NACHRUF FÜR EINEN LIEBEN KOLLEGEN

Nordkurier-Reporter Thoralf Plath ist tot

Nordkurier-Reporter Thoralf Plath ist im Alter von 54 Jahren völlig überraschend gestorben. Ein Nachruf.
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Thoralf Plath.
Thoralf Plath. Georg Wagner
Tiefe Trauer bei Freunden, Kollegen und Lesern. Die Nachricht vom Tod Thoralf Plaths sorgte überall für ungläubiges Entsetzen. Aber es ist leider wahr.
Tiefe Trauer bei Freunden, Kollegen und Lesern. Die Nachricht vom Tod Thoralf Plaths sorgte überall für ungläubiges Entsetzen. Aber es ist leider wahr. Georg Wagner
Demmin.

Thoralf Plath ist tot. Welch furchtbare Wucht dieser kurze Satz doch hat. Wir starren diese wenigen Worte an, die uns jetzt schon seit Stunden ununterbrochen quälend durch den Kopf kreisen und uns das Herz zerreißen. Thoralf Plath ist tot, es ist die unfassbare, böse Wahrheit, und alles andere, was man über ihn sagen kann, wird immer von diesem Gedanken begleitet sein, diesen vier verfluchten Worten, die alles ändern, dabei hat er sie noch nicht einmal selbst geschrieben.

Denn eigentlich war er doch dafür zuständig, die Sätze abzufeuern, die sich ins Herz brennen. Das konnte er wie kein Zweiter beim Nordkurier, und weiß Gott nicht nur dort. Thoralf Plath war kein Schreib-Söldner, den man mit Geld oder vermeintlicher Reputation locken konnte. Er hatte eine richtige Allergie gegen Resignation, konnte aber die Leute verstehen, die irgendwann auch aufgeben. Und mit welcher Hingabe er sich dann auf der anderen Seite für alles einsetzte und mit antrieb, was die Region in Aufbruchstimmung versetzte. Und schließlich einer, der immer gerade blieb, Duckmäuserei verachtete und sich gerne auch mit der „Obrigkeit“ anlegte – das war so tief in ihm drin, dass es auch immer in seinen Texten steckte. Nie selbstgefällig rebellisch, sondern immer als vitaler Hintergrundton, der einen daran erinnerte, dass man doch noch am Leben war und es verdammt noch mal selbst in die Hand nehmen sollte und sich von keinem erzählen lässt, was „richtig“ ist oder „falsch“.

Er liebte die Arbeit als Reporter, er kannte keinen Feierabend, sondern nur die Neugier und die Lust auf Menschen. Er hat so gebrannt für seinen Beruf, dass er nie krank wurde. Voriges Jahr hatte es ihn dann doch einmal umgehauen, Lungenentzündung, im Krankenhaus recherchierte er gleich zwei Artikel. Dann war er wieder auf dem Damm, und in der Nacht zum Freitag ist er dann völlig unerwartet verstorben.

Schon zu DDR-Zeiten oppositionell in Kirche und Umweltbewegung aktiv, absolvierte Thoralf Plath nach der Wende zunächst ein Volontariat in unserer Malchiner Redaktion, später wechselte er nach Demmin, blieb aber auch der Mecklenburger Schweiz immer tief verbunden.

1995 kam ein Wendepunkt in seinem Leben. Thoralf Plath begleitete einen Demminer Hilfstransport ins russische Kaliningrad und lernte dort seine künftige Frau kennen. Schwierig? Doch nicht für Thoralf Plath. Er pendelte einfach zwischen Demmin und Kaliningrad und dann auch noch Riga, Zuhause schrieb er für den Nordkurier, aus dem Baltikum berichtete er dazu auch noch für zahlreiche Magazine.

Thoralf Plaths größter eigener Fehler war es, jetzt einfach mit 54 Jahren zu sterben, weil jeder Tag mit ihm so spannend und inspirierend war. Thoralf Plath ist tot. Das wird immer schmerzen. Aber was für ein Glück, dass er bei uns gelebt hat. Unsere tiefste Anteilnahme gehört seinen Eltern und seiner Frau.

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