Tausende Flurstücke müssen auch aus dem mittleren Peene- und Tollensetal von den Kommunen übermittelt werden.
Tausende Flurstücke müssen auch aus dem mittleren Peene- und Tollensetal von den Kommunen übermittelt werden. Jens Büttner
Finanzämter

Noch mehr Ärger um die Grundsteuer-Formulare

Nicht nur Privatleute und Firmen sind von der Grundsteuerreform betroffen, auch die Kommunen. Und das in der Regel noch viel umfangreicher. Denn es geht um tausende Flurstücke in öffentlicher Hand.
Jarmen

Dass manche Aufgaben und Themen in den Rathäusern von Jarmen und Loitz derzeit etwas warten müssen beziehungsweise nicht so schnell auf den Tisch kommen wie gewünscht, stößt bei den amtszugehörigen Kommunen durchaus auf Verständnis. Denn 2022 wartet mit einigen bürokratischen Mammutaufgaben auf, die aufgrund des Termindrucks eine große Anzahl an Arbeitskräften und -zeit bündeln.

Auch soziale und gesellschaftliche Einrichtungen betroffen

Da ist zum einen der dieses Jahr zu bewältigende Zensus, zum anderen die Umsetzung der Mehrwertsteuerpflicht für Leistungen der öffentlichen Hand von der Garagenvermietung bis zum Bootsanlegeplatz. Darüber hinaus geht es aber auch noch um die Deutschland verordnete Grundsteuerreform als wohl dickstem Brocken. Schließlich betrifft die Neuerfassung und daraus resultierende Zusammenführung aller Parameter für die Flurstücke im Land keineswegs nur die privaten und gewerblichen Eigentümer. Sondern jeden, also ebenso die öffentliche Hand. Die aber verfügt nicht nur über normale Immobilien wie Wohnhäuser, Äcker, Wälder, Gärten und Grünflächen. Zu ihrem Besitz zählen zahlreiche gesellschaftliche und soziale Einrichtungen von Gemeindezentren und Wasserwanderrastplätzen über Sportplätze und Turnhallen bis hin zu Kindertagesstätten und Schulen. Darüber hinaus gibt es jede Menge Plätze, Straßen und Wege, die eigenständige Flurstücke darstellten, selbst Löschteiche und Spielplätze müssen beachtet werden, egal wie klein der entsprechende Landzipfel ist.

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„Das ist schon eine Herausforderung“, räumt Einrico Vogel ein, Kämmerer für das Amt Peenetal/Loitz. Immerhin gehe es da allein für die Peenestadt und ihre Ortsteile um 1041 Flurstücke. Weitere 214 kommen in der Gemeinde Görmin zusammen, für Sassen-Trantow sind es 155. Am liebsten seien ihm und seinen Kollegen da die landwirtschaftlichen Nutzflächen, denn die erforderten den geringsten Aufwand, was die Eintragung der Parameter angeht. Durch die vor einigen Jahren mit Einführung der Doppik erstellten Eröffnungsbilanzen gebe es zwar so gut wie keine Lücken mehr in der Erfassung und die Riesenanzahl an Objekten sorgt für eine Art Routine, so Vogel. Doch die Ausfüllung der Formblätter bleibe trotzdem zeitaufwendig, wenn es um all die Dinge wie Bodenrichtwerte und Quadratmeterzahlen geht.

Ende Oktober läuft Frist aus

Fast haargenau das gleiche Pensum muss auch für die Kommunen im benachbarten Amt Jarmen-Tutow absolviert werden, dort nannte Kämmerei Arite Hacker eine Zahl von um die 1400 öffentlichen Grundstücken für die Peenestadt und ihre Umlandgemeinden. Und anders als vielleicht mancher Privatbesitzer möchten es die Verwaltungen natürlich unter allen Umständen vermeiden, die von den Finanzämtern gesetzte Einreichungsfrist zu verpassen. Sprich bis Ende Oktober soll alles fertig sein. Bisher sind laut Finanzministerium in Mecklenburg-Vorpommern allerdings noch nicht mal ein Fünftel der erwarteten Grundsteuererklärungen eingegangen.

Auch das dürfte ein Grund für einen besonderen Termin in Jarmen sein, den Kämmerin Arite Hacker dem Nordkurier übermittelte: Das Finanzamt Greifswald bietet am nächsten Donnerstag, dem 6. Oktober, im Kulturzentrum der Peenestadt eine öffentliche Informationsveranstaltung zu dieser Reform an. Sie beginnt um 17 Uhr und ist auf rund zwei Stunden veranschlagt. „Im Anschluss sind allgemeine Anfragen möglich. Vordrucke der Erhebungsbögen werden zur Ausreichung mitgebracht“, heißt es.

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