Die Kirche will den Dienstsitz der Propstei Demmin in der Baustraße 34 aufgeben.
Die Kirche will den Dienstsitz der Propstei Demmin in der Baustraße 34 aufgeben. Christine Gerhard
Die St.-Bartholomaei-Kirche in Demmin soll weiter als die pröpstliche Predigtstätte gelten.
Die St.-Bartholomaei-Kirche in Demmin soll weiter als die pröpstliche Predigtstätte gelten. Pablo Himmelspach
Propstei Demmin

Nun zieht sich auch die Kirche aus der Fläche zurück

Der Evangelische Kirchenkreis Pommern will den offiziellen Verwaltungssitz der Propstei Demmin nach Greifswald verlegen. Der Synoden-Beschluss trifft im Peenetal auf wenig Gegenliebe.
Demmin

Die jüngste Tagung der II. Synode des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises (PEK) wartete mit einem Paukenschlag auf, der vermutlich lange nachhallen und zumindest im Bereich des früheren Landkreises Demmin für erhebliche Missklänge sorgen dürfte. Denn das Gremium beschloss am Sonnabend im Kulturbahnhof Greifswald, den Dienstsitz der Propstei Demmin in die Universitätsstadt zu verlegen. Also dorthin, wo schon PEK-Verwaltung und Bischof residieren.

Wobei die Mehrheit alles andere als überwältigend ausfiel: 28 der anwesenden Synodalen, insgesamt gibt es 66, votierten mit Ja, 17 mit Nein, es gab 7 Enthaltungen. Offensichtlich konnte die Gegner nicht überzeugen, dass die Propstei ihren Namen behalten und die St.-Bartholomaei-Kirche in Demmin weiter als die pröpstliche Predigtstätte gelten soll.

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Spielte Wohnsitz auf Usedom eine Rolle?

„Grundlage für den Beschlussvorschlag war eine gründliche Evaluierung des Demminer Propstsitzes, die ergeben hatte, dass mehrere Gründe für die Verlegung sprachen“, heißt es in der offiziellen Presseinformation zur Abstimmung. Der Demminer Propst ist Bindeglied der Verwaltung in Greifswald, daher gibt es dort ein zweites Propst-Büro. „Zudem sind der Demminer Propst Vorsitzender des Kirchenkreisrats und die Demminer Propsteisekretärin auch Sekretärin des Kirchenkreisrats, der seinen Sitz in Greifswald hat.“

Darüber hinaus dürfte die persönliche Situation von Amtsinhaber Gerd Panknin eine Rolle spielen: Sein Familienwohnsitz befindet sich auf Usedom, wobei er laut einer Vereinbarung zum Schluss seiner Amtszeit hin, die voraussichtlich im Sommer 2024 endet, nicht mehr an die Dienstwohnsitzpflicht in Demmin gebunden ist.

Bezeichnung Demmin soll ein Zeichen sein

Die Lage Greifswalds sei innerhalb der Propstei in vielerlei Hinsicht günstiger, führte er selbst während der Einbringung des Beschlussvorschlags aus. Zeitlich, ökonomisch und ökologisch sei die Beibehaltung dieser Doppelstruktur daher nicht sinnvoll. Mit der Beibehaltung der Bezeichnung Demmin sowie der Predigtstätte in Demmin werde bei verantwortungsvollem Umgang mit den Ressourcen ein klares Zeichen für die gewachsenen Strukturen, für die Region und für die Präsenz in der Fläche gesetzt.

Rückzug aus der Fläche – nun auch die Kirche?

Genau das scheinen Pastoren und Gemeindemitglieder vor Ort anders zu sehen. Einige befürchten das Einläuten des endgültigen Rückzuges aus der Fläche und damit eine Fortsetzung des nach der Wende in der Kommunalpolitik und -verwaltung zu beobachtenden Zentralisierungsprozesses. Mitsamt seinen fatalen Folgen für die weitere Entwicklung in der vorpommerschen Provinz. Nun auch bei der Kirche?

Demmins Pastor Martin Wiesenberg hatte bereits in einem Beitrag der Kirchenzeitung vor diesem Beschluss gewarnt. Zumal gerade erst wieder Pfarrstellen stillgelegt und damit die Gemeinde- und Pfarrbereiche noch einmal vergrößert worden seien. Dies habe er auch seinen beiden Synodalen mit auf den Weg nach Greifswald gegeben, berichtete er dem Nordkurier. Wohl wissend, dass diese Offerte noch gar nicht überall in den Kirchengemeinden so richtig angekommen und von der Tragweite her bewusst geworden sei. Leider habe sich die Mehrheit am Sonnabend anders entschieden. „Das ist irgendwie auch ein sehr schlechtes Signal für Demmin“, machte Wiesenberg klar. Daran könne der Name nichts ändern, dessen Beibehaltung klingt für ihn unehrlich.

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„Dass diese Lösung auf Dauer gut ist, bezweifle ich.”

Sein Amtsbruder in Loitz widerum sieht darin einen Hoffnungsschimmer, setzt auf den Nachfolger oder die Nachfolgerin Pankins. Für dessen persönliche Situation habe er ja Verständnis, selbst wenn ihm wenig einleuchte an der Rede vom Wochenende, erklärte Bernd-Ulrich Gienke dem Nordkurier. „Aber dass diese Lösung auf Dauer gut ist, bezweifle ich. Da sollten wir nochmal drüber nachdenken.“ Hier werde der Propst zu sehr zum Verwaltungsmann degradiert, statt ihm mehr Freiheiten für das Wirken in den Pfarrämtern und bei den Gläubigen zu geben. „Für unsere Strukturen ist das kontraproduktiv und überhöht die Verwaltung in einer Weise, die nicht gut ist. Da ist etwas schiefgelaufen in den letzten Jahren.“

Präsenz auf dem Land erhalten

Ähnlich äußerte sich Christian Bauer, Pfarrer für die Kirchengemeinden Hohenmocker und Daberkow. „Dieser Trend ist genau das Gegenteil von dem, was ich mir wünsche für unsere Kirche und wofür ich stehe.“ Schließlich müsste es darum gehen, die Präsenz auf dem flachen Land, wo die Wurzeln der Gemeinschaft besonders tief reichen und den Fortbestand der Gemeinden sichern, größtmöglich zu erhalten. „Aber die Obrigkeit verabschiedet sich schon mal.“

Eine Argumentation, der sich sein Jarmener Kollege Arnold Pett anschloss. In Greifswald konzentriere sich ohnehin schon zu viel in Sachen Politik und Verwaltung, da sei dieser Umzug nicht zu Ende gedacht. Während es für ihn in der Jarmen von der Entfernung her egal sei, ob er dort- oder hierhin fahre, gehe es doch auch um die emotionale Entfernung. Gerade für die Region am mittleren Peene- und Tollensetal, für die Demmin seit jeher so etwas wie das Herz darstelle. Das nun drohe, vollends herausgerissen zu werden.

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