraftwerk in Demmin geht ans Netz

Die Bioenergie Demmin GmbH hat nach knapp sechs Monaten Bauzeit ein neues Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen. Dessen größter Vorteil heißt Flexibilität.
Demmin

„Mit dieser Anlage sind wir für die Zukunft gut gerüstet. Es ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Energiewende“, betonte der Geschäftsführer der Demminer Stadtwerke, Olaf Schmetzke und deutete auf einen großen grauen Container. Gemeinsam mit Bürgermeister Michael Koch und vielen geladenen Gästen weihte er am Montag das darin eingebaute neue Blockheizkraftwerk (BHKW) offiziell ein.

Rund 1,5 Millionen wurden in den Energiestandort in der Saarstraße samt Trafostation und Pufferspeicher investiert. Allerdings tragen die Stadtwerke diese Kosten nicht allein: „Als Tochterunternehmen übernimmt die Bioenergie GmbH etwa 100.000 Euro. Die restlichen Baukosten werden von der Norddeutschen Landesbank über einen Kredit fremdfinanziert“, wie der Prokurist der Stadtwerke, Karsten Behrens auf Nordkurier-Nachfrage erklärte. Für die nächsten zehn Jahre hat das Versorgungsunternehmen mit dem städtischen Netzbetreiber eine Vertragsgarantie ausgehandelt, sodass der produzierte Strom definitiv einen Abnehmer findet. Die dort anfallende Wärme werde wiederum ins Fernwärmenetz der Stadt eingespeist.

Doppelt so viel Leistung wie das alte Heizhaus

Im Vergleich zur Anlage, die bereits vor zwölf Jahren in Betrieb genommen wurde, bringt das neue Kraftwerk mit 1500 Megawatt doppelt so viel Leistung. Dennoch soll das alte Heizhaus nicht abgebaut werden, sondern künftig als Reserve dienen und wenn nötig ans Netz gehen. Der bisherige Rund-um-die-Uhr-Betrieb gehöre allerdings der Vergangenheit an, da die konstante Fahrweise einen entscheidenden Nachteil mit sich brachte: Der eigentliche Strombedarf der Haushalte wurde dabei nicht berücksichtigt. „Der Verbrauch ist beispielsweise in den Nachtstunden deutlich geringer als tagsüber und an den Wochenenden in der Regel meist höher. Außerdem gibt es große Bedarfsunterschiede in den verschiedenen Jahreszeiten“, erläuterte Karsten Behrens.

Bisher hat das BHKW 24 Stunden täglich laufen müssen, um die Fernwärmeversorgung zu sichern. Doch dank der zwei neuen 16 Meter hohen stählernen Wasser-Wärmespeicher – die immerhin ein Fassungsvermögen von 118.000 Liter haben – kann es nun zwischenzeitlich auch mal abgestellt, also flexibel betrieben werden. Eine Methode, die noch nicht allzu häufig in Mecklenburg-Vorpommern praktiziert wird. „Auf diese Weise können wir den Strom bedarfsgerecht erzeugen und dann verkaufen, wenn der Preis aufgrund von Angebot und Nachfrage entsprechend hoch ist“, sagte der Prokurist der Stadtwerke.

Land zahlt Flexibilitätsprämie

Zusätzlich zu den Einnahmen aus der Stromvermarktung gebe es Unterstützung vom Land – wenn auch nur in indirekter Form. „Uns werden Vergütungen gewährt, die ausschließlich im Zusammenhang mit der Flexibilisierung stehen“, so Olaf Schmetzke. Denn weil die neue Anlage deutlich weniger Stunden in Betrieb ist, zahlt das Land sozusagen als Entschädigung für den damit verbundenen Verdienstausfall sogenannte Flexibiltätsprämien. „Mit diesem Geld soll der siebenstellige Investitionsbetrag gedeckt werden“, erklärte der Geschäftsführer der Demminer Stadtwerke die Hintergründe der Förderung.

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