Die Frauen vom Alt Plestliner Dorfklub waren zu den Hafenfesten längst nicht nur am Kuchenstand gefordert. Nun wollen sie
Die Frauen vom Alt Plestliner Dorfklub waren zu den Hafenfesten längst nicht nur am Kuchenstand gefordert. Nun wollen sie das Gros dieser Verantwortung abgeben. Stefan Hoeft
Dorfklub-Rückzug

Neustart fürs Plestliner Hafenfest fällt ins Wasser

Die Neuauflage des Alt Plestliner Hafenfestes fällt wohl aus. Zum einen steht dem Wasserrastplatz ein Betreiberwechsel bevor, zum anderen muss der Dorfklub die Reißleine ziehen.
Alt Plestlin

In Sachen Feiern und Feste galt die Gemeinde Bentzin über Jahrzehnte als das Nonplusultra in der Region am mittleren Peenetal. Denn abgesehen vielleicht von Loitz gab es wohl nirgends mehr Veranstaltungen, durchaus gut verteilt auf die verschiedenen Ortsteile und unter den Fittichen mehrerer Vereine beziehungsweise Institutionen. Angefangen beim Heimatfest in Zemmin über das Bentziner Knollenfest und die Partys am Zarrenthiner Kiessee bis hin zum Alt Plestliner Hafenfest als die größten derartigen Termine. Und zwischendrin noch jede Menge mehr.

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Mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen indes schlief auch das alles fast völlig ein, sodass mit den jüngsten Lockerungen der Hygiene-Auflagen nun viele auf eine Fortsetzung der Traditionen hofften. Im offiziellen Kalender für den Amtsbereich standen bereits entsprechende Einträge.

Dorfklub fühlt sich Hafenfest nicht mehr gewachsen

Zumindest beim Hafenfest indes scheint diese Vormerkung für den 8./9.  Juli inzwischen obsolet, denn der dortige Dorfklub als Initiator hat seinen weitgehenden Rückzug angekündigt. Aus familiären, arbeitstechnischen und gesundheitlichen Gründen sehen sich die neun Mitglieder nicht mehr in der Lage, die Schirmherrschaft zu tragen, hieß es bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung. „Wir haben festgestellt, dass uns dieses Fest über den Kopf wächst“, erklärte die Abgeordnete Birgitt Foth. Sie ist eine der Mitstreiterinnen, ebenso wie die ebenfalls im Kommunalparlament sitzende Christine Schult. Beide verwiesen auf den Nachwuchsmangel und das zunehmende eigene Alter.

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Anders als früher könnten sie eben nicht mehr vom Vormittag bis in den nächsten Morgen hinein agieren, einige frühere Akteure haben sich zudem bereits zurückgezogen oder sind gar verstorben. Sprich sie sehen sich maximal noch zu einer unterstützenden Rolle fähig, schon gar nicht aber für die nächtliche Security und Eintritt-Kassierung. Ohne diese Einnahmen wiederum würde der finanzielle Anteil für die Kommune spürbar steigen.

Die Hoffnung, dass der Dorfclub 2022 nur noch in begleitender Funktion der neuen Betreiber für den Wasserwanderrastplatz auftritt, hat sich derweil zerschlagen, wie Bürgermeisterin Grit Gawrich berichtete. Schließlich soll die Übergabe an die aus Anklam stammende Familie Enke erst zum 1.  Juli erfolgen, also gerade mal eine Woche vorher. Die Unternehmer würden das Hafenfest durchaus gerne weiter am Leben erhalten, aber für dieses Jahr sähen sie sich dazu noch nicht in der Lage. Das stieß in der Abgeordnetenrunde auf volles Verständnis.

Kleines Dorffest mit Musik, Feuer und Grillen

Letztlich soll Alt Plestlin trotzdem nicht ganz ohne Veranstaltung bleiben, der Dorfklub will sich auf den Freitag, den 8. Juli, beschränken und da abends „oben“ im Ort eine Art kleines Dorffest auf die Beine stellen – samt Musik, Feuer und Grillen. „Vielleicht ist das ja auch mal ein Signal für andere Leute, sich selbst einzubringen“, kommentierte Gemeindevertreter Jürgen Piek diese Entwicklung. Die Kommune jedenfalls sei nicht dafür verantwortlich, Feste zu organisieren“, fügte der zweite Vizebürgermeister Michael Kühling hinzu. Beide wissen als aktive Akteure des Heimatvereins Zemmin genau, wovon sie reden. Denn auch dort ist es oft ein recht kleiner eingeschworener Kreis an Männern und Frauen, die das Kulturleben aufrechterhalten.

Von daher konnten sie auch die weiteren Hiobs-Botschaften vom Alt Plestliner Dorfklub nachvollziehen. Der löst sich zwar nicht auf, will aber an weiteren Stellen das Engagement stark zurückfahren. Das betrifft die Frauentags- und Weihnachtsfeiern ebenso wie die Ü-18-Aufführungen, wobei die Märchenspiele an sich wohl noch nicht gänzlich gestorben sind. Die wochenlangen Proben und Vorbereitungen für all diese Formate ließen zu wenig Luft. „Die jüngsten waren sehr traurig, aber wir müssen da die Reißleine ziehen“, erklärte Birgitt Foth. Gleichzeitig daran erinnernd, dass eigentlich ein „Best Of“ der vergangenen drei Jahrzehnte ihrer Auftritte angedacht war. „Aber macht man das mit 60 noch? Wir können heute einfach nicht mehr Dirty Dancing tanzen“, äußerte sie mit einem Schmunzeln.

Hinzu kämen die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die nicht nur eine Veranstaltungsplanung fürs Jahr erschwere, sondern immer die Gefahr einer Komplettabsage mit sich bringe. Und selbst wenn der Termin nicht platzt, dürften vielleicht deutlich weniger Zuschauer in den Saal, wodurch dort, wo Eintritt kassiert wird, erhebliche Einnahmen wegfielen. Die aber seien trotz der Hilfe von Sponsoren manchmal unabdingbar, damit die Frauen nicht draufzahlen, so die Schilderungen. Dabei habe es immer wieder Leute gegeben, die über so einen Obolus moserten.

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